Salzwedel l Merlin Kofahl wollte gar nicht mehr weg. Der damals 23-Jährige hatte 2019 beim Offenen Kanal Salzwedel ein vierwöchiges Praktikum begonnen, blieb dann aber zuerst weitere vier Wochen, dann noch länger, und irgendwann war‘s ein Jahr. „Es ist einfach optimal hier“, sagt er. „Die Arbeit mit der Kamera, das Schneiden am Computer und auch alles andere – es ist die Mischung, die mir wirklich großen Spaß macht“, fügt der junge Mann hinzu.

Seit dem 1. August 2020 ist Kofahl nun Auszubildender beim Offenen Kanal. Der erste seit 2014. So lange konnte hier aufgrund fehlender finanzieller Mittel keiner in die Lehre gehen. „Von 2006 bis 2014 hatten wir durchweg ausgebildet“, sagt Beate Nilles. Sie ist Mitgründerin und Geschäftsführerin des Offenen Kanals Salzwedel. Die Medienanstalt Sachsen-Anhalt hat bis dahin Ausbildungen bezahlt, die immerhin zwischen 12.000 und 15.000 Euro pro Jahr kosten und drei Jahre dauern. „Das können wir als Verein natürlich nicht aufbringen“, so Nilles.

Vom Praktikant zur Ausbildung

Aufgrund einer Erkrankung von Merlin Kofahl fand sich für ihn in Sachen Ausbildung im vergangenen Jahr jedoch eine Lösung. 2020 hat die Agentur für Arbeit ein Programm namens „Budget für Ausbildung“ aufgelegt, das die Ausbildungskosten für junge Menschen mit Beeinträchtigungen übernimmt. Der Antrag von Kofahl und vom Offenen Kanal ging durch. So konnte der Langzeitpraktikant schließlich am 1. August 2020 seine Ausbildung als „Mediengestalter Bild und Ton“ beginnen.

Azubi ist in den gesamten Ablauf mit einbezog

„Dieser Beruf bringt viele Grundlagen für andere Berufe im Bereich Medien mit“, erklärt Beate Nilles. Man könne sich nach der abgeschlossenen Ausbildung natürlich bewerben, doch eben auch in verschiedenen Bereichen „draufsatteln“, erläutert sie. „Die Besonderheit bei uns ist, dass der Azubi vom ersten bis zum letzten Schritt in den Ablauf der Medienproduktion involviert ist“, hebt Nilles hervor. Sie wisse, dass Auszubildende in großen Medienunternehmen eher auf bestimmte Tätigkeiten beschränkt würden. „Bei uns ist der Azubi dagegen auch in die Sendeprogrammierung und sogar in Verwaltungsabläufe eingebunden.“

Für den gebürtigen Hamburger Kofahl, der seit Längerem aber bei seiner Großmutter im etwa 20 Kilometer entfernten Lemgow wohnt, ist dieses Angebot ein wahrer Segen. „Ich kann hier mitgestalten vom ersten Bild, das aufgenommen wird, bis zum fertigen Film“, sagt er in einer ruhigen Art. „Ich bin ein großer Filmfan und mache nun selbst jeden Tag Filme – das ist toll.“

Technisches Interesse

Dabei war das Fernsehen ursprünglich gar nicht sein Ziel, erzählt Merlin Kofahl weiter. „Ich war schon immer technikinteressiert, baue selbst Computer zusammen und programmiere auch ein bisschen. Aber wenn mir jemand vor drei Jahren gesagt hätte, dass ich mal beim Fernsehen arbeiten würde, hätte ich das nicht geglaubt“, sagt der Auszubildende.

Seine Anleiterin auf dem zweiten Arbeitsmarkt in Dannenberg habe ihm damals den Offenen Kanal Salzwedel empfohlen und ihm dann das Praktikum hier vermittelt. „In Salzwedel kannte ich bis dahin nur das Kino und den Hundefriseur“, lacht der Besitzer eines Vierbeiners. Jetzt verbringt Kofahl – wenn nicht gerade Berufsschule in Leipzig ist – hier eine 40-Stunden-Arbeitswoche, in der Regel täglich von 8 bis etwa 16 Uhr.

Arbeit am eigenen Film

Neben den Arbeiten, die gerade anliegen, sitzt er zurzeit auch an einem eigenen Film, für den er in Hamburg war, um Aufnahmen zu machen. „Es soll eine Dokumentation werden, in der Salzwedel und Hamburg miteinander verglichen werden“, beschreibt Merlin Kofahl sein ganz persönliches Filmprojekt.