Waddekath/Hamburg l Wer kann schon von sich behaupten, mit Henry Hübchen Fußball gespielt zu haben. Johanna Grieskamp hat den Schauspieler als „netten Kollegen“ erlebt und noch weitere bekannte Größen aus Kino und Fernsehen. Die Elfjährige stand mit ihnen vor der Kamera oder traf sie am Set für „Tage des letzten Schnees“. Der Krimi ist für das ZDF als Fernsehfilm der Woche produziert worden. Und mittendrin die junge Altmärkerin.

In der Handlung verweben sich zwei Geschichten über Verlust, Trauer, Sehnsucht und Schuld, heißt es in einer Pressemitteilung des ZDF. Ein Hauptstrang handelt von Lars Eckert (Barnaby Metschurat). Als er seine Tochter Anna vom Eishockeytraining abholt, kommt es zu einem tragischen Unfall – die Elfjährige stirbt noch am Unfallort.

Diese Elfjährige spielt Johanna. In Rückblenden werden Episoden aus dem Leben der Familie dargestellt, zu der auch ihre Film-Mutter Kirsten (Victoria Mayer) gehört. Eine aufregende Zeit, auch für Johannas Mutter Andrea Grieskamp, die ihre Tochter zu den Dreharbeiten begleitete und immer nicht weit entfernt war, wenn es hieß: „Kamera ab“.

Hart gearbeitet

Oft war nicht nur eine Kamera auf die jeweilige Szene gerichtet sondern gleich mehrere. Überhaupt waren die beiden erstaunt, wie hart gearbeitet wird, bis auch nur wenige Minuten „im Kasten“ und wie viele Leute daran beteiligt sind. „So gut 50 waren immer dabei“, erzählt Andrea Grieskamp. „Da war krass viel Hektik“, ergänzt ihre Tochter und erzählt, dass schon mal fünf Stunden und länger für eine Sequenz von nur zwei bis drei Minuten gedreht wurde.

Nie wird sie vergessen, wie der erste Drehtag war. Als sie mit Barnaby Metschurat im Auto saß und die Regieanweisungen erhielt. „Ich war so aufgeregt als es los ging.“ Mit mehreren Kameraeinstellungen wurde die Szene gedreht. Sie schaffte es, sich auf ihre Rolle zu konzentrieren. Lob vom Regisseur und den anderen Darstellern, brachten Selbstvertrauen und schließlich viel Spaß, in die Rolle des Mädchens zu schlüpfen.

Mindestens genauso spannend war für die beiden Altmärkerinnen das ganze Drumherum. Johanna musste in die Maske. In den Rückblenden ist sie erst neun Jahre alt und wurde „verjüngt“. Ein paar mal ging es nur darum, wie die Haare liegen sollen. Die Kostüme, eigentlich ganz normale Sachen, wie sie sie auch Zuhause tragen würde, wurden ausgewählt und wenn sie dem Regisseur nicht gefielen, ausgewechselt. Am Ende durfte Johanna sie behalten.

Eigener Wohnwagen am Set

„Wir hatten einen eigenen Wohnwagen, in dem wir uns in Drehpausen aufhalten konnten“, sagt Andrea Grieskamp. Zu Anfang wurde meist nachts gedreht und es war kalt, erinnern sie sich. Es gab Catering und auch Schokolade zur Beruhigung für die Jungschauspielerin. „Alle waren total nett zu mir“, ist Johanna immer noch begeistert, wie es am Set zuging. Die viele Technik, mit der unter anderem künstlicher Schnee erzeugt wurde, der Drehplan, an den sich strikt gehalten werden musste, die Professionalität mit der alles ablief, waren einzigartige Erfahrungen. „Die Leiche musste ich nicht spielen, dafür wurde ein Dummy verwendet“, erzählt Johanna. Dafür hat sie in dem Film eine Freundin, mit der sie sich gleich auch im wirklichen Leben angefreundet hat. „Wir schreiben uns“, sagt die Elfjährige. Sie hofft, dass sie die junge Lüneburgerin bald einmal wieder sieht.

„Ich durfte fotografieren und filmen“, berichtet Andrea Grieskamp. Und für die Wohnung der Filmfamilie, haben die beiden Bilder von Johanna mitgenommen als sie noch jünger war und es wurden „Familienfotos“ mit den Schauspielern dafür gemacht.

Produzenten überzeugt

Doch wie hat sie es geschafft, an die Rolle zu kommen? „Ich wollte schon immer gern schauspielern“, schildert sie. Im Internet hat sie gelesen, dass für den Kinderfilm Wendy Darsteller gesucht werden. Sie bewarb sich und landete bei der Agentur „Kino-Kind.“ Nach Tests, wie einen Text vortragen, kleine Episoden spielen, improvisieren und einem Vorstellungsgespräch wurde sie aufgenommen und war bereits bei Castings für „Chaos-Schwestern“ oder „Rocker“.

Für die Fernsehproduktion war zuerst ein so genanntes E-Casting, mit einem aufgenommenen Video nach bestimmten Vorgaben, gefordert. Das kam bei den Produzenten gut an. Johanna wurde eingeladen. Sie musste einen Text sprechen, eine Szene aus dem Film spielen, Regieanweisungen befolgen, sollte Gefühle wie Trauer, Wut, Enttäuschung mimen. Zwei Tage danach hatte sie die Rolle. Sie lernte ihre Passagen aus dem Drehbuch, übte zu Hause wie sie sie darstellen würde. Johanna: „Das macht mir nichts aus, ich kann ziemlich schnell und gut auswendig lernen“.

Casting für Pfefferkörner

Nach ihrer Krimirolle öffnen sich weitere Türen für das junge Talent. Sie war zum Casting für die Detektiv-Kinderserie „Die Pfefferkörner“ und schätzt ihre Chancen als gut ein. Gern würde sie die Hauptrolle in einem Film über eine junge Reiterin spielen. Da sie reiten kann, wäre das etwas für sie. „Aber ich glaube, da nehmen sie ein älteres Mädchen“, ist sie skeptisch. Und was sagen ihre Mitschüler vom Beetzendorfer Gymnasium, wo sie in die sechste Klasse geht, zu ihrem Nebenjob? „Die haben mich ausgefragt und fanden das alle ganz toll“, erzählt sie.

Nachdem sie mit den Schauspielern gesprochen hat, die ihr erzählten, wie schwierig es ist, Rollen zu bekommen und seinen Lebensunterhalt damit zu verdienen, möchte sie den Job nicht hauptberuflich machen, sondern Medizin studieren. „Aber nebenbei würde ich gern schauspielern“, blickt sie in die Zukunft. Damit sie am Ball bleibt, will sie in der Theater-AG ihrer Schule mitarbeiten. Schon in der Grundschule war sie in der Laienspielgruppe.

Vier unvergessliche Drehtage, alle im Raum Hamburg, waren es für Johanna. Nachdem alles abgedreht war, gab es ein Abschlussfest. Und da haben Johanna und ihre Mutter Werbung für die Altmark gemacht. Sie verschenkten Baumkuchen und Produkte der Diesdorfer Mosterei.