Salzwedel l Am Dienstagmorgen erfuhr der Musikkurs, dass die Hauptdarstellerin für das in monatelanger Vorbereitung erarbeitete Musical „Was uns bleibt – wenn die Zeit vergeht“ krank ist. Die Premiere am Mittwoch, 16 Uhr, stand kurz bevor. „Was machen wir jetzt?“, formulierte Anna Lydia Posbiech die Frage, die die Jugendlichen dann bewegte. Und schnell landete das Ensemble bei genau ihrer Person.

Text an einem Tag gelernt

„Eigentlich hatte ich nur eine kleine Rolle, wollte eher gar nicht spielen“, berichtete die Schülerin nach der Aufführung der Volksstimme. Innerhalb eines Tages lernte die Zehntklässlerin den kompletten Text inklusive der Gesangsduette für die Hauptrolle – die Biologin Penelope. Umso größer war ihre Erleichterung nach der Vorstellung, die das Publikum in der Aula des Gymnasiums auf eine musikalische Zeitreise entführte. Gemeinsam mit Lennart Bieber, der den wirren Physiker Leonard mimte, trug Anna Lydia Posbiech die gesamte Aufführung. Ihr Zusammenspiel funktionierte. Und das vor dem Hintergrund, dass keine Zeit mehr für lange gemeinsame Proben blieb.

Gemeinsam hatte der Kurs von Lehrer Sebastian Klopp das Musical entwickelt, schrieb Lieder, Duette und improvisierte zu bekannten Titeln aus der Musikgeschichte. Die Ideen dazu wurden seit Beginn des Schuljahres gesammelt. Weiter erarbeiteten die Zehntklässler Choreographien, fertigten Requisiten an und organisierten die nötige Technik sowie Finanzspritzen von örtlichen Sponsoren. Keine leichte Aufgabe wie Manjana Mertens bei einer kurzen Dankesrede nach der Vorstellung erklärte.

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„Vielen Dank, dass Sie uns ab und an in den Hintern getreten haben“, galten ihre Worte Sebastian Klopp. Denn manchmal hätten in der Vorbereitung „die Nerven blank“ gelegen. All das war am Mittwoch aber nicht mehr zu spüren.

Zum Inhalt des Stückes: Der Physiker Leonard hat es nach vielen Fehlschlägen endlich geschafft, eine Zeitmaschine zu bauen. Mit der Biologin Penelope begibt er sich auf die erste Zeitreise. Doch schnell treten Probleme auf, die das Wissenschaftlerpaar daran hindern, in die Gegenwart zurückzukehren.

Kiffende Pilzköpfe

So landen sie im Jahr 1963 bei den Beatles. Die Pilzköpfe gönnen sich gerade mehrere Joints. Auf humorvolle Weise und mit Hilfe der Zeitreisenden entsteht plötzlich die Melodie zum Klassiker „Let it be“. Und Penelope gelingt sogar ein Selfie mit den bekifften Weltstars. Bei diesem Titel, wie bei allen weiteren Musikstücken, zeigte auch die Band der Zehntklässler ihr Können. Nur ab und an werden Songs wie „Stayin‘ alive“ vom Band eingespielt.

Die Zuschauer auf den gut besetzten Rängen spendeten immer wieder Applaus. Herausragend war ein Duett von Wissenschaftlerin Penelope mit Mari Curie (Cora Veronika Blank), auf die die Zeitreisenden im Jahr 1911 treffen. Mit kraftvollen Stimmen machen die Darstellerinnen klar, dass auch Frauen in den Naturwissenschaften glänzen können.

Als der Physiker Leonard im Jahr 1506 die Chance auf ein Zwiegespräch mit Leonardo da Vinci (Thessa Bartels) bekommt, zeigen die Darsteller, dass auch Sprechgesang zu ihrem Repertoire gehört. Und wie es sich für ein Musical gehört, gibt es zum Abschluss – die Zeitmaschine verschwindet und lässt alle Figuren noch einmal auf der Bühne erscheinen – noch eine große Tanzchoreographie.

Eine Rolle, die starke Selbstbeherrschung erforderte, verkörperte Manjana Mertens. Sie spielt die Zeit, die sich komplett in schwarz gekleidet durch das gesamte Stück bewegt. Erst am Ende schmeißt sie ihre weißen Handschuhe beiseite und verschwindet langsam hinter dem Bühnenvorhang.