Kosten des Hochwassereinsatzes steigen immer noch in der Kleinstadt

Bis zu eine Million verlangt Barby vom Landkreis

Von Thomas Höfs

Die Flutkatastrophe an Elbe und Saale im Juni ging mächtig ins Geld. In Barby rechnet die Kämmerei noch immer die Beträge zusammen. Am Ende dürfte der akute Hochwassereinsatz bis zu eine Million Euro in vier Wochen gekostet haben.

Barby l Wenn ein Landkreis den Katastrophenalarm auslöst, hat dies vor allem für die betroffenen Kommunen einen finanziellen Effekt. Mit der Feststellung des Katastrophenzustandes kann der Landrat nicht nur überörtliche Hilfe von anderen Landkreisen oder Bundesländern anfordern. Der Landkreis verpflichtet sich dann auch, die Kosten für die Einsätze zu übernehmen.

In Barby war der wochenlange Katastrophenzustand teuer. Stadt-Kämmerin Sigrid Hochgräfe schätzt die Kosten während des Hochwassereinsatzes zwischen 800 000 bis eine Million Euro. "Noch haben wir nicht alle Rechnungen zusammen. Jeden Tag kommen noch weitere Rechnungen dazu", schildert sie. Dennoch sei die Zahl realistisch.

Sie hofft, dass der Landkreis den Betrag in den kommenden Wochen erstattet. Dazu sei er auch gesetzlich verpflichtet. Dennoch wolle die Kreisbehörde die eingereichten Rechnungen sehr genau prüfen. Schon während das Wasser noch in den Straßen stand, hieß es bereits, dass der Landkreis die Kosten für Treibstoffe zur Abwehr der Fluten nicht übernehmen wolle. Die Zeit wird zeigen, ob es dabei bleiben wird.

Als das Wasser kniehoch in den Barbyer Straßen stand, ratterten tagelang die Pumpen in den überfluteten Wohngebieten. Mit Notstromaggregaten betrieben die betroffenen Hausbesitzer Pumpen, um die Keller ihrer Häuser vor der Flut zu schützen. Ein Abstellen der Pumpen hätte den Schaden noch deutlich vergrößert. Die Stadt stellte dabei den benötigten Treibstoff unkompliziert zur Verfügung. In der ganzen Stadt wurde tagelang nur das Wasser gepumpt. Mehr als 10 000 Euro am Tag, so damals Bürgermeister Jens Strube, habe die Stadt nur für den Treibstoff ausgegeben. In den kommenden Wochen wird es spannend, ob die Kleinstadt die Mittel vom Landkreis ersetzt bekommt.

Neben den Kosten für den Treibstoff für die Pumpen und Stromerzeuger verpflegte die Stadt auch fast 700 Haushalte, die länger als eine Woche keinen Strom mehr hatten. Die Bürger und freiwilligen Helfer leisteten viel in diesen Tagen, zeigte sich Bürgermeister Jens Strube stolz auf seine Einwohner. Da die Kapazitäten der kleinen Stadt kaum für die Bewältigung der Flut ausreichte, kamen den Bürger viele Helfer aus anderen Bundesländern zu Hilfe. Darunter Feuerwehren und ebenso Gruppen des Technischen Hilfswerkes. Auch diese Kosten laufen erst einmal bei der Kommune auf.

Bezahlen musste die Kämmerei die einlaufenden Rechnungen erst einmal aus dem Kassenkredit. Der genehmigte Rahmen sei noch nicht ausgeschöpft gewesen, sagte die Kämmerin noch während der Flut. Allerdings winkte die Stadt bei der Verauslagung der Soforthilfe schon ab. Obwohl das Land die verauslagten Mittel binnen weniger Tage erstattete, bat die Stadt den Landkreis in Vorleistung für die Bürger zu gehen. Allzu schnell näherte sich die Stadt in diesen Tagen den Grenzen des bewilligten Kassenkredits.

In den kommenden Wochen will Kämmerin Sigrid Hochgräfe eine genaue Übersicht über die Kosten des Hochwassers erstellt haben.

Im kommenden Monat will sie außerdem den Etatentwurf für dieses Jahr vorstellen. Eigentlich sollte das Papier bereits im Juni vorgestellt werden. "Wir hatten schon alles fertig. Dann kam das Hochwasser dazwischen", sagt sie. Die Flut hat das ganze Werk zunichte gemacht, fügt sie an. In den kommenden Wochen will die Kämmerin neue Zahlen präsentieren. Aufnehmen muss sie darin auch die Kosten an der Infrastruktur in der Stadt. Die Fachleute schätzen die Kosten bislang auf bis zu 46 Millionen Euro. Jahre wird es wohl dauern, bis die Schäden an der Infrastruktur wieder beseitigt sein werden.