Verkehrserziehung

Mit Training Unfälle vermeiden

Verkehrserziehung beginnt bereits im Vorschulalter - denn bereits Kindergartenkinder nehmen am Straßenverkehr teil.

Von Arno Zähringer

Salzwedel l Unfälle mit Beteiligung von Kindern gehören vermutlich zu den schlimmsten Ereignissen, die sich Mütter und Väter vorstellen können. Denn nicht immer gehen sie glimpflich aus. Das weiß auch Frank Semisch, Pressesprecher des Polizeireviers Altmarkkreis Salzwedel.

Vor allem jetzt, kurz vor dem Ende der Sommerferien und der Einschulung Hunderter Kinder, ist Vorsicht angesagt. Aber nicht nur bei Autofahrern. Gerade die Eltern sind gefordert, ihre Sprösslinge auf die neuen Situationen einzustellen. Mit ihnen zu trainieren. Denn Kinder im Alter von etwa drei bis sechs Jahren sind besonders unfallgefährdet.

Denn sie handeln nicht wie Erwachsene. Wegen ihrer geringen Körpergröße werden sie oft von Autofahrern übersehen. Sie sind aufgrund ihrer Entwicklung noch nicht in der Lage, aktiv am Straßenverkehr teilzunehmen und sich den Verkehrsregeln entsprechend zu verhalten. Deshalb müssen für die sichere Teilnahme am Straßenverkehr nicht nur richtige Verhaltensweisen eingeübt, sondern auch Wahrnehmung, Motorik und Konzentration des Kindes gefördert werden. Gerade im Kindergartenalter steht vielmehr die Förderung der Grundkompetenzen für eine sichere und selbstständige Verkehrsteilnahme – nämlich Wahrnehmung, Reaktion und Bewegungssicherheit – im Mittelpunkt.

Wie wichtig das Vorbereiten auf den Schulweg ist, das zeigen auch die Zahlen, die das Polizeirevier Altmarkkreis zusammengestellt hat. Im vergangenen Jahr wurden 21 Unfälle mit Beteiligung von Kindern und Jugendlichen registriert. Davon weist die Polizei sieben als Schulwegunfälle aus. Im ersten Halbjahr 2015 waren bislang achtmal Kinder in Unfälle verwickelt. Allein sechs davon ereigneten sich auf dem Weg zur Schule oder dem Nachhauseweg. „Es gibt keine allgemeingültige Definition oder einheitliche Regelung, wann ein Unfall als Schulwegunfall eingestuft wird“, sagt Semisch.

Aber jede Kollision, an der Kinder beteiligt sind, ist zu viel. „Noch immer verunglücken zu viele Kinder auf Deutschlands Straßen. Jedes fünfte Kind verunglückt dabei auf dem Weg zur Schule. Die meisten Unfälle geschehen dabei beim Überqueren der Fahrbahn“, sagt Bernward Franzky, Vorstandsmitglied des ADAC Niedersachsen/Sachsen-Anhalt. Deshalb wird der Club in den kommenden Wochen in Sachsen-Anhalt wieder an jedes Kind in der 1. Klasse kostenlos reflektierende Sicherheitswesten verteilen.

Ein weiterer Gefahrenpunkt: Kinder lassen sich leicht ablenken, sodass die Konzentration auf den Straßenverkehr schnell dahin ist. Für ein Kind sei es schwierig, sich über eine gewisse Zeit auf etwas zu konzentrieren. Darin sind sich die Experten einig. Der Freund auf der anderen Straßenseite, eine Katze, ein vorbeifliegender Vogel lenken die Aufmerksamkeit unweigerlich auf sich — und damit weg von den Gefahren des Straßenverkehrs. „Deshalb brauchen Kinder unbedingt die Unterstützung der Erwachsenen“, appelliert Semisch an die Eltern. Denn nur stetes Training und Üben kann die Gefahr eines Unfalls reduzieren.

In den nächsten Tagen startet die Polizei eine Reihe von Aktionen, die zur Verbesserung der Verkehrssituation beitragen. Dazu gehört nicht nur das Aufhängen von Bannern oder das Verteilen von süßen Tüten an vorbildliche Autofahrer durch die Kinder, sondern auch Geschwindigkeitskontrollen im Bereich der Grundschulen. „Das Ziel ist, alles zu tun, um Kinder vor Schaden zu bewahren“, fasst Semisch den Hintergrund der Maßnahmen zur Schulwegsicherheit zusammen.