Salzwedel l Erst in der vergangenen Woche ließ die Salzwedeler Polizei verlauten, es gebe in der Hansestadt keine Probleme mit linksautonomen und rechtsradikalen Gruppierungen. Doch nach den Vorfällen um den sogenannten „Antifaschistischen Stadtrundgang“ am 16. Mai ist es nun scheinbar zu einer Reaktion des rechten Spektrums gekommen.

Wie Mitglieder des Autonomen Zentrums (AZ) „Kim Hubert“ an der Altperverstraße in einer Mitteilung berichten, seien in der Nacht zu Dienstag kurz nach Mitternacht mindestens zehn vermummte und bewaffnete Personen in die Räume des AZ eingedrungen. „Sie begaben sich gezielt in die zweite Etage, wo ein paar Menschen übernachteten, und stürmten mit Schlagwerkzeugen bewaffnet in mehrere Zimmer“, schildern die Verfasser vom Verein Kultur und Courage.

Anwesende Personen seien mit Pfefferspray angegriffen, Türen, Fenster und Möbel zerschlagen worden. Auf dem Weg nach draußen hätten die Angreifer weitere Gegenstände und Fenster zerstört. „Ihre Flucht sicherten sie mit der Zündung einer Rauchbombe im Treppenhaus. Bei dieser Aktion handelt es sich um eine neue Qualität rechter Gewalt“, heißt es in dem Schreiben. Nach fünf Minuten sei der Angriff beendet gewesen. Ein Auto wurde durch herunterfallende Glassplitter beschädigt.

Einschüchterungsveruche

„Wir werten den Überfall als eine Reaktion auf die ‚Antifaschistischen Stadtspaziergang‘, bei dem wir bereits auf massive rechte Gewalt in den vergangenen Jahren in Salzwedel aufmerksam gemacht haben“, schreiben die Verfasser.

Martin Burgdorf, Mitarbeiter in der Salzwedeler Außenstelle des Vereins Miteinander, der sich gegen Rechtsextremismus engagiert, bestätigt den Vorfall auf Nachfrage der Volksstimme. Er teilt die Einschätzung, dass es sich um eine Vergeltungsaktion gehandelt haben könnte, die darüber hinaus keinesfalls einen spontanen Charakter gehabt hätte: „Die Aktion setzt eine gewisse Planung und Know-how voraus. In Sachen rechter Gewalt stellt die Tat sicherlich ein Novum und eine Grenzüberschreitung dar.“

Den Überfall sieht er keinesfalls als Einzelfall. In den vergangenen Wochen habe es zahlreiche Reaktionen auf linkes Engagement in der Stadt gegeben. „Man kann schon davon sprechen, dass es von rechter Seite Einschüchterungsversuche gegeben hat“, berichtet Martin Burgdorf.

Bei der Polizei ist keine Anzeige eingegangen

Anzeigen im Zusammenhang mit dem Angriff sind bei der Salzwedeler Polizei bislang nicht eingegangen. Die Beamten hatten aufgrund von Medienanfragen von dem Vorfall erfahren. „Es wurde von Amts wegen ein Verfahren eröffnet, der Ereignisort kriminalistisch untersucht und die Ermittlungen aufgenommen“, erklärte Frank Semisch, Pressebeauftragter des Polizeireviers Altmarkkreis Salzwedel. Zeugen werden gebeten, sich unter 03901/84 80 zu melden.

In der Vergangenheit hatte es bereits drei Angriffe auf das AZ an der Altperverstraße gegeben. Im Februar 2010 wurde der „Infoladen“ im Haus von einer Gruppe vermummter Personen gestürmt. Im Mai 2011 und Januar 2016 wurden auf das Gebäude Brandanschläge verübt.