Altmarkkreis l Wer im Altmarkkreis spontan von A nach B muss, kommt zumeist nicht ums Auto herum. Von Diesdorf nach Gardelegen und zurück, schon sind 100 Kilometer gefahren. Demnach ist die Fahrt zu Tankstelle unumgänglich. Nun müssen die Kraftfahrer aber wieder tiefer ins Portemonnaie greifen. Doch wie wirkt sich das an den Tankstellen des Kreises aus? Laden die Autofahrer ihren Frust bei den Tankstellenbetreibern ab? Die Volksstimme fragte bei einigen in der Region nach.

„Unsere Kunden sind Kummer gewöhnt“, sagt Sebastian Blume von der Jet-Tankstelle an der B 71, dem Einfallstor in Salzwedel aus Magdeburg kommend: „Der Kraftstoffkunde ist leidensfähig.“ Für Unverständnis sorge aber bei den Autofahrern, dass die Erhöhung in der schwierigen Zeit des harten Lockdowns nicht ausgesetzt werde. Schließlich würde bei vielen das Geld derzeit nicht so locker sitzen.

„Dezember, Januar und Februar sind ohnehin die Sauren-Gurken-Monate für Tankstellenbetreiber“, so Blume weiter. Viele Montagearbeiter würden im Winter nicht auf Baustellen fahren. Zudem belaste im Januar die Versicherungsprämie die Börsen vieler Kunden, weshalb auch weniger konsumiert werde. „Die Umsätze gehen zurück“, fasst Sebastian Blume die derzeitige Lage der gelben Tankstelle in Salzwedel zusammen.

Heizöl vorm Jahreswechsel gekauft

Beim Heizöl haben sich viele Kunden des Hoyer-Energie-Service in Kleinau bereits bis zum Jahreswechsel bevorratet und die Tanks noch einmal füllen lassen, ehe die Steuererhöhung in Kraft trat, sagt Niederlassungsleiter Achim Schulz. Deshalb rechnet er mit einem Rückgang der Nachfrage beim Heizöl. Als Großhändler habe die Niederlassung von der Corona-Pandemie beim Absatz von Diesel weniger zu spüren bekommen. Er sei identisch mit den Vorjahren geblieben, weil überwiegend Firmen beliefert werden, erklärt er.

Beim Hoyer Autohof Altmark in Winterfeld sei das Verhalten der Kundschaft „sehr gedämpft“, sagt Stationsleiterin Tina Bahn. Sie habe manchmal das Gefühl, dass die Preissteigerungen aufgrund der höheren CO2-Steuer bisher gar nicht aufgefallen sind, obwohl sie gerade beim Diesel ziemlich deutlich ausfielen. Allerdings seien es viele Firmenfahrzeuge, die die Tankstelle an der B 71 ansteuern. Da seien die Fahrer ja nicht persönlich von den höheren Preisen betroffen. Diskussionen dazu habe sie bisher bei der Kundschaft nicht bemerkt. Allerdings sei im Corona-Jahr der Lkw-Verkehr merklich eingebrochen. Schon im ersten Lockdown und seit Dezember wieder. Damit sei auch der Umsatz zurückgegangen.

Immer für 20 Euro tanken

„Gefragt wurde schon, warum der Sprit teurer geworden ist“, erklärt Alexander Torge vom gleichnamigen Tankcenter an der Jävenitzer Straße in Letzlingen. Und da erklärt man dann, dass das an der zum Jahresbeginn eingeführten CO2-Abgabe auf Kraft- und Brennstoffe und an der wieder heraufgesetzten Mehrwertsteuer liege. Gemeckert wurde aber kaum. Und wer tanken müsse, komme nun mal um den Preis nicht herum. „Manche machen den Tank eben nicht mehr voll“, so Torge. Ein Kunde habe mit einem Augenzwinkern gesagt, dass es ihm egal sei, was der Sprit koste, denn er tanke immer nur für 20 Euro. Das alles werde die Einnahmen schmälern. Doch auch schon vor der Preiserhöhung wurde weniger Sprit verkauft, konnten Alexander Torge und seine Frau Janet feststellen. Die Leute waren aufgrund der Corona-bestimmungen und der Homeoffice-Möglichkeiten auf jeden Fall weniger unterwegs.

Hintergründe nicht immer bekannt

Nachfragen von Kunden, weshalb seit Jahresbeginn die Preise für Diesel und Benzin angezogen worden sind, mussten die Mitarbeiter der total-Tankstelle an der Wernstedter Straße in Kalbe schon beantworten. „Viele Kunden schimpfen. Einige fragen uns, was wir mit den Preisen machen, andere wissen aber, was der Hintergrund ist“, schildert Tankstellen-Mitarbeiterin Jennifer Köhnke. Aber nicht allen sei dies bewusst. „Erklären wir es ihnen, wird aber trotzdem gemeckert.“

Dass aufgrund von Homeoffice und weniger Urlaubsreisen weniger getankt wurde, ist Köhnke nicht aufgefallen. Allerdings seien zu Zeiten des Lockdowns tatsächlich weniger Kunden gekommen, fasst sie zusammen.

Weniger Snacks verkauft

In Arendsee stoßen die höheren Spritpreise ebenfalls auf keine Gegenliebe. „Viele Kunden haben vor dem Jahreswechsel noch getankt“, so Annett Schnüber von der VR Plus Energie Tankstelle an der Bahnhofstraße. Besonders Diesel war gefragt. „Die Corona-Krise an sich ist deutlich spürbar“ ergänzt Kollegin Kristin Brozeit. Bereits vor der Spriterhöhung gab es deutliche Einbußen. Die Menschen fahren durch Homeoffice oder Kurzarbeit schlichtweg weniger. Außerdem werde das Geld zusammen gehalten und auf die hohe Kante gelegt. Denn die Zukunft ist unsicher. Der Januar ist sowieso ein schwächerer Monat. Denn viele Versicherungen ziehen ihre Beiträge ab. Dieses Geld fehlt an anderen Stellen. In Arendsee kann noch nicht abschließend gesagt werden, welche Auswirkungen die Preiserhöhung ganz konkret hat. Fest steht: Weniger Tank-Kunden bedeutet auch weniger Umsatz bei den übrigen Waren wie zum Beispiel Snacks.

 Für Matthias Leitloff, dem Inhaber der LTG Tankstelle in Klötze, hat sich nach dem Preisanstieg zum Jahreswechsel nichts geändert. „Die Kunden haben weder gemeckert noch sich über die erhöhten Benzinpreise aufgeregt“, sagt Leitloff und betonte, dass alles ganz normal weiter läuft wie im alten Jahr.

Etwas anders ist bei der Total-Tankstelle in Klötze. „Die Leute meckern immer, wenn der Benzinpreis angestiegen ist“, sagt eine Mitarbeiterin. Der Januar ist aber auch der Monat, wo nicht so viel getankt wird, weil die Menschen zum Teil noch Urlaub haben oder durch die Corona-Pandemie zu Hause sind und nicht soviel Auto fahren, ergänzt die Angestellte. Nicht unerwähnt lässtdie Frau, dass sich der Preis für Benzin und Diesel fünfmal am Tag ändert. Bei Diesel ist ein Anstieg zum Jahreswechsel von 15 Cent pro Liter zu verzeichnen.