Salzwedel l „Ich bin fix und fertig“: Das sagte Gabriele Gruner, Mitglied der Stadtratsfraktion Die Linke in Salzwedel. Unbekannte hatten ihren E-Mail-Account gehackt. Irgendwann am Vormittag. „Morgens hatte ich noch selbst am Rechner gesessen und einige Nachrichten verschickt. Da habe ich noch nichts davon gemerkt“, sagte Gabriele Gruner.

Als sie dann einen Anruf von Peter Fernitz erhielt, sei sie geschockt gewesen. Denn dieser berichtete ihr von einer Mail, die er erhalten hatte und die auch an die Volksstimme-Redaktion geschickt wurde. In diesem teilt angeblich Gabriele Gruner mit, dass sie Hilfe braucht: im gebrochenen Deutsch. In der Nachricht heißt es: „Ich bin nach Ukraine verreist und habe meine Tasche verloren samt Reispass und Kreditkarte.“ Die Botschaft sei angeblich bereit, sie ohne Pass fliegen zu lassen. Jedoch seien noch Ticket und Hotelrechnungen zu zahlen. „Ich wollte Dich fragen, ob Du mir 1.800 Euro so schnell wie möglich leihen kannst“, heißt es in der Mail. Die Rückgabe werde versprochen, eine Antwort eingefordert. Das Schreiben endet mit „Liebe Grüße, Gabi“.

Viele Anrufe

„Ich bin weder in der Ukraine noch habe ich meine Tasche verloren“, machte die Salzwedelerin deutlich. Auch das Geld benötige sie nicht.

Sie sei erstaunt gewesen, wie oft das Telefon bei ihr geklingelt habe. Sogar ihre Cousine aus Köln habe angerufen. „Sie hätte mir das Geld sofort zukommen lassen, hat sich aber gewundert, warum ich nicht erst meine Schwester oder meine Tochter gefragt habe, ob diese mir helfen können“, beschrieb sie eine Reaktion. Gabriele Gruner war froh, dass ihre Verwandte angerufen und nicht aufs Mail geantwortet habe. Insofern konnte rasch geklärt werden, dass sie nicht in Schwierigkeiten sei, aber Kriminelle versucht haben, sie in diese zu bringen.

Sorge um Onlinekonto

„Nach dem ersten Schreck habe ich sofort meine Bank angerufen und die Zugangsdaten für das Onlinekonto ändern lassen“, schilderte Gabriele Gruner. Sie werde ihr Konto genau im Auge behalten.

Mittlerweile hat sie mit Unterstützung eines Fachmannes auch das Passwort geändert. Allerdings ist von den Mail-Adressen, die sie über Jahre als Kontakt hinterlegt hatte, nichts erhalten geblieben, bedauerte die Geschädigte. Sie bittet darum, dass ihre Bekannten sich bei ihr melden mögen, damit sie die Liste der Adressen wieder aufbauen könne. Gabriele Gruner hofft zudem, dass sie jetzt genug Vorkehrungen getroffen hat, damit ihr Rechner dem nächsten Angriff widerstehen kann.