Tierwelt

Störche überstehen in der Region Arendsee nasses Frühjahr und tragen Ausweise am Bein

Eine berührende Rettungsaktion für Familie Adebar in Vissum (Arendsee): Nach Hochwasser im Nest und Rotlichtbestrahlung für drei überlebende Jungstörche gab es für sie nun die Ringe um die Beine.

Von Helga Räßler
Thomas Koberstein (links) verpasste  mit Unterstützung von seiner Frau Beate und Ortsbürgermeister Uwe Hundt den Vissumer Jungstörchen ihre Ringe im Auftrag der Vogelschutzwarte  Storchenhof Loburg.
Thomas Koberstein (links) verpasste mit Unterstützung von seiner Frau Beate und Ortsbürgermeister Uwe Hundt den Vissumer Jungstörchen ihre Ringe im Auftrag der Vogelschutzwarte Storchenhof Loburg. Foto: Helga Räßler

Vissum - Stumm und steif ließen die drei Vissumer Jungstörche die Prozedur der Beringung über sich ergehen. Kreis-Storchenbeauftragter Thomas Koberstein hatte sie aus dem Nest hinter der ehemaligen Schule geholt. Hilfe beim Ausfahren der Teleskopleiter und dem Hinab- und Rücktransport im Eimer hatte er durch seine Frau Beate und Mitarbeiter Thomas Kurzweg.

Ebenfalls mit dabei war Vissums Ortsbürgermeister Uwe Hundt. Er hatte den Einsatz ausgelöst. Am Sonntag verpasste Koberstein im Auftrag des Vogelschutzwarte Storchenhof Loburg den drei sechs Wochen alten Störchen ihre Ringe: Ans rechte Bein kam der Metallring, ans linke ein gelber Ring mit gut erkennbarer Nummer. „Das ist der Personalausweis für Störche“, so Koberstein.  Dass die Tiere dabei wie in Schockstarre verfielen - die so genannte Akinese - sei normal. „Sie stellen sich wie tot, um kein Angriffsziel zu bieten“, erklärte er.

Bevor er sie wieder in ihr elterliches Nest transportierte, warf er einigen Unrat dort hinaus wie alte zerfetzte Säcke. Diese hatten  sie teilweise zerkaut und um die Beine gewickelt. Kurz nach Ende der Aktion kam ein Elternteil, das vorher von weitem um das Nest gekreist war, zurück. „Jetzt ist der Nahrungsbedarf nicht mehr so groß, die Kleinen stehen gut im Futter und wiegen 2,5 Kilo“, informierte Koberstein. Aber anfangs in der Hauptwachstumsphase mussten die Storcheneltern täglich ein Kilogramm Futter je Jungtier anschleppen. Dabei sei dieses Jahr das Nahrungsangebot nicht so groß. Zum Beispiel gebe es kaum Feldmäuse. Trotzdem blicken die Storchenretter optimistisch in deren Zukunft. Das war im Mai nicht so. Wenige Wochen nach der Geburt sah es gar nicht gut aus für den Nachwuchs bei Familie Adebar:  Durch Dauerregen und Kühle sah Uwe Hundt deren Leben in Gefahr. Er klingelte Sturm bei Thomas Koberstein. Am Himmelfahrtstag schauten die beiden ins Nest: Das stand unter Wasser. „Wir holten die fünf Jungstörche raus - zwei wogen nur 100 Gramm und überlebten nicht“, erzählt er. 

Die drei anderen brachten 350 Gramm auf die Waage und kamen bei ihm zu Hause für 48 Stunden unters Rotlicht. „Dann hatten sie sich so weit aufgewärmt und erholt, dass wir sie wieder ins Nest - das wir mit Drainage versehen, gesäubert und mit Hackschnitzeln ausgebessert hatten - setzen konnten“, so Koberstein. 

Mit einem ebenfalls sechs Wochen alten Jungstorch aus Helmstedt machte er sich am Sonntag auf den Weg nach Kaulitz, wo das Tier von der dortigen Storchenfamilie mit zwei Jungen adoptiert wurde.

Kaum entfernten sich die Storchenretter, flog eines der beiden Elternteile auf das Nest und schaute nach, ob alles okay ist.
Kaum entfernten sich die Storchenretter, flog eines der beiden Elternteile auf das Nest und schaute nach, ob alles okay ist.
Foto: Helga Räßler
Der Helmstedter Jungstorch machte zaghafte Schritte auf der Vissumer Wiese, bevor er mit seinen Ersatzeltern nach Kaulitz fuhr.
Der Helmstedter Jungstorch machte zaghafte Schritte auf der Vissumer Wiese, bevor er mit seinen Ersatzeltern nach Kaulitz fuhr.
Foto: Helga Räßler