Präventionsarbeit an Salzwedeler Schule

Sexuelle Belästigung, Pornographie und Gewalt auf dem Schüler-Handy: So schützen Eltern ihre Kinder

Laut einer Studie des SOS-Kinderdorfs haben 27 Prozent aller Kinder zwischen 11 und 18 Jahren schon mal sexuelle Belästigung im Internet erlebt. Dagegen leistet Schulsozialarbeiter Carsten Ahlborn in Salzwedel wichtige Präventionsarbeit.

Von Nayra Fandrich
Norman Wagner (von links), Carsten Ahlborn und Doreen Schulz bei der Begrüßung in der 6. Klasse der Comenius-Schule.
Norman Wagner (von links), Carsten Ahlborn und Doreen Schulz bei der Begrüßung in der 6. Klasse der Comenius-Schule. Foto: Nayra Fandrich

Salzwedel - „Bitte einmal hinstellen, wenn ihr ein Smartphone besitzt“, fordert Schulsozialarbeiter Carsten Ahlborn seine Klasse auf. Lautes Stühlerücken und alle aus der 6b der Comenius-Ganztags-Gemeinschaftsschule in Salzwedel stehen auf. Schon ab Klasse 5 haben bereits die meisten Kinder ein Smartphone mit unbegrenztem Internetzugang. Durch die Gefahren, die das Internet mit sich bringt, ist eine Prävention für die Schüler wichtig. Sie müssen lernen, dass sie sich schnell in Gefahr bringen können. Sie müssen darüber aufgeklärt werden, was passieren kann, wenn sie Informationen oder Bilder von sich verschicken. Und sie müssen wissen, was zu tun ist, wenn sie einen Verdacht haben und ihnen etwas unangenehm ist.

„Unser Ziel ist es nicht, den Kindern Angst zu machen“, erklärte Carsten Ahlborn im Gespräch vorab. Sie sollen „denken statt senden“, ergänzte Norman Wagner, Präventionsbeauftragter der Polizei. „Wir wollen die Schüler sensibilisieren“, fügte Doreen Schulz von der Netzwerkstelle Schulerfolg sichern (finanziert vom Europäischen Sozialfonds - ESF) noch hinzu.

Vorfall in privater WhatsApp-Gruppe einer Klasse

Denn aufgrund eines Vorfalls in der privaten WhatsApp-Gruppe einer Klasse haben Carsten Ahlborn, Norman Wagner und Doreen Schulz ein Pilotprojekt auf die Beine gestellt. Die drei wollen den 28 Schülern der Klasse die Gefahren im Internet näherbringen. Ziel soll es sein, zu informieren, nachdenklich zu machen und Betroffene zu ermutigen, sich an Vertrauenspersonen zu wenden. Wenn die Unterrichtseinheit bei den Schülern gut ankommt, zieht das Trio auch durch die anderen Klassen der Schule. Noch vor den Ferien soll auch die Klasse 6a zum Thema World Wide Web unterrichtet werden.

Polizist Norman Wagner machte den Anfang der Doppelstunde. Mit einer Präsentation wollte er die Schüler über vier wichtige Themen aufklären. Das Recht am eigenen Bild, Cyber-Grooming (Fachbegriff für Täter, die übers Internet versuchen, das Vertrauen von Jugendlichen zu gewinnen, indem sie sich zum Beispiel als Gleichaltrige ausgeben), Pornografie und kinderpornografische Inhalte. Anschließend wurde die Klasse nach Geschlechtern getrennt.

Eltern sollten Interesse zeigen

Doreen Schulz führte daraufhin ein offenes Gespräch mit den Mädchen der Klasse. Die Jungs durften sich Norman Wagner anvertrauen. Hierbei sollten sich die Schüler öffnen. Was ist ihnen vielleicht schon passiert, wie haben sie sich dabei gefühlt und was haben sie dagegen unternommen?

Auch die Eltern spielen in der medialen Erziehung eine wichtige Rolle. Sie sollten die führende Hand und das wachende Auge der Kinder sein. Hier ist Fingerspitzengefühl und gute Kommunikation gefragt. „Wenn man den Kindern etwas komplett verbietet, dann lernen sie den Umgang nicht“, erklärte Carsten Ahlborn. Deshalb empfahl der Schulsozialarbeiter, Interesse zu zeigen. Eltern sollten sich bei ihren Kindern erkundigen: Was machst du da eigentlich und warum ist es dir wichtig, so viele Follower zu haben?

„Die Kinder haben großen Bedarf, über ihre Welt zu reden“, ermutigte Ahlborn. Eine Möglichkeit sei es auch, mit dem Kind zusammen das Handy durchzugehen. Stoße man dabei auf rechtswidrige oder unangebrachte Inhalte, solle man sich an die Polizei wenden. Dadurch würden die Kinder früh genug das Rechtssystem kennenlernen, ohne dass sie dafür belangt werden. Denn erst ab dem 14. Lebensjahr sind Jugendliche bedingt strafmündig. Das heißt, sie können in diesem Alter nach Jugendstrafrecht zur Verantwortung gezogen werden. „Was muss passieren, damit man zur Polizei geht?“, fragte der Schulsozialarbeiter. Für ihn sei ein krimineller Verdacht auf dem Handy des Kindes Grund genug, eine Anzeige bei der Polizei zu machen.  

Weitere Informationen zu der Thematik gibt es unter anderem unter www.polizeifürdich.de.