Klötze l Graubraun getigertes Fell und die typische schwarze Schwanzspitze: Die europäische Wildkatze ist eine Schönheit und in Deutschland immer noch eher selten anzutreffen. Seit Kurzem ist sie der Star im geschützten Teil des Klötzer Forstes, der als Flora-Fauna-Habitat-Gebiet (FFH) ausgewiesen ist. Als solcher kann sie es sich durchaus leisten, dem eigens für sie anberaumte Fototermin mit der Presse fernzubleiben. „Wildkatzen sind scheu und leben sehr zurückgezogen“, erklärt der Wildkatzenexperte vom Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) Fabian Hunkert. Meistens sind es Jäger, die Sichtungen des streng geschützten Kleinraubtieres melden. „Sie beobachten ja oft stundenlang nachts die Natur und die Tierwelt“, erklärt er.

Für BUND-Projektleiter Dieter Leupold und den zuständigen Revierleiter des Landes-Forstbetriebes Dietmar Schulze ist eine kleine Sensation, dass Felis Silvestris, so der lateinische Name, sich den Buchen- und Mischwald als Zuhause ausgesucht hat. Er biete die Bedingungen, die Wildkatzen als Lebensraum brauchen – mit viel Alt- und Totholz zum Verstecken, jüngeren Bäumen und Lichtungen zum Mäusejagen. „Darum ist es vielfacher Hinsicht ein sehr schöner Nachweis“, betont Leupold. Auch für die Förster, die das etwa 500 Hektar große FFH-Gebiet mit den gebotenen Einschränkungen des Naturschutzes bewirtschaften. Die Rückkehr der Wildkatze zeige, dass es sich lohne, naturnahe Wälder zu erhalten.

Vor Kamera posiert

Einmal hat sie schon vor der Kamera posiert. Es gelang eine Aufnahme mit der Fotofalle an einem sogenannten Lockstock. Fachleute stellen sie auf, wenn in einem Gebiet Wildkatzen vermutet werden. Ihre Oberfläche wird aufgeraut und mit einem Lockstoff, dem althergebrachten Baldrian, versehen. „Er übt eine hohe Anziehungskraft auf Katzen aus“, erzählt Fabian Hunkert. Wahrscheinlich ähnelt er einem Sexualgeruch der Tiere. Ziel ist, dass sich sie sich daran reiben und dabei Haare hinterlassen, mit denen ein genetischer Nachweis erbracht werden kann, um Verwechslungen mit Hauskatzen auszuschließen.

Die Lockstöcke werden hauptsächlich in der Ranzzeit im Winter- und im Frühjahr aufgestellt, wenn die Tiere in Paarungslaune sind. Im Klötzer Forst gelang es im April, Haare zu bekommen und zur genetischen Untersuchung einzuschicken. Die Experten vom BUND gehen davon aus, dass sich die Wildkatze dauerhaft im Klötzer Forst ansiedelt. Das soll nun weiter verfolgt werden. „Das Monitoring übernehmen die Umweltämter“, erklärt Hunkert. Die ehrenamtlichen Helfer des BUND könnten eine so umfassende Untersuchung nicht leisten. Der BUND übernehme in erster Linie den Präsenznachweis der Tierart.

Es werden noch weitere Vorkommen im Altmarkkreis angenommen. So wurden Tiere auf der niedersächsischen Seite des Drömlings und an der Wirler Spitze gesichtet. Einmal sogar eine Katzenmutter mit drei Jungtieren. Für sie fehlt aber noch der genetische Beleg mittels Haarprobe.

Verfolgung überlebt

Gesicherte Nachweise von Wildkatzen gibt es in Sachsen-Anhalt noch auf den Truppenübungsplätzen Colbitz-Letzlinger Heide und Altengrabow, im Burgenlandkreis und im Tagebaugebiet Profen. Sie alle stammen aus dem Urvorkommen im Harz. Dort hat die Kleinkatze über Jahrtausende die Verfolgung durch den Menschen überlebt, weiß der Experte.