Salzwedel l Als Anja Heinemann vor zwei Wochen mit einer Nachbarin auf ihrer „Hunderunde“ unterwegs war, hörte sie plötzlich ein Schreien. „Es war schon ein bisschen dunkel und wir sahen an dem Altkleidercontainer am Kristallweg ein kleines Tier weghuschen“, erzählt sie. Es war eine junge Katze. Beim Näherkommen bemerkten die Frauen ein leises Wimmern und fanden drei höchstes ein bis zwei Tage alte Katzenwelpen. „Zwei hatten noch die Nabelschnur dran“, erinnert sie sich. Am nahen Restpostenmarkt holten sie sich einen Pappkarton und legten die Neugeborenen hinein. Das etwas ältere scheue Tier zu fangen erwies sich schon als schwieriger. Aber auch das gelang.

Nun war guter Rat teuer. Anja Heinemann rief ihre ehemalige Arbeitskollegin zu Hilfe. Tierschützerin Erika Lahmann engagiert sich seit Jahren für herrenlose Katzen und hat schon 120 Katzenbabys mit der Flasche aufgezogen.

Tierärztlich versorgt

Zunächst ging es zur Tierärztin, die die Jungtiere medizinisch versorgte. Der wenige Wochen alte kleine Kater war krank und von Parasiten befallen. Für die Neugeborenen wurde Ersatzmilch bereitgestellt. Seit dem füttert die über 80-jährige Erika Lahmann sie alle zwei bis drei Stunden mit der Flasche. Eins der Kleinen schaffte es leider nicht. Die anderen beiden sind munter. „Aber anstrengend. Ich bin ja nun auch nicht mehr die Jüngste“, sagt die Salzwedelerin lächelnd.

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Die Last wird ihr in den nächsten Tagen abgenommen. Nancy Schulz vom Salzwedeler Tierschutzverein Pfotenhilfe will die weitere Aufzucht übernehmen. Die Tierfreunde sind entsetzt über so ein Verhalten. „So eine Sauerei. Entsorgt wie Müll. Man muss ja schon froh sein, dass sie nicht in den Altkleidercontainer geworfen wurden“, empört sich Anja Heinemann. Den kleinen Kater haben sie und ihre Familie bereits fest ins Herz geschlossen. „Er bleibt bei uns.“

Tierheim kann keine Katzen mehr aufnehmen

Denn das Tierheim in Ahlum konnte auch nicht helfen. „Wir können keine Katzen mehr aufnehmen und sind mit der Anzahl schon weit über dem Stand des vergangenen Jahres“, betont Iris Volk, Vorsitzende des Allgemeinen Tierhilfsdienstes. Sieben Mitarbeiter haben bereits Katzenkinder zur Flaschenaufzucht mit nach Hause genommen. „Sie sind alle völlig am Limit. Es ist extrem dieses Jahr“, berichtet sie. Zudem sind viele Katzen, die ins Tierheim gebracht werden, schwer krank, so dass jede tierärztliche Hilfe zu spät kommt. Volk: „Wir haben noch nie so viele Fundkatzen verloren.“ Sie appelliert an alle Katzenhalter und Leute, die streunende Katzen füttern, die Tiere kastrieren zu lassen. Die Situation verschärfe sich seit Jahren. Katzen würden zu wenig wertgeschätzt, oft wie eine Sache oder ein Spielzeug behandelt und nicht wie ein fühlendes Wesen. Eine von Kommunalpolitikern geforderte Kastrations- und Registrierpflicht sei gut gemeint, aber sie zweifelt an der Umsetzbarkeit. „Wie soll das kontrolliert werden?“, fragt sie sich. Und: „Die Menschen müssen einfach nur Verantwortung für ihre Tiere übernehmen.“

Suche nach Standort

Die Stadt tue übrigens alles, um die Lage zu verbessern. Die Mitarbeiter des Ordnungsamtes seien ständig auf der Suche nach geeigneten Pflegestellen und nehmen sogar selbst Katzen zur Pflege mit nach Hause. Die Zusammenarbeit mit den Tierschutzvereinen klappe super, lobt Volk. Das Katzenelend, habe auch nichts damit zu tun, dass es momentan kein Tierheim in Salzwedel gebe. Stadt und Verein seien weiter dran, einen geeigneten Standort zu finden, versichert Iris Volk.