Salzwedel l Bei den zwei neuen Fällen im Vergleich zu Mittwoch aus den Bereichen Klötze und Salzwedel handelt es sich um den Ehepartner eines Reiserückkehrers, der am 14. März aus dem Skiurlaub zurückkam. Eine weitere Person hat sich über Kontakte infiziert, informierte Landrat Michael Ziche am Mittwochnachmittag in einer Pressekonferenz.

Von den 17 positiv auf das Coronavirus getesteten Westaltmärkern sind zwei stationär in die eigens in der ehemaligen Kinderstation des Gardelegener Krankenhauses eingerichteten Corona-Station aufgenommen worden. Zudem ein Patient aus dem Bördekreis. Ein weiterer Infizierter liegt auf der Intensivstation, muss aber nicht künstlich beatmet werden, wie der Landrat weiter informierte.

Keine Fälle in Arendsee und Kalbe

Keine Fälle gebe es bisher in den Einheitsgemeinden Arendsee und Kalbe. Das vor allem der westliche Teil des Kreises betroffen sei, führt der Landrat auch darauf zurück, dass es dort mehr berufliche und private Kontakte in das dichter bevölkerte Niedersachsen gibt. Denn das vergleichsweise „moderate Infektionsgeschehen“ hänge auch mit der geringen Bevökerungsdichte im Altmarkkreis zusammen.

Wie sich herausgestellt habe, gebe es mehr Reiserückkehrer aus dem Ausland als angenommen. Ziche appellierte noch einmal an diese Personengruppe, sich mit dem Gesundheitsamt (Telefon: 03901 840 570)  des Altmarkkreises in Verbindung zu setzen, um weitere Maßnahmen, wie Quarantäne bis hin zu einem Test, abzusprechen. Arbeitgeber sollten mindestens 14 Tage auf diese Mitarbeiter verzichten. Der Landrat und sein Stab erwägen, dahingehend eine Allgemeinverfügung zu erlassen. Auf seinen ersten Aufruf an Reiserückkehrer, sich zu melden, habe es wenig Resonanz gegeben. „Wir werden das jetzt noch ein paar Tage betrachten“, kündigte er an.

Tests vor Ort

Gut angenommen werde hingegen das Fieberzentrum in Salzwedel. Ab der kommenden Woche würden Patienten, die nicht mobil sind, vor Ort getestet. Nach einer Mitteilung vom jeweiligen Hausarzt sollen Mitarbeiter „rausfahren und die Tests vornehmen“.

Auch in ausgewählten Pflegeheimen soll es Tests auf das Coronavirus geben. Voraussetzung sei eine medizinische Indikation. Das treffe beispielsweise auf Heimbewohner zu, die Lungenerkrankungen haben, oder auf Personal, wenn es erkältet sei, erklärte Ziche. „Wir machen das präventiv und es ist immer nur eine Momentaufnahme“, ergänzte er. Die Ereignisse in Pflegeeinrichtungen in Jessen und Wolfsburg, mit mehreren Erkrankten und Todesfällen, seien der Anlass zu diesem Schritt gewesen. Die Westaltmark sei außer Wittenberg mit dem Heim in Jessen der erste Landkreis, der sich dazu entschlossen habe. Flächendeckende Tests für alle Bürger sind nicht möglich, weil dafür die Ressourcen fehlten.

Unterstützung mit Schutzausrüstung

Nicht nur an die Pflegeeinrichtungen habe er geschrieben, sondern auch an die niedergelassenen Ärzte, erklärte Ziche. Der Kreis wolle mit Schutzausrüstung unterstützen, wenn sie in den Praxen knapp werde. Ziche: „Ganz oben stehen dabei Rettungsdienst, Ärzte und die beiden Krankenhäuser.“ Pflegeeinrichtungen und anderen Heimen werde in Notfällen auch geholfen, allerdings müssten sich die Unternehmen in erster Linie selbst darum kümmern. Denn alles könne der Kreis nicht abdecken. „Wir werden aber alles, was wir bekommen, verteilen“, betonte Ziche. Wobei die Verwaltung allerdings ebenfalls auf dem Markt einkaufe.

Gut sehe es momentan beim Bestand von Handschuhen unterschiedlicher Größen aus. Lagerbestände gebe es auch bei Schutzmasken unterschiedlicher Qualität. Ein Unternehmer habe eine größere Menge angeboten. Kittel und Overalls seien eher knapp. „Wir können dem Bedarf leider nicht eins zu eins Rechnung tragen“, erklärte Ziche.

Kontrollen im öffentlichen Raum

Probleme habe es in der Vergangenheit mit dem „Baumarkttourismus“ aus Niedersachsen mit Schlangen und Gedrängel gegeben. Besonders betroffen waren Salzwedel, Klötze und Gardelegen. Das dürfte sich ab dem kommenden Wochenende erledigt haben. Dann sollen die Baumärkte in den westlichen Nachbarkreisen wieder für Privatkunden öffnen. Touristische Aktivitäten seien verstärkt am Arendsee beobachtet worden. Mit Sorge. Um die Infektionsketten zu unterbrechen, sei es immens wichtig, sich an das Kontaktverbot zu halten. „Leider auch am bevorstehenden Osterfest, für das sich sicher viele auf ein Treffen mit der Familie und Freunden gefreut haben “, bedauerte der Landrat.

Wer sich nicht daran hält, muss mit empfindlichen Strafen nach dem neuen Bußgeldkatalog des Landes rechnen. Sowohl die Polizei als auch die Ordnungsämter wollen die Einhaltung des Kontaktverbots im öffentlichen Raum kontrollieren.