Glinde l „Das deutsche Bier ist besser als das chinesische“, lacht Han. In Glinde saß er so manchen Abend mit seinen Gastgebern am Tisch, diskutierte Fachthemen und die politische Lage in der Welt. Natürlich beim Bier, natürlich auf Englisch, denn Han ist zum ersten Mal in Deutschland. In China arbeitet der 29-Jährige in einer Vertriebsfirma für Düngemittel und ist Chef von 50 Mitarbeitern.

Han Yuan Jiang ist schon viel in der Welt herum gekommen. Er studierte in China und Kalifornien (USA) Landwirtschaft und war beruflich in einigen asiatischen Ländern unterwegs. Und nun zehn Tage Glinde. Gestern war sein letzter Tag. Das 280-Seelendorf bringt es auf drei bodenbearbeitende Landwirtschaftsbetriebe.

Kleiner Betrieb

Han war Gast auf dem Bauernhof von Max Röseler, der ihn zusammen mit seinem Vater Lutz bewirtschaftet. Der kleine Betrieb hat rund 250 Hektar unter dem Pflug. Angebaut werden Weizen, Mais, Triticale-Getreide, Gerste und Zuckerrüben.

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Und warum ist Han gerade dort? Weil Frederik Tipp, Projektleiter des Austauschprogramms, zusammen mit Max Röseler Landwirtschaft studierte. „Weitere Austauschgäste halten sich in Niedersachsen und dem Harz auf“, sagt Tipp, der über aufgeschlossene Partner wie Röseler froh ist.

Den Glinder Betrieb habe man wegen seiner bäuerlichen Struktur gewählt. Denn in Fernost gibt es noch viele Kleinstbetriebe, die gerade mal einen, zwei Hektar Land bewirtschaften. „Für deren Verhältnisse ist Röseler in Glinde ein Großbetrieb“, schätzt Tipp ein. Freilich gibt es auch die großen Kooperativen mit einigen tausend Hektar, die oft nahe der Metropolen zu finden sind. Was die Transportwege verkürzt.

Mechanisierung steckt noch in den Kinderschuh

Das traditionell wichtigste Standbein der chinesischen Wirtschaft ist auch heute noch die Landwirtschaft. Sie ernährt einen Großteil der Bevölkerung. Etwa zehn Prozent der Gesamtfläche Chinas sind landwirtschaftlich nutzbar und großflächig bewirtschaftet.

Die Mechanisierung wird aktiv betrieben, obwohl sie nach wie vor in den Kinderschuhen steckt und sich in Regionen mit relativ kleinen Anbauflächen als unpraktikabel erwiesen hat. Ackerbau und Tierzucht werden getrennt betrieben. „Es ist erstaunlich: Die Gülle als guter Naturdünger wird oft in Klärwerken entsorgt, anstatt sie auf den Feldern aufzubringen“, wundert sich Max Röseler nach einem Gespräch mit seinem chinesischen Gast.

Großbetriebe dienen sowohl für Experimente im Agrarbereich als auch zur Produktion bestimmter Nahrungsmittel für die städtischen Märkte oder für den Export.

Wenig Fleisch

Erstaunt war Han Yuan Jiang, wie viel Gemüse und (relativ) wenig Fleisch bei seinen Gastgebern auf den Teller kommt. Denn in China wird jede Menge davon konsumiert. So wurden Ende 2015 in der Volksrepublik 54,9 Millionen Tonnen Schweinefleisch verzehrt.

Nach den abendlichen Gesprächen zieht Gastgeberin Jutta Röseler ihr Fazit: „Er ist kein Regimegegner, sieht manches kritisch, aber auch pragmatisch.“ So empfindet Han den ökologischen Landbau in seiner Heimat als „Spielzeug für reiche Leute.“ Etwa fünf Prozent aller Betriebe würden dort nach Bio-Kriterien arbeiten.

Der 29-Jährige arbeitete neben Röseler auch im Ziegenhof Glinde und bei Carlos Rampérez auf dem Barbyer Gut Colphus. Wo er sich nach der Kartoffelernte wunderte: „Die vielen kleinen Kartoffeln, die bei euch auf dem Acker liegen bleiben, würden bei uns in China alle im Kochtopf landen.“