Liesten l Die Stimmung bei manchem Liestener ist aufgeladen. Schließlich geht es nicht mehr und nicht weniger als um die Existenz ihres Waldbades im Salzwedeler Ortsteil. Doch Aufgeben ist für die Liestener keine Option.

Keine Fördermittel

Dornröschenschlaf 2020 beendet?“, titelte die Volksstimme zur Debatte um das Waldbad am 14. März. Seinerzeit wartete der Waldbadverein noch auf grünes Licht aus dem Salzwedeler Rathaus bezüglich der Fördermittel aus dem Programm „Sanieren kommunaler Einrichtungen“. Nun ist bekannt, dass kein Cent ins Waldbad fließt – ebenso wenig ins Seelenbinder-Stadion. Für den Waldbadverein der Zeitpunkt, die Aufweckphase in Eigenregie einzuleiten. „Dazu fehlt der Prinz, der es wach küsst“, merkte der Liestener Siegmar Pätzold an. Besagter Prinz existiert bereits – nämlich in Form eines Plan B.

Vorab erläuterte der Vorsitzende des Waldbadvereins, Andreas Weigelt, den Einwohnern den „Ist-Zustand.“ Die Stadt habe das Waldbad „aufgrund eines kleinen Badeunfalls geschlossen“, erklärte er. Ein Kind hatte sich im Becken an den Fliesen verletzt. „Da hätte ein Pflaster gereicht“, meinte Weigelt: „Keine kommunale Einrichtungen können unfallfrei betrieben werden – erst recht nicht ein Freibad.“ Doch dies sei Vergangenheit und der Verein strebe gen Zukunft. Und die sieht der Verein in einer „strukturschwachen Region“ nur mit dem Waldbad, ergänzte Ulrich Keitel. Deshalb hält der Verein an seinem Ziel fest, das Waldbad 2020 wieder zu öffnen. Schließlich würden nicht nur Liestener das kühle Nass genießen, sondern auch die Menschen aus den Nachbardörfern. „Auch aus Salzwedel kommen genug“, wusste Siegmar Pätzold. Die Städter würden die schattigen Plätze, die es im Salzwedeler Freibad nicht gibt, sehr schätzen.

Teilsanierung für 450.000 Euro

Der Waldbadverein setzt in seinem Plan B weiterhin auf eine Teilsanierung. „Die 1,8 Millionen aus dem Förderprogramm brauchen wir nicht“, sagte Weigelt. Denn eine Kostenanalyse habe ergeben, dass bereits 450.000 Euro für die Sanierung genügen, um allen gesetzlichen Ansprüchen gerecht zu werden. Außerdem, so An- dreas Weigelt, habe der Verein Geld auf der hohen Kante und würde sich bei der Finanzierung beteiligen. Wie Cornelia Schwerdtfeger vorrechnete, steht der Verein mit mehr als 40.000 Euro im Plus. Zudem wären regionale Sponsoren bereit, sich finanziell zu beteiligen.

Projekt Aufweckphase

Doch das Projekt Aufweckphase Waldbad gehe nur mit allen an einem Tisch. Mit Zuständigen der Stadtverwaltung und Fraktionsvorsitzenden. Die Grundlage eines solchen Gesprächs, eben Plan B, hatte Weigelt dem Rathaus längst zukommen lassen. Gemeldet hat sich bei ihm bis heute keiner. Nun liegt der Ball bei der Stadt und Weigelt hofft, dass sie diesen aufnimmt.

Der Plan B des Waldbadvereins sieht außerdem vor, dass die Stadt Eigentümer und die Nutzung dem Verein überträgt. Denn damit käme die Stadt aus der Haftung, weil der Verein die Versicherung übernehme. „Wir haben Angebote von Versicherungen vorliegen.“

Und damit 2020 das Bad geöffnet werden kann, wollen die Vereinsmitglieder 2019 anpacken. Ein Subbotnik sei bereits in Planung.

Hohes Risiko

„Ich fühle mich wie bei Harry Potter“, sagte Stadtrat Norbert Hundt (SPD/Für Salzwedel) in Anspielung auf den dunklen Lord, dessen Namen keiner ausspricht. Denn es werde „nur von der Stadt“ gesprochen und keiner beim Namen genannt. Trotzdem: „Wir können Druck aufbauen, aber das ist Sache der Verwaltung“, sagte Hundt. Arne Beckmann (Salzwedel Land) erinnerte die Liestener daran, dass die 180.000 Euro Eigenmittel vom Förderprogramm weiterhin existieren: „Die müssen eingefordert werden – die zehn Prozent sind save.“ Beckmann warnte eindringlich davor, dass der Verein nicht Eigentümer des Waldbades werde dürfe: „Das Risiko ist zu hoch.“

„Wir sind die Verlierer der Gebietsreform“, schimpfte Siegmar Pätzold abschließend.