Salzwedel l Vorweihnachtszeit. Im Handel floriert das Geschäft, das Portemonnaie sitzt bei vielen etwas lockerer. Und nun das: Mit dem harten Lockdown ab morgen (16. Dezember) werden große Teile der Wirtschaft abermals in diesem Jahr ausgebremst. Besonders bitter ist dies für den Einzelhandel, der erfahrungsgemäß in dieser Zeit seinen größten Umsatz macht.

Delia Weiland mit ihrem gleichnamigen Modegeschäft auf der Ecke Burg- und Neuperverstraße sei klar gewesen, dass es zu einem solchen Einschnitt kommt. Und das schlage ihr mächtig aufs Gemüt. Sie geht davon aus, dass es aufgrund des zweiten harten Lockdowns zu Geschäftsaufgaben kommen wird. Und das wäre aus ihrer Sicht vermeidbar. Dass der Einzelhandel die Türen schließen müsse, sei aus ihrer Sicht Blödsinn. „Das wird an den Zahlen nichts ändern.“ Vielmehr ist Weiland der Überzeugung, dass sich der politische Kurs auf das Gemüt vieler auswirken wird. „Das wird sich auf die Psyche der Menschen auswirken. Mich belastet das zumindest sehr.“

Von ihren Kunden habe sie ebenfalls erfahren, dass politische Entscheidungen hinterfragt würden. „Es macht die Leute kaputt.“ Sie habe das Gefühl, dass sie als Einzelhändlerin gewissermaßen am Rand der Gesellschaft stehe. „Es wird einem suggeriert, dass man aussortiert wird.“ Sie könne jeden Selbstständigen verstehen, der 2020 in Panik gerät.

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Die Ware für Januar habe sie bereits geordert. Auch wenn sie nicht wisse, wie und wann sie im Januar wieder öffnen kann.

Öffnungszeiten verlängert

„Wir haben unsere Öffnungszeiten heute verlängert von 9 bis 20 Uhr“, sagt Wenke Wirth, Inhaberin von Der Buchladen und dem Holzwurm. Wie bei Weiland auch, hat sie derzeit einen regen Zulauf an Kundschaft – aber eben nur noch heute. Und das sei auch insofern bitter, als dass ihr bereits das Ostergeschäft und, aufgrund des ersten Lockdowns, weitere Stadtfeste mit Kundschaft entgangen sind.

Und das alles vor dem Hintergrund, dass es der Einzelhandel in Salzwedel ohnehin nicht einfach habe. Für die Feststellung genüge ein Blick auf den Leerstand im Stadtzentrum.

„Eigentlich habe ich gehofft, dass wir diese Woche noch auflassen können“, so Wenke Wirth. So aber entgehen ihr wichtige Teile des Weihnachtsgeschäfts. „Das ist eine Katastrophe“, bringt sie die wirtschaftliche Lage auf den Punkt. Schließlich bleiben ihr Fixkosten wie Miete. „Klar, die Vermieter können nun nicht jedem die Miete erlassen.“

Unsicherheitsfaktor

Ein großer Unsicherheitsfaktor, wie auch bei Delia Weiland, sei der Blick in den Januar. Denn auch sie habe Ware bestellt, ohne zu wissen, wie es eigentlich weiter gehen soll. Ihre vier Mitarbeiter zumindest sind ab morgen in Kurzarbeit, erzählt sie weiter. Besonders leid tue ihr aber die Gastronomie, die wesentlich länger im Kerngeschäft auf dem Trockenen sitzt. „Das ist wirklich problematisch. Ich hoffe, dass wir das alle gut überstehen“, schaut Wenke Wirth voraus, „die Gesundheit geht aber vor.“

„Das Jahr war katastrophal“, sagt Sabine Schulz vom Schuhaus Düster. Auch sie zeigt großes Verständnis für die Wirte in Salzwedel. „Für die Gastronomie ist das schlimm.“ Sie hätte sich gewünscht, dass es immerhin noch einen offenen Sonntag geben würde, um das Weihnachtsgeschäft etwas aufzufangen. So aber steht sie, wie die anderen auch, vor einer unsicheren Zukunft. Denn auch sie habe schon Ware bestellt, ohne zu wissen, was der Januar bringen wird. „Man kann ja nichts planen.“

Unterm Strich hofft sie, dass die Pandemie bald ausgestanden sei. „Wir stehen das durch!“

Onlineshop

Rainer Neitzel vom Leseland will die bei ihm bestellte Ware noch vor dem Fest ausliefern, versichert er. „Viele Leute wollen noch ein Geschenk haben.“ Daher seien auch kurzfristige Bestellungen noch möglich. Er hofft, dass das Ziel, den Inzidenzwert zu senken, zeitnah erreicht wird.

Bis dahin heißt es auch für Rainer Neitzel: durchhalten. Seinen Kunden empfiehlt Rainer Neitzel, auch seinen Onlineshop für Bestellungen zu nutzen.