Osterburg l Am Montag glühten die Scheren im Osterburger Friseursalon „Hairelounge“, von morgens um 8 Uhr bis 23.30 Uhr. Gestern würde es bestimmt genauso sein, prognostizierte Inhaberin Doreen Müller am Vormittag. „Heute sind wir sogar schon seit 7 Uhr hier.“ Kurz vorm Lockdown war der Ansturm groß, „wir machen das für unsere Kunden“. Sie seien es ja auch, die dem Laden die Treue halten. So war es nach dem ersten Lockdown und so werde es hoffentlich wieder sein.

Doreen Müller zeigt Verständnis für die Schließzeit, die heute beginnt. Penibelst hätten sich die Mitarbeiterinnen auch bis jetzt an alle Vorgaben gehalten („drei Kontrollen ohne Beanstandungen“) – und doch sollte der Spaß nicht zu kurz kommen. So trugen die Frauen neben den Masken auch weihnachtliche Accessoires auf ihren Köpfen, es lief schöne Musik „und gestern habe ich für die Mädels Pizzen geholt“.

Am Montag beinahe Panikkäufe

Die Flagge hochhalten, das ist auch das Motto von Andrea Lux vom Modegeschäft „Oh la la“. Sie habe letztlich Verständnis für den Lockdown. „Gut, dass wir die zwei Tage jetzt noch hatten. Am Montag gab’s ja beinahe Panikkäufe.“ Wie sie das Virus findet, steht draußen an der Scheibe: Corona ist doof. Für diesen frechen Spruch habe Andrea Lux sehr viel positive Resonanz erhalten.

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Uwe Wienroth vom Geschäft „Zum Weinberg“ sagte am Telefon gegenüber Volksstimme nur „keine Zeit“ – der Laden brummte vorm Lockdown. Das war auch im „Proka“ so, wo es 33 Prozent Rabatt auf alles gab. „Und es wurde viel gekauft, von der Weihnachtsdeko über Taschen bis zu Mode“, sagte Teamleiterin Claudia Holländer. „Der angewiesene 2. Lockdown steht vor der Tür und wir brauchen Ihre Hilfe. Kommen Sie und besuchen den stationären Fachhändler in Ihrer Stadt“, hieß es auf einem Zettel am Proka-Schaufenster.

Erstmals Zeit zum Plätzchen backen

Heiderose Maurer vom Modegeschäft „Trendmode Maurer“ zeigt absolutes Verständnis für den Lockdown. „Er hätte auch früher kommen können. Ich meine, die zwei Tage waren für den Handel noch mal gut, aber in Bezug auf Corona bestimmt nicht“, sagte sie gestern. Es gebe sicher Branchen, die noch mehr aufs Weihnachtsgeschäft angewiesen sind als die Modebranche. Eigentlich ist Heiderose Maurer sogar glücklich über die Auszeit. „Ich bin fast 50 Jahre im Handel und habe vor Weihnachten noch nie so viel Zeit zum Plätzchen- und Stollenbacken gehabt. Ich werd’s genießen, mit Musik und allem“, so die Osterburgerin. „Die Gesundheit ist nun mal das Wichtigste.“

Indes dürfen abseits von Supermärkten zum Beispiel auch Optiker weiterhin öffnen. Im Falle von Willam-Optik auch erst mal zu den gewohnten Zeiten, „wir haben viel zu tun“, sagte Inhaber Sven Metzlaff. Das könne Heiko Schmeichel vom Ratskeller leider nicht behaupten. Seit dem Teil-Lockdown darf er nur noch Essen außer Haus anbieten, „aber das wird nicht gut angenommen“, so der Restaurantinhaber. Vielleicht hätten sie den harten Lockdown vorher fahren sollen, mutmaßte Schmeichel, der aber auch betonte: „Die Gesundheit ist das Wichtigste.“