Jeeben l „Hier habe ich vier Jahre lang meine Arbeitskraft reingesteckt, zwischen 12 und 14 Stunden am Tag“, erzählt Romy Rux, die einen grenzenlosen Optimismus ausstrahlt. Im Jahr 2012 habe sie das Haus an der Dorfstraße 35 in Jeeben im Internet entdeckt, in das sie sich verliebt habe. Urig, im Grünen gelegen, mit Potenzial, etwas daraus zu machen. Alte, farbenfroh bemalte Bauernmöbel passen zum Stil des Gebäudes, das in den 1930er Jahren gebaut wurde.

Die rustikale Küche hat sie selbst gebaut, mit Fliesen aus Italien. „Die Farbe gibt es in Deutschland eigentlich nicht. Aber mir gefällt es. Darauf kann man sogar schneiden“, schildert Romy Rux, die aus der Nähe von Heidelberg stammt. Unterm Dach hat sie sich ein Nähzimmer geschaffen, „ein Hobby von mir, ebenso wie das Malen“. Die Dachterrasse ist zwar geplant, aber noch nicht ganz fertig. Beim Hinaustreten auf die Terrasse muss die 61-Jährige kurz schlucken und die Tränen verdrücken. Denn sie ist traurig darüber, dass der einst schöne Garten nicht mehr das Aussehen hat, wie sie es liebt. Denn Ende des Vorjahres war plötzlich alles anders.

Schockdiagnose Lungenkrebs

„Ich bin zum Arzt gegangen, weil der Husten nicht weg ging. Ich wollte eigentlich nur ein Medikament, das mir hilft. Rausgegangen bin ich mit der Diagnose Lungenkrebs“, erzählt Romy Rux. Nach der Operation habe es für sie eine gute und eine schlechte Nachricht gegeben: Der im Röntgenbild entdeckte Krebs sei erfolgreich operiert worden. Doch die Ärzte entdeckten mit einer Spezialtechnik bei ihr eine weitere, selten vorkommende Art: Bronchialkrebs. Von 14 Lymphen seien fünf befallen. „Die Mediziner rieten mir zur Chemotherapie und zur Bestrahlung“, sagt die heute 61-Jährige. Sie habe klipp und klar gefragt, wie lange sie noch habe. „Irgendwas zwischen sechs Wochen und sechs Monaten, sagte der Arzt zu mir“, erinnert sich Romy Rux. Das sei im Oktober des Vorjahres gewesen.

„Ich bin ein Mensch, der nimmt das Geschehene einfach an, egal, ob es positiv oder negativ ist“, fügt sie hinzu. Die Wahl-Jeebenerin, die einst Boutiquen geführt und ihre Erfüllung in der Aufgabe gefunden hatte, entschied sich gegen Chemo und Bestrahlung. „Es findet sich alles von allein. Ich möchte selbst entscheiden, auch wann ich diese Welt verlasse“, sagt Romy Rux mit fester Stimme. Schmerzen seien da, aber noch auszuhalten. Die beiden Ärztinnen aus Beetzendorf würden sie gut begleiten. Und auch das Rauchen hat sie noch nicht aufgegeben: „Ich habe schon Lungenkrebs.“

Haus in gute Hände geben

Was ihr am Herzen liegt ist, dass ihr Haus, in das sie viel Herzblut gesteckt hat, in gute Hände kommt. „Eine Familie mit Kindern, darüber würde ich mich freuen“, schildert die Jeebenerin. Für die Zeit, die ihr noch bleibt, möchte sie gern in die Nähe ihres Sohnes. Und sie würde ihm gern „mit warmen Händen“ etwas hinterlassen.

„Wir leben im Jahr 2018. Deshalb ist so eine Live-Vorort-Versteigerung ein Versuch, mein Anwesen anzubieten“, sagt Romy Rux. Denn so viel Zeit habe sie nicht mehr, fügt sie hinzu. Und bleibt dennoch optimistisch. Denn sie wolle jeden Tag so gut es geht genießen.

Ihr Anwesen kann am Sonnabend, 25. August 2018, ab 15 Uhr besichtigt werden. Ab 18 Uhr will Auktionator Uli Grothoff im Wohnzimmer die Immobilie versteigern.