Schönebeck l Viele Jahre hat Braumeister Stefan Henning seine Biere anderswo gebraut, in Franken, Niedersachsen, an der Ostsee. Kuckucksbrauer werden so Leute genannt, oder Wanderbrauer. Damit soll bald Schluss sein bei Henning. Sein Bier soll schon bald ausschließlich in seiner Schönebecker Brauerei entstehen, der Elbbrauerei Frohse.

Im Mai 2018 hat er dort mit dem Bierbrauen begonnen. Seitdem fährt er die Produktion Stück für Stück hoch. Weil das Wasser nicht überall dasselbe sei, müssten Bierrezepte in Nuancen dem Standort angepasst werden, erläutert Diplom-Braumeister Henning. Mittlerweile produziere er den Großteil seines Bieres in Schönebeck.

„Treibgut" heißt Hennings bekannteste Biermarke. Entstanden sei das Rezept dazu 2013 während des Elbehochwassers, deshalb der Name. Zwei Jahre später gründete der gebürtige Westerhüsener seine eigene Firma, seit Februar 2018 ist der Umbau der früheren Metzgerei am Reuterplatz im Ortsteil Frohse abgeschlossen. Noch immer sei hier und da etwas zu tun, die Produktionsanlage sei aber nun fertig, berichtet der 36-Jährige. „Alles ist so gebaut, dass ich hier die nächsten 30 Jahre brauen kann."

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Schönebeck, Braustandort mit Tradition

Große Panoramafenster geben den Blick von außen auf die Brauanlage frei. Bis zu 50 Hektoliter Bier kann Henning dort wöchentlich produzieren. Insgesamt will der Brauer seine Jahresproduktion 2018 auf 800 Hektoliter steigern.

Damit gehört seine Brauerei zu den Mikrobrauereien (bis 1000 Hektoliter Jahresproduktion). In  Deutschland gab es 2017 nach Angaben des Statistischen Bundesamtes und des Deutschem Brauer-Bundes 824 von ihnen, etwa 300 mehr als noch 2006. Mikrobrauereien sind maßgeblich für den Anstieg der Gesamtzahl an Brauereien in Deutschland verantwortlich. Im Juni ehrte der Deutsche Brauertag die 1500. Brauerei in Deutschland.

1995 waren es bundesweit noch 1282 Brauereien. Drei Jahre zuvor wurde die Bierproduktion am traditionsreichen Schönebecker Braustandort am Hummelberg eingestellt. Um das Jahr 1900 war die dortige Brauerei eine der größten in der Region.

Vom Maschinenbauer zum Braumeister

Henning hat die Entwicklung der Brauereibranche in den letzten zehn Jahren miterlebt. Nach vier Semestern Maschinenbau-Studium hatte er sich für eine Ausbildung in der Colbitzer Heide-Brauerei entschieden. Es folgte das Studium zum Diplom-Braumeister in Berlin. 2012 meldete die Colbitzer Brauerei Insolvenz an, das Unternehmen Wolters aus Braunschweig übernahm. „Das alte Sudhaus wurde plattgemacht", erinnert sich Henning, eine neue industrielle Anlage mit Computern installiert. „Ich wollte immer handwerklich brauen", sagt Henning.

Einen alten Sicherungskasten aus dem alten Colbitzer Sudhaus hat Henning mitgenommen, der hängt nun in seiner eigenen Brauerei. Im alten Sudhaus in Colbitz, da habe das Brauen zumindest noch einen „handwerklichen Charakter" gehabt.

Elbbrauerei soll kleine Brauerei bleiben

„Craft Beer" heißt übersetzt Handwerksbier. Und doch möchte Henning mit dem Craft-Beer-Trend, der aus den Vereinigten Staaten nach Deutschland kam, nichts zu tun haben. Handgemachte Biere finde er zwar gut. „Ich bin aber nicht zum Brauen gekommen, weil es ein Trend ist", betont er. Viele würden derzeit auf den Craft-Beer-Zug aufspringen. „Ich denke, irgendwann wird eine Marktbereinigung stattfinden."

Tatsächlich geht der Bierkonsum in Deutschland trotz steigender Brauereizahl seit Jahren zurück. Und damit auch die Jahreserzeugung der deutschen Brauereien. 2006 produzierten sie noch 102 Millionen Hektoliter, 2017 waren es nur noch 85 Millionen.

Welche Zukunft hat die Elbebrauerei angesichts dieser Zahlen? „Es soll eine kleine Brauerei bleiben", sagt Henning. Der Produktion am Standort mit einer Grundfläche von rund 250 Quadratmetern seien Grenzen gesetzt. Ziel sei es, eine Jahresproduktion von 1000 Hektoliter zu erreichen. Er wolle die Arbeit in der Brauerei noch alleine schaffen können. „Mein Ziel ist nicht, damit reich zu werden", sagt Henning.