Werben l Olaf Scholz hat viel gelächelt in Werben. Der Erste Bürgermeister der Freien und Hansestadt Hamburg ist Profi und kennt derlei Wahlkampftermine: Ins Gästebuch schreiben und lächeln, Kaffee trinken, Schnittchen essen, Fragen stellen, Interesse bekunden. Das beherrscht Olaf Scholz natürlich, in der Tat aber schien er auch angetan von der kleinsten Hansestadt der Welt, der er gleich ein Kompliment verpasste: „So klein ist Werben ja gar nicht“. Das Publikum des „Hanse-Talks“ im nicht ganz besetzten Hansesaal des „Deutschen Hauses“ beklatschte dies lachend. Klein oder groß sind relativ, das sahen die Gäste auch beim Anblick der beiden Bürgermeister. Der große Jochen Hufschmidt als Bürgermeister der kleinen Stadt und Olaf Scholz als vergleichsweise kleiner Mann als Bürgermeister der großen Stadt – aber mit Größe. Was Scholz dem Publikum präsentierte, war neben auflockernden Sprüchen großes Gedankenwerk. Nicht weniger sieht der Politiker nämlich in der Hanse, als „den ersten Ansatz der EU“. So sei es gerade in heutigen Zeiten, da Europa als Gemeinschaft wackelt, „ein Vermächtnis, wenn man diesen Namen trägt“. Es sei gut und richtig, dass man sich in Europa streite, aber dieser Streit dürfe nicht zum Auseinanderbrechen der EU führen. „Ohne die EU hätte es die deutsche Einheit nicht gegeben“, betonte Scholz. So habe Deutschland auch eine besondere Verpflichtung, darauf hinzuwirken, dass Europa weiter funktioniert.

Für die SPD funktionierte am Donnerstagabend zunächst der Wahlkampftermin. Landtagskandidat Ralf Bergmann übernahm den moderierenden Part, die SPD-Spitzenkandidation Katrin Budde sprach etwa von der Wichtigkeit einer guten Wirtschaftspolitik, „die es hier fünf Jahre nicht gab“. Doch immer wieder gaben beide das Mikro an Scholz weiter. Budde: „Er ist der Coup heute.Olaf, das Mikro gehört dir.“

Hufschmidt betonte in aller Demut, dass er die Amtsgeschäfte nicht auch nur für einen Tag mit seinem Hamburger „Amtskollegen“ tauschen möchte. „Das traue ich mir dann doch nicht zu.“ Nach dieser Antwort seines Sitznachbarn zeigte sich Scholz wiederum lächelnd „erleichtert“. Es gibt ja auch in Werben noch genug zu tun. Das bemerkte der Tross aus Genossen, Personenschützern und Bürgern schon beim Rundgang durch die Stadt. Das Elbtor war wegen der defekten Straßenbeleuchtung nur zu erahnen, aber Hufschmidt wollte dort unbedingt hin – und Scholz bestärkte ihn. Denn vom Elbtor aus schickte Werben einst den teuren Weizen nach Hamburg. Dieses Mal gabs Salzwedler Baumkuchen, Kuhschwanzbier und ein Duplikat des Erinnerungsschildes. Aber als Geschenk.

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