Stipendiat

Vorbilder? Früher schon, heute nicht mehr

Das Stipendiatenhaus hat einen neuen Bewohner. In Salzwedel arbeitet Steffen Wick an einer Auftragsarbeit.

Von Arno Zähringer

Salzwedel l Steffen Wick – so heißt der neue Stipendiat, der seit 3. April im Stipendiatenhaus der Hansestadt wohnt. Der Pianist und Komponist wurde 1981 in Herne (Nordrhein-Westfalen) geboren, lebt allerdings in München. In Salzwedel arbeitet er an einer Auftragsarbeit für das Staatstheater Cottbus – ein Orchesterwerk für etwa 60 Musiker. „Da sitze ich gerade mitten dran“, erzählt er beim Pressegespräch am Dienstag. Und er komme gut voran, weil „ich mich hier gut konzentrieren kann“.

Das mag vermutlich ein Grund für seine Schaffens- und Tatkraft in der Hansestadt sein, ein anderer diese „Art mönchisches Dasein“, das er im Stipendiatenhaus lebe. Und wenn alles so klappt, wie es sich der 35-Jährige vorstellt, dann soll sein Orchesterwerk in Cottbus am 17. November uraufgeführt werden. Das ist sicher ein Grund zum Feiern. Nicht nur, weil Wick an diesem Tag auch Geburtstag hat.

Bis das Werk mit dem Titel „Autobiography“ unter der Leitung von Dirigent Evan Christ gespielt wird, durchlebt Wick im Stipendiatenhaus eine „sehr intensive Konzentrationsphase“. Das beschauliche Umfeld bereite ihm ein behagliches Gefühl, helfe ihm beim Komponieren. In dem zehn- bis zwölfminütigem Werk will Wick die „volle Klangpalette und die Klangfarben“ des Orchesters nutzen. Denn je detaillierter die Musik vorgesehen ist, desto aufwendiger gestaltet sich die Komposition.

Auf spezielle musikalische Bereiche möchte sich Wick nicht festlegen lassen. Abwechslung sei eben wichtig. Wohl auch deshalb er in der Filmmusik unterwegs, was bei ihm – dem selbst ernannten Cineasten – durchaus nahe liegt. „Ich möchte musikalisch nicht mit Scheuklappen durch die Welt gehen, möchte mich nicht verbiegen lassen“, sagt der Träger zahlreicher Preise selbstbewusst. Besonders wichtig ist ihm, sich seine Authentizität zu erhalten. Darauf beruhe auch seine Stärke beim Komponieren. Auf die „typische Journalistenfrage“, wie Wick meint, „haben Sie musikalische Vorbilder?“ antwortet er: „Früher schon, heute nicht mehr.“

Steffen Wick gehört einer jungen Generation von Komponisten an, die mit Genregrenzen spielt. Er verknüpft klassische und zeitgenössische Stilmittel zu einer modernen, poetischen Klangsprache. Als Pianist legt er den Fokus aufs Klavier. Im Herbst 2014 erschienen als Start der Klassik-Elek- tronik-Serie Piano Particles, an der er mit seinem künstlerischem Kompagnon Simon Detel arbeitet, die Alben White und Blue, auf denen Flügel- und Instrumentalklänge mit subtiler Elektronik verschmelzen.

Ob und wann Steffen Wick in der Hansestadt als Pianist auftreten wird, das steht noch nicht fest. Allerdings, so verrieten Charlotte Knappstein und Simone Franz vom Förderverein des Stipendiatenhauses, laufen bereits einige Gespräche. Zudem werden mögliche Kooperationen diskutiert. Steffen Wick signalisierte am Dienstag jedenfalls seine Bereitschaft dazu. Doch bis dahin wird er noch das eine oder andere Mal durch das Grün der Hansestadt joggen.