Barby l Sonnabend, 22.30 Uhr. Zu diesem Zeitpunkt geht per Handyalarmierung die Information an die Einsatzkräfte: Wohnungsbrand Breitestraße 9. Die Kameraden der Freiwilligen Feuerwehr Barby brauchen nicht einzeln zum Gerätehaus zu hasten. Sie sind schon da. Am 5. Dezember findet die jährliche Weihnachtsfeier statt.

Es dauert nur wenige Minuten, da ist die Wehr mit 24 Einsatzkräften vor Ort. Nur einen Steinwurf vom Marktplatz entfernt brennt die obere Etage eines Hauses in voller Ausdehnung. Sofort wird die Drehleiter in Stellung gebracht, das Innere des Hauses mit C-Schläuchen „angegriffen“. Einsatzleiter Nico Drobek fordert die Wehren Pömmelte und Calbe nach. Bei Bränden dieser Dimension ein übliches Verfahren. Insgesamt gehen acht Leute unter Atemschutz in das Gebäude.

Unter den Einsatzkräften ist auch Antje Ihlau von der Stadtverwaltung Barby. Sie ist Mitglied der Wehr und übernimmt spontan den Bereitschaftsdienst einer Kollegin aus Groß Rosenburg. Sie hätte wegen der Umleitung einen weiten Weg nach Barby gehabt.

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Im Obergeschoss des alten Hauses wohnt seit wenigen Monaten ein Mann, der aus Berlin stammt. Sein Postkastenschild weist ihn als promovierten Akademiker aus. In Barby fällt er auf, weil er einen schottischen Kilt trägt. Die Feuerwehr findet ihn auf einem angrenzenden Pappdach, auf das er sich gerettet hat. Wie sein Nachbar berichtet, steht er dort mit einer Taschenlampe und ruft nach Hilfe. Der Mieter ist rauchgasgeschädigt und wird vom Notarzt betreut.

Insgesamt sind jetzt zwei Drehleitern, mehrere Löschfahrzeuge und knapp 60 Feuerwehrleute im Einsatz. Der Brand wird mit Erfolg bekämpft, gegen 1.30 Uhr rücken die Barbyer als letzte ab. Auf dem Fußweg wird der Brandschutt zusammengekehrt.

Es lässt sich allerdings nicht vermeiden, dass die Wohnung im Erdgeschoss vom Löschwasser verwüstet wird. Hier wohnen Ilona (61) und Heinz-Günter Wesemann (62) mit ihrem Hund Bobby.

"Feuer, Feuer! Es brennt über euch!!!"

Heinz-Günter Wesemann liegt schon im Bett, als sein Nachbar Mike wie wild an den Rollladen trommelt: „Feuer, Feuer! Es brennt über euch!!!“ „Ich habe im ersten Moment gedacht, das ist ein Besoffener. Kommt ja öfter hier vor“, erinnert sich Wesemann einen Tag später. Doch als in der Wohnung über ihm die Glasscheiben unüberhörbar bersten, verlassen die Wesemanns eilig die Wohnung. Auf der Straße stehen bereits die ersten Einsatzkräfte.

Es zeigt sich erneut, wie verstört Menschen in solchen Situationen reagieren. Äußerlich anscheinend gefasst, macht sich unter deren Oberfläche der Schock breit. Ilona Wesemann rettet nicht etwa persönliche Unterlagen, sondern … einen Topf mit vorgekochtem Mittagessen und zwei alte Kochbücher.

Antje Ihlau vom Bereitschaftsdienst der Stadt organisiert noch während des Brandes in der Pension „Grüner Anker“ eine Wohnung. Doch Wesemanns mit ihrem Hund wollen lieber zu ihrem Nachbarn Udo Ziemer, der zwei Häuser weiter wohnt.

Das sei für den Übergang besser. Die Stadt wird den Obdachlosen voraussichtlich heute eine neue Bleibe aus dem Bestand der Wohnungsbaugesellschaft organisieren.

Fazit: Die obere Etage ist vollkommen ausgebrannt, in der unteren steht laut Günter Wesemann „knöchelhoch das Wasser“.

Der geschädigte Mieter - er ist Geburtsjahrgang 1944 - wurde mit einer Rauchgasvergiftung in eine Fachklinik nach Halle gebracht. Die Polizei hat das Haus versiegelt. Die Brandursachenermittler werden nun ihre Arbeit aufnehmen.