Seehausen l „Zugabe, Zugabe“, riefen die Mädchen und Jungen aus den Kindertagesstätten, der Grundschule und der Gemeinschaftsschule den Akteuren zu, die zuvor die Seehäuser für rund eine Stunde mit ihren Künsten unterhielten. Die jungen Damen und Herren, die aus ihrer palästinensischen Heimat angreist sind, „eroberten“ im Nu die Wischelandhalle.

Die interkulturelle Woche brachte sechs Akteure der „Nablus Circus School“ und deren Trainer und Leiter nach Seehausen. Die beiden jungen Frauen Tala (17 Jahre) und Azza (18) sowie die jungen Herren Noor (18), Noof (19), Massab (22) und Wajdi (18) überzeugten mit ihren akrobatischen Leistungen die Kita- und Schulkinder. Ihr Lohn war frenetischer Applaus des Seehäuser Nachwuchses, der danach sich mit Fragen an den Dolmetscher der Gruppe wenden durfte. Unter anderem, seit wann die Circus-Schüler trainieren: Die meisten sind seit sechs Jahren dabei. Sie mussten sogar eine Art Aufnahmeprüfung absolvieren, bei der sie nachwiesen, dass sie geeignet sind. „Am Anfang war es schon schwierig“, sagte Massab.

Axel Giebe, Leiter der Seehäuser Gemeinschaftssschule, bedankte sich mit einem Blumenstauß bei den Akteuren. „Nehmt den Applaus der Altmark mit in die Welt“, freute er sich über die Begeisterung in der vollen Halle. Mit Jonglagen, Akrobatik, Clowning und anderen Elementen des Zirkus‘ beeindruckten die jungen Palästinenser das Publikum. Die Mitglieder trainieren mindestens dreimal in der Woche, dann für fünf Stunden.

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Die „Nablus Circus School“ tourt durch mehrere Städte in Deutschland. Bereits seit drei Wochen - am Ende werden sie nach zwei Monaten und vielen Eindrücken wieder in Richtung ihrer Heimat reisen.

1999, als die Gewalt und Unruhe vor der zweiten Intifada immer mehr zunahmen, reagierte eine Gruppe kreativer Jugendlicher ganz unerwartet: sie nahmen Clownsnasen und verwandelten lokale Witze und Anekdoten in Clowns-Stücke. Vor allem in den ärmsten und am stärksten benachteiligten Gebieten rund um Nablus führten sie Shows für Kinder auf. 2004 bildete die Gruppe dann die Organisation „Assirk Assaghir“ (Der kleine Zirkus). Die jungen Künstler knüpften Kontakte zu europäischen Zirkussen, die „Assirk Assaghir“ Ausbildung, Ausrüstung und die Möglichkeit boten, im Rahmen des kulturellen Zirkusaustauschs ins Ausland zu reisen.