Schönebeck l Was zuerst auffällt, ist ihr freundliches Lächeln. Es ist, als würde sie ihr jeweiliges Gegenüber immer auffordern wollen, Freude am Leben zu haben. In ihren Augen strahlt eine unentwegte Aufmunterung. Dabei wirkt diese kleine Frau eher zerbrechlich, eher verletzbar. Irgendetwas jedoch gibt ihr Kraft. So viel Kraft, dass sie, neben der eigenen Familie, auch für viele andere Menschen reicht.

Sieglinde Menzel ist am 7. Mai in der Staatskanzlei in Magdeburg das Bundesverdienstkreuz überreicht worden. Die Auszeichnung nahm Ministerpräsident Reiner Haseloff (CDU) im Namen des Bundespräsidenten vor. Insgesamt bekamen vier Sachsen-Anhalter diese Auszeichnung.

Das hat sie verdient

„Ich war an jenem Tag dabei, als sie die Benachrichtigung von der Staatskanzlei erhielt“, erzählt Hanni Pragst im Gespräch mit der Volksstimme. Sie ist eine Freundin von Sieglinde Menzel. „Uns kamen beiden die Tränen“, sagt Hanni Pragst und fügt hinzu: „Ich dachte: das hat sie verdient.“

Die im Dezember 1940 im damaligen Niederschlesien geborene Sieglinde Menzel engagiert sich seit 1991 in der Schönebecker Regionalgruppe des bundesweit agierenden Vereins Kaleb (Kooperativ arbeiten um Leben ehrfürchtig zu bewahren) für das ungeborene und das geborene Kind. Dazu gehört die Beratung schwangerer Frauen, aber auch Hilfe für Familien. Ein soziales Engagement, das eigentlich nahe liegt für eine Kinderkrankenschwester (seit 2001 im Ruhestand). Ein rundes Bild ergibt sich vielleicht aber erst mit dem Hinweis auf ihren christlichen Glauben. „Für mich gilt das Gebot: ‚Liebe Gott und liebe deinen Nächsten‘“, sagt die 77-Jährige.

Lebensweisende Hilfe

Da ist es wohl kein Wunder, dass einige Menschen, die durch sie Hilfe erfahren haben (manchmal war es sogar eine existenzielle, das gesamte Leben bestimmende Hilfe) Sieglinde Menzel ehrfurchtsvoll „Mama“ nennen.

Als sie in Magdeburg das Bundesverdienstkreuz überreicht bekam, fand sie freundliche, dankende Worte, hielt sich allerdings auch mit Kritik nicht zurück. Die bezog sich auf das von der schwarz-rot-grünen Landesregierung unterstützte sogenannte Kita-Koffer-Projekt. Ein Medienkoffer mit Büchern und Spielen soll Kindern in Kitas und Grundschulen die Vielfalt der Familienformen näherbringen und auch die Akzeptanz von Schwulen, Lesben und Transsexuellen fördern, so das Anliegen. „Kinder brauchen keinen Koffer in Kindertagesstätten, der sie mit sexueller Vielfalt konfrontiert, sie sollen fröhlich aufwachsen dürfen“, sagte die Schönebeckerin in der Staatskanzlei und neben dem Ministerpräsidenten hörten ihr auch andere Vertreter der Landesregierung artig zu.

Ein Werk vieler Menschen

Was sie auch zum Ausdruck brachte, war ein Dank an alle Weggefährten. „Alles das, was wir machen, was wir leisten, geht nur, wenn sich möglichst viele Menschen beteiligen.“ Gegenüber der Volksstimme setzte sie den Dank gestern auch gegenüber der Stadt Schönebeck und den Sponsoren aus der hiesigen Wirtschaft fort. Ja, es stehe nicht sonderlich gut um die Finanzierung des Vereins Kaleb in Schönebeck, aber: „Wir schaffen das schon.“

Im Jahre 1961 kam Sieglinde Menzel aus Seehausen in der Altmark nach Schönebeck, heiratete im selben Jahr ihren Gottfried. Das Paar hat drei inzwischen erwachsene Kinder, 13 Enkel und sechs Urenkel.

Ihr Wohnzimmer ist derzeit voller Blumensträuße. Von Freunden, Bekannten, Familienangehörigen hat die 77-Jährige auf diese Weise Gratulationen erfahren, freundliche Worte obendrein. Über die sozialen Medien Facebook und Whatsapp hieß es unisono: „Respekt, Sieglinde!“ „Ich freue mich, dass sich so viele Menschen für mich freuen“, sagt die Schönebeckerin.