KulTourbetrieb

Überraschend ist das Tempo

Wenn am Mittwoch der Salzwedeler Stadtrat tagt, geht es auch um die Zukunft des Eigenbetriebs KulTour.

Von Arno Zähringer

Salzwedel l Er ist Bestandteil eines Sparkonzepts, das Bürgermeisterin Sabine Blümel vorgelegt hat, um die Stadt zahlungsfähig zu machen. Darin geht es unter anderem um die Auflösung des im Jahre 2004 gegründeten Eigenbetriebs KulTour. Überraschend ist diese Ankündigung nicht gekommen, schließlich habe Sabine Blümel dies bereits vor der Wahl zur Bürgermeisterin signalisiert. Trotzdem hat das Vorhaben bereits für zahlreiche Diskussionen gesorgt. Denn „das Tempo allerdings war schon überraschend“, erklären Betriebsleiter Joachim Mikolajcyk und Michael Tunger übereinstimmend auf Anfrage der Volksstimme.

Das sehen offenbar auch viele Salzwedeler so. Und zwar nicht nur diejenigen, die sich für Kommunalpolitik interessieren und sich damit befassen. Nicht wenige befürchten das Aus für zahlreiche kulturelle Angebote in der Hansestadt, die sich auch an einen kleineren Kreis von Interessenten richten. Dadurch, so die Befürchtungen, würde auch die Mönchskirche als Ausstellungs- und Konzerthalle an Bedeutung und Strahlkraft über die Stadtgrenzen hinaus verlieren.

Dass die Hansestadt in finanziellen Schwierigkeiten ist, hat sich inzwischen herumgesprochen. Doch im Bereich Kultur könnte dies auch bedeuten, dass künftig Veranstaltungen vor allem nach ihrem möglichen kommerziellen Erfolg ausgerichtet werden. Und dadurch der kulturelle und gesellschaftliche Auftrag in den Hintergrund treten könnte.

Ist das zu befürchten? „Ganz klar Nein. Nach den Aussagen der Bürgermeisterin werden die Salzwedeler von der Umstrukturierung nichts merken. Es geht lediglich um die Änderung der Rechtsform“, sagen Mikolajczyk und Tunger. Schließlich hätten auch vor 2004 Kulturveranstaltungen verschiedener Genres in Salzwedel stattgefunden. Der Entscheidungsweg für bestimmte Vorhaben wird voraussichtlich wieder länger, vermuten die Macher des KulTourbetriebs.

Inwiefern zukünftig ausschließlich der zu erwartende wirtschaftliche Erfolg über das Angebot der Veranstaltungen bestimmen wird, hat laut KulTourbetrieb vordergründig nichts mit der Rechtsform zu tun. Ausschlaggebend hierfür sei das Budget, das zur Verfügung gestellt wird.

Das Salzwedeler Kulturhaus, das im Februar 40 Jahre alt wurde, ist mit jährlich rund 30 000 Gästen die größte und vielfältigste Veranstaltungsstätte in der Region. Es hat sich weit über das Stadtgebiet hinaus eine herausragende Bedeutung als kultureller Veranstaltungsort erarbeitet. Das Kulturhaus, im Volksmund liebevoll, aber auch spöttisch „Grauer Wilhelm“ genannt, war bereits zu DDR-Zeiten das kulturelle Zentrum der Region und ist es heute noch. Als Theaterspielstätte, Tanz- und Konzerttempel bis hin zur Abitur-Feier oder auch als Gastgeber politischer Podiums-Diskussionen.