Salzwedel l „Ich habe nach etwas gesucht, was mich zufriedenstellt“, erklärt Kirsten Schiller ihre Motivation, ihr eigenes kleines Unternehmen zu gründen. Denn das war die Diplom-Wirtschaftsingenieurin in ihrer vorherigen Tätigkeit nicht. „Wenn man beginnt, von der Arbeit zu träumen, dann stimmt etwas nicht.“ Dazu kamen ernährungsbedingt gesundheitliche Probleme. „Im Grunde genommen habe ich eigentlich nach einem besseren Leben gesucht“, blickt Kirsten Schiller auf die jüngere Vergangenheit zurück.

Das Thema gesunde Ernährung ging sie ganz grundsätzlich an und absolvierte ein Fernstudium als zertifizierte Ernährungsberaterin. Zudem erwarb sie Fachwissen als Heil- und Pflanzenkundlerin. „Wenn man mit Leidenschaft für etwas brennt, dann schafft man das“, beantwortet sie lächelnd die Frage nach der Zusatzbelastung durch das Fernstudium.

Idee

Von der Erkenntnis „Ernährung fängt beim Einkauf an“ bis hin zur Idee „Wie wär‘s mit einem Bioladen?“ war es dann nur noch ein kleiner Schritt. Der Gedanke sei ihr bereits 2014 gekommen, erzählt Kirsten Schiller. Doch hinter so einer Entscheidung müsse natürlich auch die Familie stehen.

Bilder

Gemeinsam mit Ehemann Hans-Werner Henze baute sie ihren heutigen Laden an der Breiten Straße in Salzwedel aus, ohne Bankfinanzierung übrigens. Und während die Ausbauarbeiten voran gingen, stellte sich für Kirsten Schiller auch die Frage, wie „das Kind“, also der Laden denn heißen solle. Einfach Bioladen? „Das klang langweilig“, so Kirsten Schiller. Aber wie wär‘s denn mit Naturkostladen, kurz Natukola? Das klang eingängig, war einfach auszusprechen, und die Reaktionen, die nach der Eröffnung am 13. August 2016 von Verwunderung bis „Klasse“ reichten, gaben ihr recht.

Beratung

Doch Kirsten Schiller wollte nicht einfach nur verkaufen, sondern die Menschen beraten und ihnen Alternativen in Sachen Ernährung aufzeigen. So würden immer wieder Fragen nach dem sogenannten Superfood wie Quinoa oder Chia gestellt. Dabei gebe es durchaus einheimische Alternativen mit den gleichen Qualitäten, sagt Kirsten Schiller und nennt Leinsamen, Hirse oder Hanfsamen als Beispiele.

Doch ihr Konzept geht über Einkauf und Beratung hinaus. Kirsten Schiller möchte ihren Kunden für den Einkauf eine entspannte Atmosphäre bieten, angefangen vom Aquarium bis hin zur Möglichkeit von Frühstück und Mittagstisch. „Während die Frau in Ruhe einkauft, kann der Mann eine Tasse Kaffee trinken“, beschreibt sie eine Möglichkeit. „Einkauf ist ein emotionales Erlebnis“, ist Kirsten Schiller überzeugt. Sie möchte für einen bewussten Umgang mit Lebensmitteln und Essen werben. Dafür hält sie Vorträge, unter anderem über die Volkshochschule und die Volkssolidarität.

Arbeitsplätze

Das ihr Konzept aufging, zeigt sich nicht nur darin, das sie seit nunmehr zwei Jahren eine Mitarbeiterin und einen Mini-Jobber beschäftigt. Ab dem ersten Quartal kommenden Jahres will sie ihren Kunden die Möglichkeit für einen günstigeren Einkauf anbieten.

Mit ihrer Idee überzeugte sie im Herbst auch die Organisatoren des Wirtschaftspreises 2018. Während der Festveranstaltung im Salzwedeler Kulturhaus nahm sie den diesjährigen Existenzgründerpreis entgegen. In der Begründung wird auf die umfangreichen Anstrengungen verwiesen, die Kirsten Schiller unternahm, um leistungsfähige Naturkost-Lieferanten aus dem regionalen Umfeld zu gewinnen. Gesunde Ernährung sei für sie eben nicht nur ein Verkaufsargument, sondern Überzeugung, so die Juroren.