Krevese l „Wenigstens ist niemand zu Schaden gekommen“, sagte der Geschäftsführer der Agrargenossenschaft Krevese/Drüsedau, Martin Ahrndt, gestern Vormittag. Der Schock sitze natürlich tief, am Wochenende soll die Wintergersten-Ernte losgehen und nun das. Ahrndt ist gegen 4 Uhr morgens von der Leitstelle Stendal aus dem Schlaf gerissen worden. Als er am Betriebsgelände ankam, brannte die Maschinenhalle schon lichterloh. Dieses Bild bot sich auch den Ortsfeuerwehren Krevese, Osterburg und Dequede, die mit 35 Leuten anrückten. Sie brachten die Drehleiter in Stellung und gingen unter massivem Löschschaumeinsatz gegen das Feuer vor. „Der Schaum war notwendig, weil Kraftstoffe ausgetreten sind und Kunststoffteile brannten“, sagr Osterburgs Stadtwehrleiter Sven Engel.

Weitere Alarmierungen am Folgetag

Das Wasser für den Löschschaum kam aus Brunnen im Kreveser Dorfkern, die Wehrleute bauten zwei lange Wegestrecken auf. Durch den schnellen Einsatz konnte ein Ausbreiten auf weitere landwirtschaftliche Maschinen, darunter auch Mähdrescher, verhindert werden. Vier Traktoren waren jedoch nicht mehr zu retten. Wie Martin Ahrndt mitteilt, war darunter auch ein neuer, „das ist sehr ärgerlich“. Gestern Vormittag war die Halle abgesperrt. Die Polizei konnte den Brandort noch nicht untersuchen, weil er immer noch zu heiß war. Der Nachwendebau von etwa 40 mal 20 Metern ist seitlich mit Metallplatten verkleidet, auf dem Dach liegt Eternit – darüber eine Photovoltaikanlage. Diese war am Freitagvormittag nochmals in Brand geraten, weswegen die drei Ortswehren abermals ausrücken mussten. Nach 14  Uhr fuhr die Feuerwehr nochmal mit Sirene durch Osterburg.

Die Polizei und auch Martin Ahrndt selbst schätzen den entstandenden Schaden auf rund eine Million Euro. Ahrndt hofft, dass sich die versicherungstechnische Abwicklung des Ganzen „nicht ewig hinzieht“. Wie der Brand ausgebrochen sein könnte? Fragezeichen, Fragezeichen. Um die Ernte sicherzustellen, hat sich der Geschäftsführer gestern erstmal um Leihmaschinen gekümmert. An diesem Wochenende soll die erste Wintergerste vom Acker, dann geht‘s weiter mit Raps, Weizen und Roggen. 1900 Hektar bewirtschaftet das Unternehmen, dazu kommen 650 Milchkühe. „Aktuell 28 Cent bekommen wir pro Liter Milch, zehn Cent mehr bräuchten wir, damit es sich rechnet“, sagte Ahrndt am Rande. Auch das ärgert ihn.

Bilder

Rauchwolke bis nach Osterburg zu sehen

Um so mehr sei die Agrargenossenschaft auf den Ertrag von den Äckern angewiesen. „Das Getreide steht gut, aber wir müssen es noch heil runterbekommen. Hoffentlich spielt der Wettergott mit.“

Was den Brand betrifft, spielte er mit. Der Regen der letzten Tage war sicherlich ein Trumpf, denn die Felder sind nicht weit weg. Die Kreveser Rauchwolke war bis nach Osterburg zu sehen. „Da ging bei den Kameraden der Adrenalinspiegel natürlich hoch“, sagt Stadtwehrleiter Sven Engel.