Schönebeck l Bei einem Unterrichtsbesuch in den beiden Sozialkundekursen der 11. und 12. Klasse des Dr.-Carl-Hermann-Gymnasiums zeichnete sich ein einheitliches Bild ab.

„Für einige Studiengänge bewirbt man sich mit dem Numerus Clausus (NC). Wenn in anderen Bundesländern das Abitur leichter ist, haben Schüler von dort Vorteile“, kritisiert Wendelin Scheiner aus dem Zwölfer-Kurs von Lehrer Kevin Tschisgale. „Wären Lehrpläne einheitlich, wäre es für Dozenten an der Hochschule auch einfacher, Standards zu setzen und an Inhalte anzuknüpfen“, fügt Mitschülern Luisa Schuck hinzu.

Einheitliche Inhalte

Alissa Hanel wünscht sich ebenfalls einheitliche, konkrete Inhalte. Vor allem bei der Wahl von Leistungskursen hält sie eine überregional gleiche Herangehensweise für sinnvoll. Dies sei, so die Schülerin, aktuell nicht so. „Während man in anderen Bundesländern beispielsweise Sport und Kunst als Leistungskurse wählen kann, besteht hier in Sachsen-Anhalt eingeschränktere Möglichkeit“, sagt Hanel. Daniele Sinnurow teilt ebenfalls eine ähnliche Meinung: „Es kann nicht sein, dass ein Abiturient bei seiner Berufs- und Studienwahl auf Grund seines Geburtsortes benachteiligt wird.“ Der Schüler fordert ebenfalls Gleichbehandlung im Bildungssystem.

Bilder

Vor einem Wechsel des Bundeslandes steht Anne-Sophie Uhlmann nach ihrem Abitur. Die junge Frau strebt ein Medizin-Studium an. „Da muss ich eh die Uni nehmen, die ich bekomme“, weiß sie schon jetzt. Auch wenn sie gerne in Magdeburg studieren möchte, ist sie auch bereit, für ihre Ausbildung in eine andere Region zu ziehen. Für sie ist der NC entscheidend – Uhlmann muss sich also auch mit Abiturienten anderer Bundesländer vergleichen. Einheitliche Kriterien seien da hilfreich bei der Studienplatzsuche.

Ein noch deutlicheres Votum, als es die Statistiken des Ifo-Institutes zeigen, wird bei einer spontanen Befragung des Sozialkundekurses aus der 11. Klasse deutlich. Alle Schüler stimmten bei einer Abfrage dafür, Bildung vom Bund entscheiden zu lassen und dadurch mehr Vergleichbarkeit zu erwirken. Unter ihnen ist auch Marvin Wagner. Wagner legte sein Abitur im letzten Schuljahr ab und strebt nun das Lehramt an der brandenburgischen Uni Potsdam an. Für sein erstes Praktikum im Beruf kehrte er an seine alte Schule zurück – und bringt nicht nur positive Erfahrungen beim Bundeslandwechsel mit. „In Brandenburg wird eine gute Note im Englischleistungs-Kurs vorausgesetzt. Nach der alten Oberstufenverordnung war bei uns kein Leistungskurs vorgesehen.“ Wagner musste für die Zulassung einen so genannten „Töfl-Test“ ablegen, der ihn privat 300 US-Dollar kostete.

Beim Wechseln fehlt die Grundlage

Die Probleme könnten, so Max Weidemann aus dem elften Jahrgang, aber schon deutlich vor dem Studium beginnen. „Wenn ein Schüler in ein anderes Bundesland umzieht, könnte es Probleme im Unterricht geben. Wenn die Themen unterschiedlich sind, fehlt Wechslern oftmals die Grundlage.“

Konrad Lang (Jahrgang 11) kann sich indes Mitspracherecht der Länder vorstellen – beispielsweise bei Themen in Kindertagesstätten. Daniele Sinnurow (12) fordert indes weitreichende Reformen: „Die Bildungsteilung des Föderalismus ist sicherlich gewollt und in vielen Teilen sehr berechtigt“, so der Schüler. „Aber in einer Welt, die sich sehr rasant verändert, brauchen wir eine Bildungsrevolution.“