Internetkriminalität

Wie der Wasserverband Salzwedel sich vor Attacken von Cyberkriminellen schützt

Hackerangriffe auf Wasserwerke sind befürchtet, das Risiko steigt mit zunehmender Digitalisierung. Auch der Wasserverband Salzwedel (VKWA) wappnet sich.

Von Von Beate Achilles
Angriffe von Cyberkriminellen auf Infrastrukturen wie die Wasserversorgung sind gefürchtet. Der Salzwedeler Wasserverband VKWA blieb bislang vor solchen Attacken aus dem Internet verschont. Die Kosten für Schutzmaßnahmen steigen jedoch  und eine hundertprozentige Sicherheit gibt es nicht.
Angriffe von Cyberkriminellen auf Infrastrukturen wie die Wasserversorgung sind gefürchtet. Der Salzwedeler Wasserverband VKWA blieb bislang vor solchen Attacken aus dem Internet verschont. Die Kosten für Schutzmaßnahmen steigen jedoch und eine hundertprozentige Sicherheit gibt es nicht. Symbolfoto: dpa

Salzwedel - Im Februar dieses Jahres ging ein Aufschrei durch die Medien: Im US-Bundesstaat Florida hatte sich ein Hacker Zugriff auf Computersysteme eines Wasserversorgers verschafft und versucht, das Trinkwasser einer 15000- Einwohner-Gemeinde mit ätzender Natronlauge zu vergiften. Ein Angriff auf die Wasserversorgung ist für Bürger und Verantwortliche ein Schreckensszenario. Könnte so etwas auch beim Verband Kommunaler Wasserversorgung und Abwasserbehandlung Salzwedel passieren? Das wollten Mitglieder bei der jüngsten Verbandsversammlung wissen. Eine Nachfrage der Volksstimme bei Geschäftsführer Jens Schütte zeigt, dass die Systeme in Salzwedel ziemlich sicher sind, wenn auch keine vollständige Entwarnung gegeben werden kann.

Restrisiko trotz hoher Investitionen

„Ein Restrisiko bleibt“, gibt Schütte zu. Dabei machen ihm weniger die Kundendaten auf dem Server Sorgen: „Das ist alles abgeschirmt, und wir machen jede Nacht Sicherungskopien der Daten“, so der VKWA-Chef. Schwieriger sei der Schutz der Kläranlagen vor Angriffen aus dem Internet. „Das ist wie ein Hase-und-Igel-Wettrennen. Wir justieren dort ständig nach“, schildert der studierte Wirtschaftsingenieur für Wasserwirtschaft. Das sei vergleichbar mit den laufenden Sicherheitsupdates von Betriebssystemen auf dem heimischen Computer.

Bisher hätte der VKWA keine Probleme mit Hackerangriffen auf seine technischen Anlagen gehabt. Seit drei Jahren investiere der Verband verstärkt in die Modernisierung und damit auch in die Erhöhung des Schutzgrades gegenüber solchen Attacken. Mehr als eine Million Euro hat der Salzwedeler Wasserversorger nach Angaben von Schütte für Modernisierung seit 2018 bereits ausgegeben. Eine hundertprozentige Sicherheit vor Angriffen aus dem Internet könne es dennoch nie geben.

Fernsteuerung von Systemen als Einfallstor

Eine offene Flanke für Cyberkriminelle kann bei Wasserwerken beispielsweise die Fernsteuerung von Wasseraufbereitungssystemen sein. In dem Fall in Florida war es dem Angreifer gelungen, auf das Dosiersystem für Aufbereitungschemikalien zuzugreifen und die Konzentration der gefährlichen Natronlauge im Trinkwasser um mehr als das Hundertfache zu erhöhen. In den Salzwedeler Wasserwerken wäre so etwas nicht möglich. Nach Auskunft von Jens Schütte kommen dort gar keine Chemikalien zum Einsatz. Eine unmittelbare Gefährdung der Gesundheit von Trinkwasserkunden durch Cyberkriminelle sei deshalb in der Hansestadt nicht zu befürchten.

Auf den Kläranlagen würden zwar Chemikalien eingesetzt. Die Dosierung erfolge jedoch nicht über einen Computer, so dass auch hier kein Cyberangriff erfolgen könne. Eher könnte eine Unterbrechung der Versorgung das Ziel sein. Deshalb verlasse sich der VKWA nicht allein auf die digitale Steuerung seiner Systeme. „Wir schicken unsere Leute immer noch raus, um vor Ort nachzusehen, ob alles richtig funktioniert“, so Schütte.