Salzwedel l Gute Nachrichten gibt es für Senioren im Altmarkkreis Salzwedel, deren Mahlzeiten bislang von „Pfiff Versorgung – Essen auf Rädern“ ins Haus gebracht wurden. Aus Sorge davor, durch die zahlreichen Kundenkontakte der Auslieferungs-Fahrer, zu der Verbreitung des Coronavirus beizutragen, hat das Unternehmen den Betrieb bis auf Weiteres eingestellt. Das Deutsche Rote Kreuz und die Landfleischerei Winterfeld stehen bereit, die Versorgung der Menschen zu übernehmen.

„Wir haben alle denkbaren Maßnahmen getroffen, um unter möglichst hygienischen Bedingungen zu arbeiten“, sagt Pfiff-Geschäftsführer Jens Bretschneider. Da aber nach wie vor die rechtlichen Vorgaben fehlen, die regeln, ob Unternehmen von Haftung bedroht sind, wenn sie zur Verbreitung des Virus beitragen, „sehe ich mich in der Pflicht, unsere Kunden und meine Mitarbeiter zu schützen“, begründet Bretschneider seine Entscheidung. Im Laufe der vergangenen Woche hatten die Fahrer des Unternehmens ihre jeweiligen Kunden von der bevorstehenden Schließung informiert. „Natürlich haben wir niemand ins ‚kalte Wasser‘ geworfen, sagt Bretschneider: „Wir haben unser Möglichstes getan, damit alle genug Vorlauf hatten, um ihre Versorgung neu zu organisieren. Aber nun kann ich den Betrieb nicht länger verantworten.“

Es hat Enttäuschungen gegeben

Es liegt auf der Hand, dass nicht alle Kunden mit Verständnis auf die Entscheidung reagiert haben. „Ja, es hat Enttäuschungen gegeben“, räumt Bretschneider ein: Dem Virus sei aber nicht anzusehen, wer es ins Haus gebracht hat, wenn eine Infektion festgestellt wird. „In dieser Situation muss ich auch an die Familien und das Ansehen unserer Mitarbeitenden denken“, sagt Bretschneider.

Unterdessen stehen die Helfer vom DRK-Kreisverband Salzwedel bereit, in die Bresche zu springen. Fünf Mitarbeitende und zwei Fahrzeuge des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) sind in der Region unterwegs und beliefern täglich rund 200 Senioren mit einer warmen Mahlzeit.

„Es ist unsere Aufgabe, den Menschen zu helfen“, sagt Sven Knoche, der die Entscheidung von Jens Bretschneider versteht: „Als Teil einer internationalen Hilfs-Organisation arbeiten wir unter anderen Voraussetzungen als ein privates Unternehmen“, sagt der Vorstandsvorsitzender im DRK-Kreisverband Salzwedel.

Sicherheitsabstand

Dazu gehört auch, dass die Mahlzeiten, die das DRK liefert, nicht frisch gekocht werden: „Wir bieten eine schockgefrostete Tiefkühlware, die in geschlossenen Verpackungen geliefert, und von unseren Mitarbeitenden in den Fahrzeugen aufgewärmt wird.“

Bei der anschließenden Übergabe des Essens – das sich noch immer in seiner geschlossenen Verpackung befindet – gelte es nur noch, den empfohlenen Sicherheitsabstand zum Kunden zu halten. Knoche: „Im Zweifel stellen wir das Essen vor die Haustür, klingeln und treten zwei Schritte zurück.“ Eine Übertragung des Virus sei auf diese Weise beinahe ausgeschlossen.

Interessenten bietet der DRK-Kreisverband Salzwedel eine Auswahl von fünf verschiedenen Menüs. Diese können über die DRK-Internetseiten oder über das Telefon bestellt werden.

Eine zweite Möglichkeit, warmes Essen zu beziehen, bietet die Landfleischerei Winterfeld aus Apenburg-Winterfeld. Das Unternehmen habe sich inzwischen auf die Notversorgung von Schulen und Kindergärten eingerichtet, mit denen die Landfleischerei langfristige Verträge abgeschlossen hat, erklärt Geschäftsführer Burkhard Thiede. Bei der Anfahrt dieser Kunden machten die Fahrer auch bei Senioren Halt, „die an der Strecke liegen.“ Ausgehend von der Gemeinde Winterfeld, führen die Routen in Richtung Kleinau, Gardelegen und Bonese. Für Bestellungen gibt es ein Infotelefon: 039009/604. Die Rufnummer des DRK-Kreisverbandes Salzwedel lautet 03901/861 21.