Seehausen l Seit anderthalb Wochen wird die Bundesstraße 189 von der Kreuzung „Sachsenfalle“ bis zur Abfahrt Vielbaum bei Seehausen saniert. Die grundhafte Erneuerung der Fahrbahn zwischen den B-189-Knotenpunkten mit der B 190 und der L 2 lässt sich das Land laut Planungen rund 1,3 Millionen Euro kosten.

Nur die Spitze des Eisbergs

Das ist allerdings wenig Trost für das Umland, wo nach wenigen Tagen die Nerven wegen der hohen Belastung durch den Umleitungsverkehr zum Teil blank liegen, und wo sich die ersten Kollateralschäden mehr als nur andeuten.

Dabei ist das bislang nur die Spitze des Eisberges. Denn die Arbeiten an der B 189 sollen sich laut Pressemitteilung noch bis Ende Oktober hinziehen. Wobei der Seehäuser Verbandsgemeindebürgermeister Rüdiger Kloth den Termin nicht in Stein gemeißelt sieht, weil einige Schäden im Straßenkörper vielleicht erst erkannt werden, wenn die Fahrbahnoberfläche abgefräst ist, was in diesen Tagen geschieht.

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Während der Nord-Süd-Verkehr die meiste Zeit einseitig an der Baustelle vorbei geleitet wird, drängen sich Pkw und Lkw, die in die entgegengesetzte Richtung fahren und bei Wittenberge über die Elbe wollen über die alte Bundesstraße durch Seehausen. Wer aus dem Süden kommt und auf die B 190 in Richtung Salzwedel oder auf Landes- sowie Kreisstraßen in Richtung Niedersachsen will, wird über Drüsedau und Losse durch die Gemeinde Aland, aber vor allem durch das Zehrental geschickt.

In den meisten Orten gilt wegen des Schwerlastverkehrs inzwischen eine Geschwindigkeitsbeschränkung auf 30 km/h, die aber zu selten ernst genommen wird, wie diverse Beschwerden im Ordnungsamt belegen. Wenn sich zwei große Lkw begegnen, verschafft das den Beteiligten allerdings auch nicht mehr Platz. Entsprechend groß sind die zu erwartenden Schäden nicht nur auf der Fahrbahn, sondern auch in den Seitenräumen.

Nach den wochenlangen Schwerlasttransporten für den Windpark Gagel vor über einem Jahr sind die Drüsedauer derzeit zum zweiten Mal hart getroffen. Schlimm ist es auch in Losse, wo das wahrscheinlich holprigste Kopfsteinpflaster im Landkreis Stendal den Verkehr ohnehin seit vielen Jahren ausbremst. Es ist kaum zu glauben, aber der Zustand des Fahrbahnbelages soll in den ersten paar Tagen des Umleitungsverkehrs noch schlimmer geworden sein.

Höhe-Bürgermeister Bernd Prange war bereits mit dem Leiter der Kreisstraßenmeisterei vor Ort, um die Sachen in Augenschein zu nehmen und seinem Unmut Luft zu machen. Er drängt darauf, dass sich nach dem Ende des Umleitungsverkehrs unbedingt etwas tun muss. Wobei er als Kreisbauausschuss-Vorsitzender sozusagen dicht an der Quelle sitzt, um entsprechende Entscheidungen nachdrücklich mit zu beeinflussen.

Kein Geld für Kreisstraßen

Losse sollte laut Prange eigentlich schon vor 20 Jahren ausgebaut werden, weil die Ortsdurchfahrt im Ernstfall als Ausweichstrecke für die beiden Bundesstraßen und die künftige Autobahn eine wichtige Rolle spielt. Das Vorhaben sei aber offenbar schlichtweg vergessen worden. Die Zuständigen müssen sich endlich ihrer Verantwortung stellen, fordert Prange und will sich als Argumentationshilfe einmal zuarbeiten lassen, welche Landes- und Kreisstraßen in den zurückliegenden Jahren denn erneuert wurden.

Die Ernüchterung dürfte vermutlich zumindest im Vergleich zu den Bundesstraßen groß sein. Während bei den Hauptverkehrsadern, über denen in der Wertigkeit nur noch die Autobahnen rangieren, in diesen Tagen angesichts umfangreicher Sanierungsmaßnahmen mitunter sogar Engpässe bei der Versorgung mit frischem Asphalt an der Tagesordnung sind (wir berichteten), fühlen sich Kleinstädter und Dörfler abgehängt.

Auch Verbandsgemeindebürgermeister Rüdiger Kloth, der die Sanierungsbemühungen prinzipiell gut findet, kritisiert, dass für Bundesstraßen viel Geld zur Verfügung steht, während Landes- und vor allem Kreisstraßen in der dünn besiedelten Region im Norden des Landes oft dem Verfall preisgegeben sind und wichtige straßenbegleitende Radwege auf sich warten lassen.

Rüdiger Kloth, Bauamtsleiter Guido Mertens und das Seehäuser Stadtoberhaupt Detlef Neumann verfolgen natürlich auch das Verkehrsgeschehen in Seehausen mit Argusaugen. Abgesehen von drohenden Schäden auf und neben der Ortsdurchfahrt müssen die Anlieger derzeit Erschütterungen, Lärm sowie zusätzliche Gefahren für Leib und Leben aushalten. Dazu dürfen an der Großen Brüderstraße die Parkbuchten vor den Geschäften nur noch einseitig genutzt werden, weil es schon einige abgefahrene Spiegel zu beklagen gibt. Ein Verkehrsschild hat es nebenbei auch schon erwischt. Im Rathaus geht man davon aus, dass die Schadensbilanz in den verbleibenden Wochen noch anwachsen wird. Ende des Jahres heißt es dann Wunden lecken.