Salzwedel l Die gesetzliche Ansage ist eindeutig: Kinder, die ab dem 1. März neu für Kindertagesstätten und Krippen angemeldet werden und dann keine Masern-Impfung nachweisen können, dürfen in den Einrichtungen nicht mehr betreut werden. Das sieht das Masernschutzgesetz vor, das am 1. März offiziell in Kraft tritt.

„Wir erhoffen uns nun eine breite Diskussion, in der mit den Mythen der Impfgegner aufgeräumt werden kann“, wird Kreissozialdezernentin Kathrin Rösel deutlich. Sie begrüßt das neue Gesetz, auch wenn noch nicht alle Einzelheiten geklärt seien. Als Expertin zum Gespräch mit der Volksstimme hatte sie sich Ida Scharge, Kinderärztin und im Gesundheitsamt unter anderem für die Schuleingangsuntersuchungen zuständig, an ihre Seite geholt.

Beide sind sich einig, dass die Zahl der konsequenten Impfverweigerer im Altmarkkreis eher gering ist. „Es ist eher so, dass Eltern das Impfen ihrer Kinder schlichtweg vergessen“, weiß die Kinderärztin aus Erfahrung. Manche würden später sogar nachfragen, warum das nicht in den Einrichtungen wie Schule oder Kita direkt erledigt werde. Bei diesen Impfvergessern hofft Rösel mit dem Druck durch das Gesetz auf Besserung.

Bußgeld bis 2500 Euro

Neben dem Gesundheitsamt ist nun das Leitungspersonal in Kindertagesstätten und an Schulen gefragt. Sie müssen von Eltern den Impfnachweis einfordern. Nicht geimpfte Kinder müssen dem Amt gemeldet werden. Dort wird dann entschieden, wie weiter verfahren wird. Es drohen Bußgelder bis zu 2500 Euro. Das Nicht-Impfen wird als Ordnungswidrigkeit gewertet, heißt es auf der Internetseite des Bundesministeriums für Gesundheit. Und: „Der Rechtsanspruch auf einen Kita-Platz gilt dann nicht mehr“, stellt Kathrin Rösel klar.

Schulen dürfen unterdessen ungeimpfte Mädchen und Jungen nicht einfach nach Hause schicken. „Die Schulpflicht geht vor“, betont Rösel. Allerdings muss auch hier die Meldung an das Gesundheitsamt erfolgen, wenn ein Impf-Nachweis nicht gebracht wird. Und: Wenn die Leiter von Kitas und Schulen einen fehlenden Nachweis nicht melden, droht auch ihnen ein Bußgeld.

Die genannten Regelungen gelten auch für Tagesmütter, die mindestens 15 Stunden in der Woche und mehr als drei Monate lang ein Kind betreuen. Weiterer wichtiger Aspekt des neuen Gesetzes: Auch die Kita-Mitarbeiter und Lehrer, die nach 1970 geboren sind, müssen geimpft sein.

Letzte Masern-Fälle 2015

Die sogenannte Durchimpfungsquote bei Sechstklässlern liegt im Altmarkkreis knapp unter 95 Prozent. In diesem Alter haben die Kinder bereits die zweit MMR-Impfung erhalten. MMR steht für Masern, Mumps und Röteln. Zur Eliminierung der Masern wird die Quote von 95 Prozent gefordert. Das bedeutet, dass im Kreis „immer noch sechs Prozent der Kinder nicht gegen Masern geimpft“ sind, sagt Rösel. „Diese beziehungsweise ihre Eltern erreichen wir hoffentlich durch die Umsetzung des neuen Gesetzes.“

Landesweit liegt die Impfquote in der genannten Altersklasse bei 97,2 Prozent, nennte Scharge Zahlen für das Schuljahr 2017/18. Für 2019 werden die Daten im Land derzeit noch ausgewertet.

Positiv hebt Scharge die Zahl der Masernerkrankungen in den vergangenen Jahren hervor. „In den Jahren 2017, 2018 und 2019 wurden im Altmarkkreis keine Masernfälle gemeldet“, betont sie. Zum letzten Mal wurde die Erkrankung 2015 verzeichnet.

Schwere Gehirnentzündungen

Landesweit gab es 2019 vier Erkrankungen, 2018 sogar zehn, berichtet die Kinderärztin. Bundesweite Zahlen des Robert-Koch-Instituts (RKI) belegen für 2018 insgesamt 543 Masernfälle. „Fast die Hälfte der Erkrankten sind junge Erwachsene, das weist auf die großen Impflücken in diesen Altersgruppen hin“, betonte Lothar H. Wieler, Präsident des RKI, im Mai des Vorjahres.

Ida Scharge warnt davor, die Erkrankung auf die leichte Schulter zu nehmen. Gebe es bei Kindern einen vermeintlich leichten Verlauf mit Mittelohrentzündung und Hautausschlag, drohen in seltenen Fällen schwere Gehirnentzündungen, die zum Teil erst nach Jahren auftreten.