Werben l Es gibt im Werbener Stadtrat wieder mehr Widerstand gegen das geplante Denkmal des Stadt-Gründungsvaters Albrecht der Bär auf dem Komtureigelände. Anstoß der Diskussion während der jüngsten Stadtratssitzung waren unter anderem die gestiegenen Kosten. Nunmehr ist die Rede von 200 000 Euro.

Bereits seit 2013 setzt sich eine Arbeitsgruppe für die Wiedereinrichtung eines Denkmals des früheren Markgrafen an der Elbe ein. Zwischenzeitlich gab es sowohl unter den Einwohnern als auch im Stadtrat stets kontroverse Ansichten. Während die eine Seite die Albrecht-Figur mit Kettenhemd, Schwert und Kreuz als nicht mehr zeitgemäß erachtet, erinnert die andere Seite an die Geschichte mit der Gründung der Stadt - Albrecht der Bär verlieh Werben das Markt- und Stadtrecht. Zudem ordnete er 1160 an, die Einkünfte der Kirche dem Johanniterorden zukommen zu lassen.

„Sollte ausschließlich aus Spenden finanziert

Die Arbeitsgruppe um Stadtrat Michael Schnelle konnte den Altmärkischen Heimatbund bei dem Denkmal-Vorhaben mit ins Boot holen, organisierte Touren und wissenschaftliche Tagungen. Und letztendlich überzeugte die Arbeitsgruppe auch den Rat, der sich per Beschluss für eine Statue Albrecht I. in Werben aussprach. „Damals waren wir von einer Summe von 30 000 Euro ausgegangen“, erinnerte sich Werbens Bürgermeister Bernd Schulze. Ohne Auswirkungen auf die Stadt-Kasse. Die finanziellen Mittel für die Anschaffung des Denkmals scheinen sich mehr als versechsfacht zu haben, glaubt man den Aussagen jüngst in der Stadtratssitzung, als BiG-Städtebau-Verantwortlicher Norbert Hollemann einige Zahlen für künftige Maßnahmen nannte. Hollemann erhielt aus dem Magdeburger Ministerium für Landesentwicklung und Verkehr um Thomas Webel (CDU) die Nachricht, dass Städtebaufördermittel in Höhe von 200 000 Euro für das Denkmal eingesetzt werden könnten.

Landtagsmitglied Chris Schulenburg (CDU) untermauerte am Montagabend im Deutschen Haus in Werben diese Aussage, als er von den CDU-Mitgliedern des Wahlkreises Havelberg-Osterburg zum Kandidaten für die Landtagswahl 2021 aufgestellt wurde. Er sprach davon, den Ministerpräsidenten für das Denkmal in Werben gewonnen zu haben. Die Unterstützung aus Magdeburg scheint der Arbeitsgruppe und dem Altmärkischen Heimatbund um Norbert Lazay sicher zu sein. Doch haben sie die Rechnung ohne den Stadtrat gemacht?

Fakt ist: Die Bürgerfraktion um Stadtrat Wolfgang Trösken möchte eine weitere Diskussion, stellte den Antrag, das Thema für die nächste Sitzung auf die Tagesordnung setzen zu lassen. Für ein Großteil der Räte ist die Kosten-Entwicklung nicht nachvollziehbar. „Es ist ein Widerspruch zu dem, was wir einst beschlossen haben“, machte Bürgermeister Bernd Schulze deutlich, der sich generell vorstellen kann, dass das Denkmal am Romanischen Haus in Nachbarschaft von St. Johannis von den Touristen in Augenschein genommen wird. Aber die eigentlich dafür bestimmte Summe ist exorbitant gewachsen. Und: „Es sollte ausschließlich aus Spenden bezahlt werden.“

Schon damals war die Rede, dass sich die eingeplanten 30 000 Euro aus Spendengelder zusammensetzen sollen. „Das wird auch der Fall sein“, betonte Michael Schnelle. „Den Eigenanteil für die Stadt stellen wir mit unserem Spendenkonto sicher.“ Dass letztendlich jedoch der Topf mit den Städtebaumitteln für den Bärenanteil genutzt werden soll, ist für Stadtrat Gerd Flechner „ein Skandal“. Er sei schockiert über die nun genannte Summe von 200 000 Euro. Flechner sieht die Summe in andere Projekte der über 1000-jährigen Stadt viel sinnvoller eingesetzt.

Werben hat viele Baustellen, speziell auf dem Komturei-Gelände. Wie Norbert Hollemann vor den Räten und interessierten Einwohnern betonte, wird für 2020 versucht, rund 450 000 Euro Fördermittel aus dem Programm „Städtebaulicher Denkmalschutz“ an Land zu ziehen. „Das ist noch nicht bewilligt“. Allerdings sind in dieser Summe die aus Magdeburg veranschlagten 200 000 Euro für eine Albrecht-Statue nicht enthalten. Vielmehr geht es um Maßnahmen für die Außengestaltung des Komturei-Geländes.

Beratung am kommenden Dienstag in Werben

Vielleicht trägt ein Termin in der kommenden Woche dazu bei, dass für das Denkmal Albrecht des Bären ein Konsens gefunden wird: Am Dienstag, 25. Februar, setzen sich Vertreter des Bauministeriums, des Landesverwaltungsamtes und der Stadt mit Bürgermeister Bernd Schulze an einen Tisch und beraten über die Städtebaufördermittel und in diesem Zusammenhang auch über die mögliche Finanzierung des Denkmals. Die Hansestadt, die schon viele Jahre von Städtebau-Fördermitteln profitierte, ging 2018 und auch 2019 leer aus.

Neben den wichtigen Projekten auf dem historischen Komturei-Gelände hat die Stadt beispielsweise mit der Sanierung der Räbelschen Straße und der Erstellung des Regenwasserkonzeptes bedeutende Vorhaben vor sich, wo sie auf Fördermittel angewiesen sein wird.

Dagegen hoffen Norbert Lazay und die Arbeitsgruppe, dass Albrecht der Bär noch in diesem Jahr die Werbener und Gäste „begrüßen“ wird. Für den 10. Oktober dieses Jahres ist die Einweihungsfeier geplant. Im Jahr des 850-jährigen Todestags des Askanierfürsten, dem ersten Markgrafen Brandenburgs, der unter anderem auch dem Osterburger Gymnasium seinen Namen gab. Bereits von 1906 bis 1917 war Albrecht der Bär Teil des Kirchenvorplatzes. Kaiser Wilhelm schenkte der Stadt eine Statue, die im Ersten Weltkrieg verschwand.