Pollitz l Die Lockerungen bei den Kontaktbeschränkungen im Rahmen der Corona-Pandemie lassen auch in den Kirchen wieder mehr Leben zu. Richtige Gottesdienste oder Konzerte sind in den Gotteshäusern aber noch immer nicht möglich. Dafür sind die obligatorischen Masken einfach zu hinderlich, die vorgeschriebenen Abstände für die Gäste zu groß oder die Zeitvorgaben für die Zusammenkünfte zu kurz.

Klangliches Kleinod

Mit einer musikalischen Andacht in der Pollitzer Kirche, in der ursprünglich Jubelkonfirmation gefeiert werden sollte, gab es am Sonntagnachmittag trotzdem ein bisschen von allem. Und einen doppelten Sinn hatten die besinnlichen 20 Minuten in der Pollitzer Kirche auch noch. Pfarrer Christian Buro feierte nicht nur das Wiedersehen und das Aufleben sozialer Kontakte nach langer Zeit, sondern proklamierte quasi Tag 1 des Projektes Orgelsanierung. Das Interesse war groß. Außer Pollitzern folgten auch Einwohner der Nachbardörfer der Einladung und nutzten die Gelegenheit, dem Orgelspiel von Kantor Friedemann Nitsch aus Seehausen zu lauschen sowie einen Blick auf und sogar in das Kircheninstrument zu werfen.

Die 1871 fertiggestellte neugotische Backsteinkirche mit dem 110 Jahre älteren barocken Fachwerkturm verfügt mit einer Lütkemüller-Orgel über ein klangliches Kleinod, das jetzt noch mit vertretbarem Aufwand restauriert und erhalten werden könnte, bevor Holzwürmer und der Zahn der Zeit vollendete Fakten schaffen. Vertretbar steht in dem Fall immer noch für eine Kostenschätzung von 26 000 Euro. Eine Summe, die die Kirchengemeinde aus eigener Kraft nicht aufbringen kann und zu gegebener Zeit auf Sponsoren und Spender zählt. Große Hoffnung setzt der Pfarrer auf die Stiftung Orgelklang, bei der Fördermittel beantragt werden.

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Mit Friedemann Nitsch hatte Buro einen Kenner der Pollitzer Orgel und deren Erbauers aufgeboten, der über viele Jahre entscheidend Anteil daran hatte, der größeren und berühmteren, aber auch deutlich jüngeren Schwester in der Seehäuser Petrikirche zu alter Stimmgewalt zu verhelfen.

Hoffnung auf Zuschüsse

Der Seehäuser Kirchenmusiker bekräftigte, dass genau jetzt der richtige Zeitpunkt gekommen wäre, die Orgel zu erhalten. Preiswerter wird es nicht, weil der Abbau, die Reinigung sowie Sanierung der Holz- und Metallpfeifen, das Stimmen, die Reparatur der Windanlage, die Instandsetzung von Mechanik und Elektrik oder der Wiederaufbau fast ausschließlich in Handarbeit geschehen. Dass das Kircheninstrument aus dem Jahr 1848, bei dem der Organist je nur ein Manual, ein Pedal sowie neun Register von der Seite mit Blick auf Altar und Pastor bedient, am Sonntag gut klang und ohne nennenswerte Störungen bespielt werden konnte, wertete Nitsch als positives Zeichen. Er und die Pollitzer Kirchgänger wissen aus eigener Erfahrung, dass die Orgel bei Kälte und hoher Luftfeuchtigkeit gern auch mal bis zur Unspielbarkeit bockt.

Friedemann Nitsch legte sich aber nicht nur um dieser einen Orgel willen ins Zeug, sondern erinnerte daran, dass die spielbaren Orgeln in den Dorfkirchen immer seltener werden und dass es gelte, dieses Stück Kulturgut zu erhalten.