Salzwedel l „Kleine Geschenke erhalten die Freundschaft“, berichtet der Volksmund. Das gilt seit Jahrtausenden für die Beziehung zwischen Staaten und Städten. Dass die Baumkuchenstadt Salzwedel von dieser Regel keine Ausnahme bildet, bestätigt Stadtsprecher Andreas Köhler.

Ein Baumkuchen gehöre traditionell zu den Gaben, mit denen das jeweilige Stadtoberhaupt ein Zeichen für die Verbundenheit Salzwedels mit Partnerstädten und offiziellen Delegationen setzt. Üblich sei darüber hinaus, Bücher oder Broschüren auszutauschen. „Das sind“, schreibt Andreas Köhler auf eine Anfrage der Volksstimme, „kleinere Aufmerksamkeiten“, die bei offiziellen Besuchen oder Veranstaltungen an die Stadt übergeben werden. Eine Auswahl besonders schöner „Aufmerksamkeiten“ hat die Verwaltung in einer gläsernen Vitrine, in der Eingangshalle des Rathauses, zusammengestellt.

Ehrenmedaille für besondere Verdienste

„Die Stücke sind einfach zu schade, um sie in einem Schrank zu verschließen“, vermutet der Hüter des Archives der Hansestadt, Steffen Langusch. Er berichtet, dass die Stadt Salzwedel wohl in den 1930er Jahren Ehrenmedaillen für besondere Verdienste habe prägen lassen. „Die gab es“, sagt Langusch, „in Gold, Silber und Bronze.“ Empfänger seien unter anderem erfolgreiche Sportler gewesen, ob aber jemals eine goldene Ehrenmedaille vergeben worden sei, stehe nicht fest. Im Stadtarchiv fänden sich keine entsprechenden Hinweise. Schon damals aber seien wertvolle Ehrengeschenke, die in vergangenen Jahrhunderten genutzt wurden, um Macht und Reichtum des Schenkenden zu dokumentieren, längst aus der Mode gekommen.

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Eine besondere Geschichte vermutet Langusch im Zusammenhang mit dem geschnitzten Stadtwappen, das heute die Wand im Trauzimmer des Rathauses ziere. „Dieses könnte“, sagt Steffen Langusch, „aus der Werkstatt des Holzschnitzers Eduard Heinemann stammen. Der hatte bis 1951 in der Hansestadt gelebt und habe als Meister seines Faches gegolten.

Geschenk abgelehnt

In den 1940er Jahren habe die Stadt einen Ehrenteller bei Heinemann in Auftrag gegeben. Dieser sollte dem Salzwedeler Walter Garz als Zeichen besonderer Anerkennung verliehen werden. Dieser habe das Geschenk aber kurzerhand abgelehnt und darum gebeten, dass seinen Eltern, die sich auf dem Siebeneichenfeld niedergelassen hatten, ein sogenannter Siedler-Kredit erlassen wurde. Diesem Wunsch habe die Stadt entsprochen und der Teller könnte im Laufe der Jahre seinen Weg aus dem Depot der Stadt in das Trauzimmer gefunden haben.

Aus der Werkstatt des Eduard Heinemann könnte auch ein besonderer Holzteller stammen, der erst vor wenigen Tagen den Weg zurück in die Baumkuchenstadt gefunden hat. „Der kam einfach mit der Post“, sagt Langusch. Abgebildet sei das Wappen von Salzwedel, das die Schriftzeile „Die alte Markgrafenstadt Salzwedel“ umgibt. „Viel mehr ist über den Teller nicht bekannt“, gibt Langusch zu Protokoll. Es scheint, als habe ein britischer Soldat den Teller als Erinnerung an seinen Einsatz in Salzwedel nach England gebracht.

Odyssee endet mit Päckchen aus England

Nach seinem Tod habe die Tochter des Mannes den Teller geerbt. Verbunden mit der Bitte, das Erbstück möge einen Platz in einem Museum in der Region finden, habe deren Ehemann den Teller nun an die Verwaltung der Hansestadt geschickt. Wie mit dem unerwarteten Geschenk verfahren werde, stehe noch nicht fest, sagt Langusch. Die hochwertige Ausführung der Schnitzkunst weise aber auf eine Arbeit Heinemanns hin.

Dass offizielle Geschenke zum „guten Ton“ nicht nur bei Besuchen und Gegenbesuchen der Stadt Salzwedel, sondern auch dem Landkreis gehören, bestätigt Kreissprecherin Ivonne Ritter-Findeisen auf Nachfrage. Dabei handele es sich um „geringwertige Aufmerksamkeiten, wie Massenwerbeartikel.“

Anweisung verbietet, Präsente anzunehmen

Eine Ausnahme bildeten Geschenke, die der Landrat bei Hochzeiten, Dienstjubiläen und Geburtstagen überreiche. Auch diese aber entsprächen „einem angemessenen und herkömmlichen Umfang.“ Grundsätzlich gelte für Bedienstete der Verwaltung ein generelles Verbot, Zuwendungen von Dritten anzunehmen. Dazu gebe es, schreibt Ritter-Findeisen, „eine Dienstanweisung, die auch für den Landrat gilt.“ Dieser erhalte ohnehin kaum je Geschenke: „Wenn überhaupt sind es Kalender, Bücher, kleine Bilder, oder Medaillen“, die Michael Ziche in einer Glasvitrine seines Büros verwahre.