Altmarkkreis/Börde l Den Feuerwehrleuten in Weferlingen wird dieser Jahreswechsel ganz sicher noch lange in Erinnerung bleiben. Auch einige Löschtruppen aus der Einheitgemeinde Salzwedel haben die Silvesternacht mit der Brandbekämpfung im Zentrum der historischen Altstadt zugebracht. Nach ersten Einschätzungen vor Ort könnten Feuerwerkskörper den Brand ausgelöst haben. Zudem stand in Lockstedt das Dach einer Scheune in Brand, welches die Kameraden in der Neujahrsnacht forderte. Vermutlich Pyrotechnik sprengte obendrein einen Glascontainer im Salzwedeler Ortsteil Chüttlitz. Nun werden die Rufe nach einem Böllerverbot lauter.

Um 22.40 Uhr werden die Kameraden der Freiwilligen Feuerwehr Weferlingen am Silvestertag alarmiert. Anschließend heulen die Sirenen in weiteren Orten. 97 Feuerwehrleute aus sieben Feuerwehren sind in der Nacht im Einsatz, um die Ausbreitung eines Wohnhausbrandes an der Bäckerstraße in Weferlingen zu verhindern.

Der Brand war im Hofbereich eines sanierten Fachwerkhauses ausgebrochen, „das Feuer hatte sich von hinten von der Stallung aus ins Gebäude gezogen“, sagt Einsatzleiter Danny Pachur. Die Brandursache müsse jetzt ermittelt werden. Das restaurierte Fachwerkhaus war unbewohnt, stand zum Verkauf. Jetzt sei es einsturzgefährdet, resümiert der Einsatzleiter.

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Die Häuser an der Bäckerstraße stehen wie in Salzwedels Holzmarktstraße dicht an dicht. Deshalb war die Gefahr groß, dass Flammen auf benachbarte Gebäude übergreifen. Nachbarn haben die schlafenden Bewohner in Weferlingen wach geklingelt.

Viel Zeit zum Schlafen blieb den Feuerwehrleuten in der Börde aber nach dem Einsatz nicht, denn kurz nach 6 Uhr mussten sie schon wieder für vier Stunden ausrücken, weil aus einigen Glutnestern wieder Flammen züngelten.

Arendsees Bürgermeister teils für Abscha

In Salzwedel reagierte die Linksfraktion noch am Neujahrsmorgen und formulierte einen Antrag auf ein Böllerverbot. Für Arendsees Bürgermeister Norman Klebe ein nachvollziehbarer Schritt, „gerade im Hinblick auf die historische Fachwerkkulisse“. Man wolle ja nicht allem mit Verboten begegnen, doch in Salzwedel hält Klebe einen Sammelplatz für Feuerwerk sinnvoller. Arendsee sei zwar deutlich kleiner und habe keine Fachwerkstadt in der Dimension Salzwedels, doch auch im Luftkurort will Norman Klebe das Thema Böllerei besprochen wissen. Schließlich sei auch das Arendseer Rathaus vor einem Jahr betroffen gewesen und auch die Seestadt habe alte Bauten. „In Salzwedel wäre eine Handhabe wie in Lüchow vorstellbar“, so Arendsees Stadtoberhaupt. Denn in der niedersächsischen Stadt unweit von Salzwedel, wurde die Böllerei aus dem Stadtkern verbannt.

In Gardelegen kommt das Thema auf den Tisch

Ob zur kommenden Silvesterparty in Gardelegen Feuerwerk allerorts gezündet werden darf, muss noch geklärt werden. „Aufgrund der Vorkommnisse, werden wir uns in der Amtsleiterunde in der kommenden Woche austauschen“, erklärt Isolde Niebuhr vom Gardelegender Ordnungdsamt. Zwar habe es schon einen Vorstoß mit entsprechendem Antrag im Gardelgender Stadtrat gegeben, doch der Antrag sei zurückgezogen worden, so Niebuhr. Mit den Bränden in der Region werde aber das Thema wieder aktuell.

Salzwedels Bürgermeisterin Sabine Blümel hatte am 1. Janaur bereits erklärt, die Ergebnisse der Kriminalpolizei abzuwarten. Schließlich wisse man nicht definitiv, ob das Feuer von Böllern versucht wurde. Erst nach Untersuchungsabschluss werde sich dazu unterhalten.

Der Brand in Salzwedel beschäftigte insgesamt 55 Kameraden aus den Wehren Salzwedel (20), Chüttlitz (1), Gerstedt (5), Cheine (2), Brietz (6) und Pretzier (11). Dabei waren zwölf Feurerwehrfahrzeuge samt Einsatzleitung in der Jeetzestadt vor Ort. „Insgesamt waren zwölf Trupps, bestehend aus 24 Kameraden, unter Pressluftatmung im Innenangriff“, berichtet Salzwedels Wehrleiter Mario Müller. 22.11 Uhr erfolgte die Alarmierung und 1.25 Uhr hatten die Wehren das Inferno auf der Ecke Holzmarkstraße/Kramstraße unter Kontrolle, erklärt der Ortswehrchef weiter. Das Einsatzende war erst 7 Uhr am Neujahrsmorgen. Doch noch einmal hieß es 9.22 Uhr auszurücken, um weitere Glutnester in dem historischen Fachwerkhaus mit einem ehemaligen Antiquitätenladen zu löschen. Übrigens: „Aufgrund der Silvesternacht hat die Freiwillige Feuerwehr Pretzier auf meine Anweisung hin das Gerätehaus in Salzwedel besetzt“, erzählt Müller weiter. Somit konnten die Salzwedeler Folgeeinsätze abgesichert werden.

Ähnlich zurückhaltend wie im Salzwedeler Rathaus, reagiert man auch in Kalbe.„Bei uns ist ja nichts groß passiert“, sagt Kalbes stellvertretende Bürgermeisterin Ingrid Bösener. Ein Verbot für Feuerwerkskörper sei in Kalbes Ratsstuben daher derzeit kein Thema. Aber: „Man weiß ja nicht, wie es sich perspektivisch entwickelt“, so Bösener. Denn auch die Klimadebatte gehöre bei der Thematik dazu.

Kurz angebunden reagiert man in Klötze. „Das wird ein Thema für die Zukunft sein“, heißt es lediglich aus dem Rathaus der Purnitzstadt am Telefon.

Verletzungen durch Böller in Kliniken behande

Dass das Abbrennen von Feuerwerkskörpern nicht nur für Gebäude fatal enden kann, zeigt ein Blick in die Krankenhäuser. „In der Silvesternacht wurden in den Notaufnahmen der Krankenhäuser in Gardelegen und in Salzwedel Patienten mit leichten Verletzungen ambulant versorgt. Beim Umgang mit Feuerwerkskörpern wurden insgesamt fünf Personen leicht verletzt“, teilt Ivonne Bolle mit, zuständig für die Unternehmenskommunikation der Altmark-Kliniken in Salzwedel und Gardelegen.

Auch in den Nachbarregionen kämpfte man mit den Folgen der Silvesternacht. Eine Telefonzelle wurde in Lüchow mit Böllern zerstört, gleiches passierte in Lüneburg mit einem Auto und in Dahlenburg brannte ein Altkleidercontainer. In Uelzen wurde ein Zigarettenautomat mit Böllern gesprengt.