Salzwedel l Der erste Blick auf die Statistik zeigt von 2016 zu 2017 zwar einen Anstieg von 4791 auf 4793 Straftaten. Doch der Vergleich der zurückliegenden fünf Jahre weist eine relativ gleichbleibende Tendenz zwischen 4800 und knapp 5000 Straftaten pro Jahr aus. Jürgen Faustmann, Leiter des Revierkriminaldienstes, verwies bei der Vorstellung der Kriminalstatistik für 2017 auf die Zunahme der aufgeklärten Verfahren.

Deren Zahl legt im Vergleich zu 2016 um 189 auf 2953 zu. Die Quote erhöhte sich somit von 57,7 auf 59,4 Prozent. Damit liege die Aufklärungsquote des westaltmärkischen Reviers über dem Durchschnitt innerhalb der Polizeidirektion (PD) Nord und sei die höchste nach der Wende.

Mehr Körperverletzungen

Zugenommen habe die Zahl der Körperverletzungen, die in der Statistik unter den Rohheitsdelikten erfasst werden, so Jürgen Faustmann weiter. Im Vergleich zu 2016 wurden 70 Fälle mehr abgeschlossen. Ihre Gesamtzahl stieg auf 639 Fälle, darunter 137 schwere Körperverletzungen, 5 Misshandlungen von Schutzbefohlenen und 468 leichte Körperverletzungen. Für 2017 verzeichnete das Salzwedeler Revier 912 Fälle, im Jahr zuvor 806.

Unter dem Stichwort strafrechtliche Nebengesetze werden die Verstöße gegen das Betäubungsmittelgesetz sowie gegen das Aufenthaltsgesetz erfasst. Im Bereich der Rauschgiftkriminalität seien mit 323 Verfahren 40 Fälle mehr abgeschlossen worden. In den meisten Fällen sei es dabei um Cannabiskonsum oder auch um Amphetamine gegangen, erläuterte Jürgen Faustmann. Seltener seien Drogen wie Kokain oder Heroin im Spiel.

Kontrollen

Die Zunahme der Fälle von Rauschgiftkriminalität sei auch auf die Kontrollen zurückzuführen, wenn beispielsweise ein Fahrer erwischt wurde, der unter Einfluss von Drogen am Steuer seines Fahrzeuges sitze, so Revierleiter Sebastian Heutig. Insgesamt haben Rauschgiftdelikte an der Gesamtzahl einen Anteil von 6,4 Prozent.

Mit einem Anstieg von 11 Diebstählen mehr auf 1683 sei deren Zahl im Wesentlichen konstant geblieben, so die Auswertung der Kriminalpolizei. Verschiebungen gab es jedoch bei den Tatorten. Diebe langten weniger in Läden, Firmen und Kraftfahrzeugen zu, sondern holten sich verstärkt in den Kellern und auf den Böden von Häusern (+82) ihre Beute.

14 Vergewaltigungen

Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung wurden im vergangenen Jahr in 59 Fällen angezeigt, davon 14 Vergewaltigungen, 14 Missbräuche von Kindern, drei Mal ging es um pornografische Schriften, nannte Jürgen Faustmann weitere Einzelheiten.

Zu den sonstigen Straftaten gehören unter anderem Sachbeschädigungen (583) und Beleidigungen (248), aber auch Brandstiftungen. So haben die Ermittlungen der Kriminalbeamten ergeben, dass es sich bei der Ursache des Brandes der Frapa Plast GmbH in Gardelegen im Mai vergangenen Jahres um Brandstiftung gehandelt haben müsse. Ein Täter konnte allerdings nicht ermittelt werden.

Brandstiftungen

„Die Brandstiftung kann auch von außen erfolgt sein, da Plastikteile teilweise bis an den Zaun lagen“, gibt Jürgen Faustmann zu bedenken. Im September kam es erneut zu einem Brand, der auf Selbstentzündung zurückzuführen war. Insgesamt verzeichnete die Kriminalpolizei 2017 59 Brandstiftungen, 8 mehr als im Jahr zuvor. Unter dem Stichwort sonstige Straftaten werden auch Hausfriedensbrüche erfasst, im vergangenen Jahr 38 weniger als 2016. Mit 677 (-1) nahezu unverändert ist die Zahl der Vermögens- und Fälschungsdelikte.

Insgesamt ermittelte die Polizei 2190 Tatverdächtige, 48 mehr als im Jahr zuvor. Die meisten Tatverdächtigen sind männliche Erwachsene. Insgesamt sind Jungen und Männer zu 76,5 Prozent unter den Tatverdächtigen vertreten. Ihr Anteil ist damit gegenüber 2016 um 2,4 Prozent gestiegen.

22 Prozent jünger als 21 Jahre

Etwa 22 Prozent (483 Personen) der Tatverdächtigen sind jünger als 21 Jahre, wobei es unter den Kindern bis 14 Jahren und unter den Heranwachsenden (18 bis 20 Jahre) geringe Zuwächse gab, die Zahl der tatverdächtigen Jugendlichen dagegen leicht rückläufig ist.

Inzwischen verurteilt sind drei jugendliche Straftäter, die im September des Vorjahres Taxifahrer ausraubten. Wie Jürgen Faustmann informierte, erhielt ein 19-Jähriger eine Strafe von einem Jahr und sechs Monaten auf Bewährung, zwei 16-Jährige jeweils zwei Jahre, die in einem Fall zur Bewährung ausgesetzt wurden.

Soziale Kontrolle

Die Zahl der ausländischen Tatverdächtigen belief sich im Jahr 2017 auf 220, 16 mehr als im Jahr zuvor. Davon haben laut Angaben des Polizeireviers 204 einen legalen Aufenthaltsstatus, 91 sind Asylbewerber.

Aus Sicht von Revierleiter Sebastian Heutig spiegele sich in der Kriminalstatistik für den Altmarkkreis die ländliche Region wider. „In einem Dorf wird eben weniger eingebrochen, dort ist die soziale Kontrolle höher. Die Kriminalitätsrate liegt im Altmarkkreis weiterhin auf einem im Landesvergleich niedrigen Niveau. In der Altmark ist es, trotz vielleicht subjektiv gefühlter hoher Kriminalitätsbelastung und leichter Fallzahlensteigerung, doch recht sicher.“ Das zeige sich auch in der Häufigkeitszahl: Innerhalb der Polizeidirektion Nord liegt diese bei 7504, bezogen auf 100.000 Einwohner, im Altmarkkreis liegt diese Zahl bei 5772.