Schönebeck l Ein offenes Ohr hat Frank Brehmer für die Belange von drei bestimmten Menschen, wenn er mittwochs in die Human-WG an der Garbsener Straße kommt. Frank Brehmer ist Mitglied der „Grünen Damen“, einer Institution des Stadtseniorenrates. Als „Grüner Mann“ betreut er seit Anfang des Jahres die drei Bewohner - ein Ehepaar und eine Dame - die hier ihr neues Zuhause gefunden haben. Das Besondere: Hier wohnen nicht nur ältere Menschen. Denn ein Alten- oder Pflegeheim ist das nicht. Die Human-Wohngemeinschaft ist eine Alternative, wo Pflegebedürftige sowie jene, die sich in ihrem letzten Lebensabschnitt befinden (Palliativpatienten), in einer WG leben.

Die Erfahrung im Krankenhaus, wo sich die „Grünen Damen“ hauptsächlich engagieren, haben gezeigt, dass ein unverbindliches Gesprächsangebot den Human-WG-Bewohnern ebenso gut tun kann. „Ich dränge mich nicht auf“, sagt Frank Brehmer. „Seine Bewohner“ wissen, wann er vorbeikommt. Wenn sie reden wollen, ist er da. Wenn nicht, lässt er sie in Ruhe. Meist wollen sie aber reden, sagt der Ehrenamtliche. Dabei sei Fingerspitzengefühl angebracht, sagt er. Denn genau genommen, so der Schönebecker, leiste er Sterbebegleitung. Die Gesprächsthemen seien dabei immer recht unterschiedlich. „Doch im Großen und Ganzen geht es um die Seele“, fasst er zusammen. Bereits 2015 hatte er sich für diese Aufgabe angeboten. Er kann auf das Fachwissen aus der Seelsorger-Ausbildung zurückgreifen. Seit Januar gehört er zu den Stammbesuchern.

Der Start der Human-WG - ein Projekt der Bürgerstiftung Salzland, der Städtischen Wohnungsbau (SWB) GmbH und der Caritas Sozialstation Schönebeck, das im März 2005 gestartet wurde - ist etwas holprig gelaufen. Angedacht war die WG ausschließlich für Palliativpatienten. Doch es fanden sich nicht auf Anhieb zehn solcher Patienten, die in diese WG ziehen wollten. „In der Umsetzung haben wir gelernt, dass die Mischung besser ist“, sagt Sigrid Meyer, Chefin der SWB.

"Bewohner fühlen sich heimisch"

„Die Teilhabe am Leben ist so für die Menschen, die in der Palliativversorgung sind, besser gegeben“, ergänzt Britta Duschek, Vorsitzende der Bürgerstiftung. Inzwischen sind neun der zehn Zimmer belegt. Der zehnte und kleinste Raum (12 Quadratmeter) soll nun als eine Art möbliertes Notfallzimmer vorgehalten werden. Während die Zimmer Privatsphäre bieten, kann in der Küche beispielsweise die Gemeinschaft gelebt werden. „Die Bewohner fühlen sich heimisch“, berichtet an jener Stelle Irina Hartkopf, Pflegedienstleiterin der Caritas Sozialstation.

Die Verantwortlichen wissen aber auch, dass sich nicht jeder die Human-WG als Alternative zur Klinik und zum Pflegeheim leisten kann. „Während die Kostenübernahme bei den anderen Formen geregelt ist, ist unsere Human-WG eben zu neu“, sagt Britta Duschek. Zwar werden die Aspekte Pflege und Palliativversorgung durch die Krankenkasse getragen, doch die Wohnung und die 24-Stunden-Betreuung müssen selbst getragen werden. „Eine Rente von 700/800 Euro reicht da nicht aus“, sagt Sigrid Meyer.

Offen für alle

Die Human-WG soll aber offen sein für alle - unabhängig vom Geldbeutel. Deshalb hat die Bürgerstiftung Salzland einen Fonds eingerichtet, aus dem jene Bewohner unterstützt werden sollen, die sich die Human-WG selbst nicht leisten können. „Einige Bewilligungen haben wir schon ausgesprochen“, sagt Sigrid Meyer. „Die Spender können sich jederzeit informieren, hier geht alles eins zu eins zu den Menschen“, wirbt sie um den einen oder anderen Euro. Und: „Sie spenden für Menschen und Menschlichkeit.“

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Kennwort: Human-Fonds