Seelische Gesundheit Hilfsangebote stärken Menschen mit psychiatrischen Erkrankungen
Im Gemeindepsychiatrischen Verbund im Altmarkkreis gibt es verschiedene Angebote bei psychischen Problemen und Erkrankungen.

Salzwedel. - Isabelle Jünger und Silvia Prieto Pena beraten in der Bahnhofstraße 6 in Salzwedel: Jünger leitet die Selbsthilfekontaktstelle im Altmarkkreis und unterstützt bei der Findung, Gründung und Organisation von Selbsthilfegruppen. Dabei kann es sich um Gesundheitsthemen wie Krebs genauso handeln wie um psychische Krankheiten wie Depression oder soziale Themen wie Arbeitslosigkeit. In einer Selbsthilfegruppe findet man Menschen, die das Gleiche erleben wie man selbst.
Prieto Pena ist Ansprechpartnerin für die Rechte und Schwierigkeiten von psychisch Kranken. Sie hilft sowohl bei Schwierigkeiten mit Ämterpost als auch beim Besprechen von Problemen mit Betreuern oder Hilfsdiensten oder bei Ungleichbehandlung von psychischen zu anderen Erkrankungen durch Arbeitgeber oder Schulen.
Beratung und Unterstützung für psychisch Erkrankte und Angehörige
In der Bahnhofstraße 6 findet man den Gemeindepsychiatrischen Verbund, der Hilfsangebote bei psychischen Problemen und Erkrankungen zusammenführt. Isabelle Jünger als Selbsthilfekontaktstelle beantwortet Fragen, gibt Empfehlungen und Unterstützung für gemeinschaftliche Selbsthilfegruppen. „Im Altmarkkreis gibt es Gruppen für Parkinson, Osteoporose, Krebs und Multiple Sklerose sowie Sehbehinderungen“, zählt sie auf. „Aber auch verwaiste Eltern, Menschen mit Depressionen oder mit Suchterkrankungen sind in Selbsthilfegruppen organisiert.“
Selbsthilfegruppen bieten Austausch und gegenseitige Unterstützung
Manche Gruppen seien überregional. So gebe es eine Wendland/Altmark-Gruppe, die sich mit FASD (fetaler Alkohol-Spektrums-Störung) hilft, und eine Gehörlosen-Gruppe in der Börde. Manchmal können sich nur Angehörige zusammentun, wie eine Gesprächsgruppe in Klötze, die an Demenz Erkrankten das Leben erleichtert.
„Die Aufgabe der Selbsthilfegruppe ist, sich beizustehen, auch gegenseitig zu erinnern. Oder man tauscht Informationen über Therapien aus“, so die Koordinatorin. „Manchmal ist die Gruppe der Schritt nach oder während der Therapie, aber sie ersetzt die Therapie nicht“, schildert Jünger und fügt hinzu: „Bei den Anonymen Alkoholikern gibt es manchmal Menschen, die nur durch die Teilnahme ihre Sucht überwinden. Dazu gehört aber eine sehr starke Persönlichkeit.“
Vertraulichkeit ist Grundlage der Gruppenarbeit
Eine feste Regel für jede Gruppe ist Vertraulichkeit: Nichts wird weitererzählt. Über Treffpunkte und Aktivitäten entscheiden die Mitglieder. Sie wandern zusammen, machen Gymnastik oder verabreden sich online. Isabelle Jünger vermittelt Interessenten in eine der 35 bestehenden Gruppen oder notiert sich Adressen für Neugründungen. Bald entsteht eine neue Gruppe zu Ess-Störungen. Für manches gebe es Fördermittel, zum Beispiel für Raumnutzung oder Öffentlichkeitsarbeit.
Patientenfürsprecherin hilft bei Behördenpost und Konflikten
Silvia Prieto Pena ist Patientenfürsprecherin. Sie hilft als Ansprechpartnerin und Beschwerdestelle für psychisch Erkrankte und Angehörige. „Manchmal sind es Kleinigkeiten“, schildert sie und nennt Beispiele: „Klienten verstehen die Behördenpost nicht, sind zu aufgeregt, dort anzurufen, oder können sich nicht so gut ausdrücken.“ Prieto Pena hilft auch, Probleme in einer betreuten Wohngruppe anzusprechen.

„Viele suchen sich nicht direkt selber Hilfe. Verwandte oder Freunde können mich ebenfalls ansprechen“, bietet die Patientenfürsprecherin an. „Auch wer noch gar nicht irgendwo in Behandlung war wegen psychischer Probleme, kann sich direkt an mich wenden“. Der erste Schritt für psychisch Erkrankte sei oft die Tagesklinik. „Das ist manchen aber schon zu öffentlich“, beschreibt die Ansprechpartnerin die Hürden. „Die psychische Erkrankung greift ja in alles mit ein.“
Die Beraterinnen denken beide, dass in der jüngeren Generation offener über psychische Erkrankungen gesprochen wird. Problematisch seien jedoch der Fachärztemangel und die langen Wartezeiten auf professionelle Hilfe.
„Psychisch Erkrankte tun die meiste Zeit so, als wären sie gesund, um nicht aufzufallen“, sagt Prieto Pena.