Ferchau l „Herrlich“, sagte Revierförster Ralf Knapp beim Blick in die Regenwolken über dem Forsthaus im Ferchau bei Kuhfelde. Einige Stunden durfte sich die Vegetation in Wald und Feld über das segensreiche Nass von oben freuen. Doch es war wieder nicht mehr als ein Tropfen auf den heißen Stein. „200 Milliliter müssten wir wohl aufholen“, schätzt Knapp die Regenmenge, die der Altmark in den vergangenen zwölf Monaten gefehlt hat. Aktuelle Karten des Dürremonitors vom Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung (UFZ) bestätigen diese Annahmen. Sie zeigen dunkelrote Flächen im Norden Sachsen-Anhalts. Es ist einfach zu trocken.

„Es macht keinen Spaß, wenn man den Wald so leiden sieht“, betont Ralf Knapp. Ihm ist in seiner Laufbahn keine so lange Trockenperiode bekannt. Und diese ebnet im Wald die Flugbahn für neue und alte Schädlinge, wie der Revierförster im Gespräch mit der Volksstimme berichtet. Zunächst ist Knapp aber froh, dass zumindest die Waldbrandgefahrenstufe wieder gesenkt werden konnte. Doch ob diese lange niedrig bleibt, ist schon wieder in Frage zu stellen. Auch in dieser Woche blieb es weitgehend trocken. Zehn Tage durchgehenden Regen bräuchte es, um das Niederschlagsdefizit auszugleichen, rechnet der Förster vor. Abzusehen ist das nicht.

Aufgrund der feuchten Witterung im Jahr 2017 und Frühjahr 2018 hätten zumindest die Tiefwurzler, dazu gehört zum Beispiel die Kiefer, die Trockenheit zunächst ganz gut überstanden. Flachwurzler wie Fichte und Lärche „hat es als erste erwischt“. Irgendwann werde es aber auch für die Kiefer „brenzlig“, weiß Knapp, dass das Regendefizit dringend ausgeglichen werden müsste.

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Käfer ist der Vollstrecker

Ein Problem, mit dem sich der Revierförster in den Vorjahren nur selten beschäftigen musste, trat dann Ende vergangenen Jahres explosionsartig auf: der Borkenkäfer. „Der war nie ein großes Thema. Jetzt haben wir überall Kahlflächen“, berichtet Knapp. „Die Ursache ist die Trockenheit, der Käfer ist der Vollstrecker“, ergänzt der Förster. Eigentlich erfülle der Käfer nur seine natürliche Funktion: Er bringt kranke Bäume zum Absterben, erklärt Knapp weiter. Doch dieses Ausmaß hat der erfahrene Mann noch nicht erlebt. Gesunde Bäume wehren sich im Normalfall mit erhöhter Harzproduktion gegen den Schädling. Doch dafür benötigt der Baum Wasser. In seinem 1250 Hektar großen Bereich registrierte Knapp 39 Borkenkäferherde. Überall mussten Bestände gefällt werden. „Spätestens im Mai muss das beräumt sein“, weiß der Revierförster, dass der Schädling dann wieder ausfliegt.

Mit sogenannten Fangbäumen (Polter), Schlitzfallen und Fangtipis versucht man im Revier nun dem Borkenkäfer den Garaus zu machen. „Doch wir laufen oft hinterher. Es geht darum, zu retten was zu retten geht“, weiß Ralf Knapp von der Schwierigkeit der Aufgabe. Der normale Holzeinschlag ist im Ferchau bereits zurückgefahren. „Der Markt ist zu“, weiß Knapp auch von der wirtschaftlichen Problematik. Der Preis für Fichtenholz sei bereits gesunken.

Bäume verlieren Vitalität

Neben dem Borkenkäfer kommen nun auch andere Schädlinge zum Vorschein. Unter anderem hat der Revierförster auch den Blauen Kiefernprachtkäfer entdeckt. Hinzu kommt der Pilz „Diplodia“. „Der breitet sich rasant aus“, berichtet Knapp. Dabei wird zunächst die Krone von Kiefern befallen. Wenn er sichtbar wird, ist es bereits zu spät. „Der Baum stirbt dann ratz-fatz ab.“

Wie es in Zukunft in den heimischen Wäldern weiter geht, kann Ralf Knapp dennoch schwer einschätzen. „Es gibt aber immer mehr Bäume, die ihre Vitalität verlieren“, betont der Förster. Seine Hoffnung ist, dass zumindest die Kiefer weiter aus tieferen Bodenschichten Wasser ziehen kann. „Doch die Fichte wäre dann weg“, sieht seine Prognose für diese Baumart in der Region schlecht aus.