Salzwedel l Die Soko Tierschutz hat im Nachbarlandkreis Stendal in einem Milchvieh- und einem Schlachtbetrieb schlimme Zustände bei der Haltung und im Umgang mit Rindern aufgedeckt. Dabei ist auch das dortige Veterinäramt in die Kritik geraten. Es habe seine Überwachungspflicht nicht im erforderlichen Umfang wahrgenommen und die Tierquälerei nicht verhindert. Friedrich Mülln von der Soko Tierschutz hat deswegen Anzeige gegen den Stendaler Amstierarzt erstattet.

Eine Kleine Anfrage von FDP-Bundestagsabgeordneten hatte im Sommer ergeben, dass Tierbetriebe in Sachsen-Anhalt rechnerisch nur alle 24,4 Jahre mit entsprechenden Kontrollen rechnen müssten. Eine Aussage, die das Veterinäramt des Altmarkkreises so nicht stehen lassen will. „Dabei handelt es sich um das durchschnittliche, statistisch abgeleitete Kontrollintervall je Betrieb im Land", erklärt Kreissprecherin Birgit Eurich auf Anfrage der Volksstimme.

Intervall von 2,8 Jahren

Dabei sei völlig unberücksichtigt gelassen worden, dass die Betriebskontrollen risikoorientiert vorgenommen werden müssen. Auch lasse sich aufgrund der stark unterschiedlichen Betriebsgrößen keine Aussage darüber ableiten, wie viele Tiere jeweils erfasst wurden. „Das heißt im Klartext, dass hier alle Nutztierhalter berücksichtigt wurden, unabhängig von der Anzahl der gehaltenen Tiere“, erklärt sie.

Tierquälerei im Schlachthof

Hohengöhrener Damm (bb) l Der Verein Soko Tierschutz hat bei einem Schlachtbetrieb in Hohengöhrener Damm katastrophale Missstände ausgemacht. Mit versteckter Kamera wurden zahrleiche Misshandlungen dokumentiert.

  • Im Schlachthof in Hohengöhrener Damm (Landkreis Stendal) wird eine Kuh, die nicht mehr gehfähig ist, aus einem Anhänger mit einer Winde herausgeschleift. Foto: Friedrich Mülln/Soko Tierschutz

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  • Am Hinterbein wird die Kuh durch den Schlachthof gezogen. Selbst kann sich nicht mehr laufen. Foto: Friedrich Mülln/Soko Tierschutz

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  • Dicht gedrängt stehen die Kühe im Schlachthof in Hohengöhrener Damm (Landkreis Stendal) und warten darauf, getötet zu werden. Foto: Friedrich Mülln/Soko Tierschutz

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  • An den Füßen zusammengebundenn musste diese Kuh auf die Abfertigung warten. Foto: Friedrich Mülln/Soko Tierschutz

    An den Füßen zusammengebundenn musste diese Kuh auf die Abfertigung warten. Foto: Fried...

  • Mit einem Elektroschocker bearbeitet dieser Mitarbeiter die eingepferchten Kühe. Foto: Friedrich Mülln/Soko Tierschutz

    Mit einem Elektroschocker bearbeitet dieser Mitarbeiter die eingepferchten Kühe. Foto: Fried...

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    Als "Zauberstab" wurde der Elektroschocker in dem Schlachbetrieb in Hohengöhrener Damm bezei...

  • Mit dem Elektroschocker haben es die Mitarbeiter auf die empfindliche Teile der Kühe abgesehen: Kopf, Augen, Nase, Euter und After. Foto: Friedrich Mülln/Soko Tierschutz

    Mit dem Elektroschocker haben es die Mitarbeiter auf die empfindliche Teile der Kühe abgeseh...

  • Die Kühe können sich in beengter Situation der Bearbeitung durch den Elektroschocker nicht entziehen. Foto: Friedrich Mülln/Soko Tierschutz

    Die Kühe können sich in beengter Situation der Bearbeitung durch den Elektroschocker ni...

  • Eine Kuh wird aus einem Anhänger gezogen. Selbst laufen kann sie nicht mehr. Foto: Friedrich Mülln/Soko Tierschutz

    Eine Kuh wird aus einem Anhänger gezogen. Selbst laufen kann sie nicht mehr. Foto: Friedrich...

2017 seien im Altmarkkreis risikobezogen 145 Kontrollen in gewerbsmäßigen Betrieben mit landwirtschaftlicher Nutztierhaltung erfolgt. Das entspreche einem rechnerischen Intervall je Betrieb von 2,8 Jahren. Die Besuche der Amtsveterinäre erfolgten grundsätzlich unangekündigt. Betriebe mit einem hohen Risikopotenzial, wie großen Tierzahlen oder festgestellten Mängeln, würden jedoch mehrmals im Jahr kontrolliert.

Kontrollen in privaten Kleinsthaltungen werden im Altmarkkreis derzeit statistisch nicht erfasst. Sie würden wie die Besitzer von Heimtieren in der Regel nur aufgrund von Beschwerden tierschutzrechtlich überprüft. 2018 gab es in diesem Bereich 83 Kontrollen in Hundehaltungen, wobei 20 Halter Tierschutzbelange nicht einhielten. 19 Katzenhalter haben ebenfalls Besuch von den Amstierärzten erhalten. In fünf Fällen wurde Verstöße festgestellt.

Auch in landwirtschaftlichen Tierhaltungen haben die Tierärzte in diesem Jahr Mängel aufgenommen. Die genaue Statistik dazu werde Ende des Jahres erarbeitet. Wenn sich schwerwiegende Dinge ereignen. „verstehen wir keinen Spaß“, sagt der zuständige Dezernent Hans Thiele. Dann würden die betroffenen Tiere dem Verantwortlichen als letztes Mittel weggenommen. Und es könne ein Haltungs- und Betreuungsverbot auferlegt werden. Der Kreis ahnde die Tierschutzvergehen ordnungsrechtlich. Im vergangenen Jahr wurden gegen acht Tierhalter Bußgeldverfahren eingeleitet. Bei gravierenden Verstößen würden Strafanzeigen erstattet.

Auf Hinweise angewiesen

Trotz einer hohen Kontrolldichte ließen sich Vergehen in Sachen Tierschutz und artgerechter Haltung nicht hundertprozentig vermeiden. Wobei es fatal wäre, alle Tierhalter unter Generalverdacht zu stellen. Der große Teil achte darauf, dass es den Tieren gut geht, schätzte Thiele ein, aber: „Schwarze Schafe gibt es immer.“ Diese aufzuspüren und zur Verantwortung zu ziehen, sei Ziel der Kontrollen. Dabei sei das Amt auch auf Hinweise angewiesen, die Missstände aufzeigen.

Die Soko Tierschutz prangert an, dass es zu wenig Personal gebe, um eine umfassende Überwachung, vor allem in gewerbsmäßigen Nutztierbeständen, zu gewährleisten. „Wir haben fünf Tierärzte im Amt“, sagt der Dezernent dazu. Er sehe den Kreis dahingehend gut aufgestellt.