Salzwedel l Eine Salzwedelerin hatte die Mannschaften gegründet, in denen die Zocker ihrer Leidenschaft nachgehen. Das Terrain, in dem sich die rund 100 Frauen und Männer bewegen, ist nicht von dieser Welt. Die Teams Liquid Dragon und Liquid Mini haben eine Fantasiewelt für sich entdeckt. Eine Welt der Drachen und des Kampfes. Diese befindet sich in den unendlichen Weiten des Computeruniversums, in der sich rund eine Million Spieler in rund 20 000 Teams tummeln.

„War Dragons“ ist ein 3-D-Echtzeit-Strategiespiel, bei dem die Spieler über ein Heer aus Drachen verfügen und sich gegenseitig bekämpfen oder aber beistehen.

Heike Trüe aus Salzwedel ist eine von ihnen. Vor vielen Jahren entdeckte sie das Spiel für sich und gründete am 9. August 2015 ihr eigenes Team, das sie Liquid Dragon (englisch: Flüssiger Drachen) nannte.

50 Spieler pro Team

Bald schon stießen weitere Spieler aus dem deutschsprachigen Raum zu ihrem Team und vergrößerten es auf die maximal erlaubte Anzahl von 50 Spielern. Ein zweites Team wurde gegründet und erhielt den Namen Liquid Mini. Auch dieses hat mittlerweile die maximale Anzahl von 50 Spielern erreicht.

Die Mitglieder stammen aus ganz Deutschland, aus der Schweiz, aus Österreich und sogar aus Australien. Denn eine Mitspielerin aus Deutschland hat das Land zu ihrer Wahlheimat erkoren. Entfernungen spielen keine Rolle, denn das Internet überbrückt diese ohne Probleme.

Seit 2016 treffen sich die Mitglieder der beiden Teams im richtigen Leben. Wie schon in den vorangegangenen Jahren wurde auch in diesem Jahr Salzwedel zum Treffpunkt erwählt. Dieser wurde nicht von ihr, der Teamgründerin, ausgesucht, erklärte Heike Trüe, sondern das Team habe darüber entschieden.

Am Sonnabend wurde nun in der Kneipe „Lutzes Butze“ in der Burgstraße gezockt, aber auch gemeinsam gegessen, getrunken und geplaudert. Es ist nicht so, dass unablässig auf das Tablet gestarrt wurde. Es blieb ausreichend Zeit für die anderen Dinge im Leben, informierte die Ergotherapeutin Heike Trüe. Schließlich habe jeder Mitspieler einen festen Beruf und die meisten von ihnen auch eine Beziehung oder Familie.

Nach dem zeitlichen Aufwand für das Spiel befragt, äußern andere Spieler, dass dieser recht unterschiedlich sei. Mal würden zehn Minuten investiert, mal wiederum auch drei Stunden. Einmal am Tag müsse man allerdings schon einmal in der Parallelwelt vorbeischauen, um sich zu vergewissern, ob noch alles in Ordnung sei.

Suchtfaktor ist da

Denn es gehe in erster Linie um den Aufbau von Orten und Burgen und um die Zerstörung der gegnerischen Teams. Die Kämpfe würden dabei zwischen den Drachen ausgetragen. Die menschlichen Figuren fungieren nur als deren Führer. Aber es ginge bei dem Spiel auch um Kontaktpflege zu anderen Spielern. Und dass dieser gut ist, beweise die Tatsache, dass die Spieler den weiten Weg von Zürich und Wien auf sich genommen haben, um bei dem Treffen dabei zu sein. Ein weiteres Indiz für die Gemeinschaft ist der erreichte Stand in der Punkte-Tabelle. Von den rund 20 000 Teams stehen die Liquid Dragons zurzeit auf Platz 120.

„Wir befanden uns sogar schon mal auf Platz 98 und gehörten damit zu den erfolgreichsten 100 Teams weltweit.“ Natürlich sei schon ein gewisser Suchtfaktor gegeben. Die einzigartige Grafik des Spiels und die spannungsgeladene Szenerie ließe manchmal schon die reale Welt sehr klein erscheinen.

In diesem Jahr wollen sich die Teams noch ein zweites Mal treffen. Ob es nun wieder in Salzwedel sein wird, wisse man noch nicht. Das würde das Team entscheiden, sagte die Teamgründerin Heike Trüe.