Salzwedel l 328.333 Kilometer hat er auf dem Tacho und ist im Dezember 1992 gebaut worden: der Bus, mit dem 119 Haltepunkte in knapp 100 Orten des Altmarkkreises Salzwedel angesteuert werden. Hinzu kommen Stopps an 19 Kindertagesstätten und 6 Schulen. Seit gut 27 Jahren ist die pinkfarbene Fahrbibliothek mit etwa 6000 Medien an Bord unterwegs, um Lesestoff aufs Land zu bringen. Doch der Zahn der Zeit hat an dem Gefährt genagt. Nun kann der Kreis den Kauf eines Nachfolgers wagen. Am Freitag kam Sachsen-Anhalts Staats- und Kulturminister Rainer Robra extra nach Salzwedel, um einen Zuwendungsbescheid in Höhe von 410.000 Euro zu überreichen. Das Geld stammt aus den Reinerlösen der „GlücksSpirale“. Damit wolle das Land den Erwerb eines neuen Bücherbusses unterstützen, sagte der Gast auf dem Hof der Stadt- und Kreisbibliothek.

Landrat Michael Ziche informierte, dass der Kreis jährlich Zuschüsse in Höhe von 185.000 Euro für die städtischen Bibliotheken zahle. Mit dem Bücherbus würde Lektüre auch in entlegene Orte gebracht, ein Bildungsauftrag erfüllt. Etwa zwei Drittel des Landkreises würden abgedeckt. Nur in der Einheitsgemeinde Gardelegen gebe es noch keine Stopps. „Aber wir sind im Gespräch“, merkte Michael Ziche an. Der Kreis finanziere die Fahrbibliothek, die Stadt- und Kreisbibliothek der Hansestadt Salzwedel betreibe und unterhalte den Bücherbus. „Wir stehen zu diesem System. Deshalb haben wir uns mit Salzwedels Bürgermeisterin abgestimmt, dass wir uns um den Neukauf eines Fahrzeuges bemühen“, erklärte der Landrat. Der Kreistag habe im laufenden Haushalt 120.000 Euro als Zuschuss bewilligt.

Aus drohte vor 20 Jahren

„Für mich ist heute ein schöner Tag“, sagte Salzwedels Bürgermeisterin Sabine Blümel. Sie dankte an erster Stelle dem Bücherbus-Fahrer Adolf Helbig, der durch sein Geschick dazu beigetragen habe, dass das Gefährt immer noch unterwegs sei. Sie erinnerte aber auch daran, dass sie vor 20 Jahren, damals noch als ehrenamtliche Ortschefin von Tylsen, für den Erhalt der Fahrbibliothek mit gekämpft habe. Diese sollte aus Kostengründen abgeschafft werden. Allerdings würden gut 8500 Besucher im Jahr dafür sprechen, dass das Angebot gut angenommen werde.

Kreis-Dezernentin Kathrin Rösel verriet, dass der neue Bus auch „Erika violett“, so der exakte Name der Farbe, aussehen solle. Denn das sei für das Wiedererkennen enorm wichtig. Auch wenn Michael Ziche eher eine andere Farbgebung vorschlug.

„In den Farbenstreit möchte ich mich nicht einmischen. Aber es gibt gute Gründe, Kontinuität zu wahren“, sagte Rainer Robra diplomatisch. Er erinnerte daran, dass der Landtagsabgeordnete Carsten Borchert aus Jübar wiederholt um finanzielle Hilfe gebeten habe, weil die Fahrbibliothek im Altmarkkreis so enorm wichtig sei. Vor allem Kinder und Ältere, die nicht mehr so mobil seien, würden sonst schlecht an Lesestoff gelangen. „Ein klassisches gedrucktes Buch zu lesen ist eine andere Form des Kulturerwerbs, als wenn man durchs Internet zappt“, merkte der Staatsminister an. Lesen-Können sei eine Grundlage für die Bildung.

Europaweite Ausschreibung

Rainer Robra verwies darauf, dass der Zuschuss „eine der größten Investitionen ins Bibliothekswesen des Landes“ sei. „Wir nehmen aber keine Haushaltsmittel weg, sondern nutzen die Reinerlöse aus der GlücksSpirale, die uns für solche Projekte auch zur Verfügung stehen“, fügte er hinzu.

Der Buskauf wird jetzt europaweit ausgeschrieben. Das Innere des Neuen soll nach den Vorstellungen der Fachkräfte vor Ort gestaltet werden. „Wir wissen, wie wir optimal arbeiten können. Das soll möglichst so umgesetzt werden“, blickte Sascha Steinig-Pinnecke, der Chef der Fahrbibliothek, voraus. Seit fünf Wochen sei der Bus wieder unterwegs und werde sehr gut angenommen. In Orten wie Immekath und Tylsen werde regelrecht darauf gewartet, verwies er auf einen enormen Andrang.