Schönebeck l Olaf Ziem eckt an. Er fragt dort nach, wo andere nur abwinken. Ziem selbst bezeichnet sich als von grund auf ehrlich, geradlinig und konsequent – das sei der Maßstab seiner Kandidatur. Doch dabei ist der 59-Jährige auch selbstkritisch.

Nie wieder in eine Partei

Rückblick: Der gebürtige Schönebecker trat 2017 in die AfD ein. „Teilweise sind die Progamme der AfD richtig gut, zum Beispiel Beamte bei der Rente zur Kasse zu bitten“, so Ziem. „Ich habe gemerkt, dass die Altparteien das Land schädigen. Flüchtlinge ohne echten Fluchtgrund hereinzulassen ist Verschwendung von Steuergeldern.“ Er will etwas verändern. Doch bei der Schönebecker AfD, so sagt er, „will man die Wahl nicht gewinnen“. Gerade weil er etwas verändern will, trat er aus der Partei aus. Rückkehr ausgeschlossen: „Ich werde nie wieder in eine Partei eintreten.“

Von der AfD distanziert

Von einigen Ansichten der AfD hat er sich unlängst distanziert. „Ich bin konsequent gegen Rechs- und Linksradikalismus. In meiner Firma habe ich sogar zwei Auszubildende aus Afrika eingestellt. Eine aus Eritrea und eine aus Syrien.“ Apropos Firma: Olaf Ziem gründete Mitte der 1990-er Jahre ein Dienstleistungsunternehmen im Bereich Pflege. Das brachte ihm viel Kontakt zu Menschen – er kennt Schönebeck. Und er möchte seiner Geburts- und Heimatstadt als erfolgreicher Unternehmer etwas zurückgeben. „Die Stadt befindet sich seit Jahren in Konsolidierung. Allerdings sind die Bilanzen von 2015 bis 2019 noch gar nicht fertig. Die Stadt weiß also gar nicht, wie viel Geld sie zur Verfügung hat“, so der parteilose Kandidat um das Bürgermeisteramt. „Bis Ende 2021 sollen alle Bilanzen vorliegen, damit realistische Entscheidungen getroffen werden können.“

Videos

Entscheidungen wolle Ziem als Bürgermeister in einem großen Team treffen. „Ich will keinem Ausschuss vorstehen“, so Olaf Ziem. „Der Bürgermeister beeinflusst so den Rat. Die Ratsmitglieder müssen doch dem Bürgermeister sagen, was er zu tun hat.“ Er fordert einen „intakten Stadtrat für eine intakte Stadt“. Außerdem wolle er den Ortsbürgermeistern und deren Räten eigene Entscheidungsspielräume einräumen, „wenn die Haushaltskonsolidierung endlich vom Tisch ist“.

"Absoluter Teamplayer"

Obwohl Ziem nach eigener Aussage ein „absoluter Teamplayer“ ist, hat er dennoch Visionen zu politischen Reizthemen. Beim Thema (Kombi-)Bad zum Beispiel: „Hier wurde zusammen schon ein mittlerer sechsstelliger Betrag für Planungen ausgegeben. Würde das ein Privatunternehmen tun, wäre es längst pleite.“ Man müsse zumindest den Schulsport wieder absichern.

Um Absicherung geht es ihm auch beim Feuerwehrgerätehaus in Bad Salzelmen. „Da muss endlich eine Entscheidung getroffen werden!“, fordert der Parteilose. Bei diesem Thema sorgte er zuletzt für Aufsehen, als er eine Dienstaufsichtsbeschwerde gegen Oberbürgermeister Bert Knoblauch (CDU) stellte. Er müsse, so Ziem, für die Betriebssicherheit sorgen. „Das hätte ich auch gemacht, wenn ich nicht kandidiert hätte“, sagt der Anwärter auf das Bürgermeisteramt. Ihm geht es eben um die Sache.

"Das mache ich, um zu lernen"

Bei der Sache ist er auch stets, um sich in das Bürgermeisteramt einzuarbeiten. Olaf Ziem besucht fast alle Ausschüsse und Ortschaftsräte und ist so neben seinem Ratsmandat in der Politik präsent. „Das mache ich, um zu lernen.“ Er sei von Hause kein Politiker und der Entschluss, für das Amt des Bürgermeisters zu kandidieren, reifte erst spät. „Ich habe erst im März erfahren, dass in diesem Jahr Bürgermeisterwahlen sind“, gesteht er.

Das ändert aber nichts daran, dass er fest entschlossen ist, den Chefsessel im Rathaus zu erobern. „Das, was in den letzten sieben Jahren Amtszeit des Bürgermeisters an Projekten gelaufen ist, ist alles in die Hose gegangen“, sagt Ziem. Sein Ansatz: besser machen. Ehrlich, geradlinig und konsequent. Olaf Ziem bezeichnet sich eben selbst als einen „echten Macher“.

Drei Fragen, drei Antworten - das Video-Kurzinterview mit OB-Wahl-Kandidat Olaf Ziem können Sie hier ansehen.