Schönebeck/Staßfurt l Mit Blick auf die auch in Sachsen-Anhalt immer weiter ansteigenden Infektionszahlen forderte der Landkreistag die Landesregierung Sachsen-Anhalts Anfang der Woche dazu auf, den Landkreisen zur Umsetzung der neuen Eindämmungsregeln kurzfristig Personal aus dem Landesdienst zur Verfügung zu stellen. Das geht aus einer Pressemitteilung des Landkreistages hervor. „Für die seit 2. November 2020 verschärften Regeln und eingeführten Bußgeldvorschriften bedarf es dringend einer personellen Verstärkung der Landkreise“, sagte Michael Ziche, Präsident des Landkreistages Sachsen-Anhalt.

Und das Land kommt dem offenbar nach. Wie Regierungssprecher Matthias Schuppe gegenüber der Deutschen Presse Agentur bestätigte, hätten sich bereits rund 80 Freiwillige aus der Landesverwaltung für diese Aufgabe gemeldet.

Verwaltung hat fünf Vollzeitkräfte angefragt

Auch der Salzlandkreis ist bestrebt, zusätzliches Personal zur Bewältigung der Pandemie zu erhalten. „Beantragt haben wir nach dem Angebot der Landesregierung mittlerweile auch fünf Vollzeit-Äquivalente als Unterstützung. Eine Antwort dazu steht mit Stand heute noch aus“, teilt Kreissprecher Marko Jeschor auf Volksstimme-Anfrage mit.

Dass die Antwort noch aussteht, ist auch nicht weiter verwunderlich, denn: „Die Abfrage zur personellen Unterstützung der Gesundheitsämter durch Personal der Landesverwaltung läuft bis zum Montag“, so Matthias Schuppe gegenüber der Volksstimme. Anschließend wird abgeglichen, welche Landkreise wie viel Personal beantragt haben, und daraufhin werden die Freiwilligen dementsprechend zugewiesen beziehungsweise vermittelt. „Die Zeitdauer und die Einsatzgebiete werden individuell geklärt“, so der Regierungssprecher.

Personal aufstocken

Jedoch erwartet die Landesregierung im Gegenzug, dass die Kommunen ihre Gesundheitsämter mit eigenem Personal aufstockten. „In Bezug auf die personellen Vorgaben der Landesregierung haben wir längst die Voraussetzungen für eine landesseitige Unterstützung geschaffen“, so Marko Jeschor. Rein theoretisch ist es also möglich, dass der hiesige Kreis personelle Hilfe vom Land erhält.

Darüber hinaus hat die Kreisverwaltung bereits seit Beginn der Pandemie den Fachdienst Gesundheit umorganisiert. So wurden zur Aufgabenbewältigung sowohl zusätzliche Mitarbeiter aus so gut wie allen Bereichen der Kernverwaltung eingesetzt als auch die Prozesse neu strukturiert, teilt Jeschor mir. Die neu eingesetzten Mitarbeiter wurden vorab natürlich entsprechend geschult.

Für jede Aufgabe ein individuelles Team

Zudem wurden innerhalb des Sachgebiets Infektionsschutz verschiedene Teams mit individuellen Aufgaben geschaffen. Auf diese Weise sollen die Corona-Fälle schnellstmöglich bearbeitet werden. So gibt es Teams zur Kontaktermittlung, für die Corona-Hotline und für flächendeckende Tests nach den Vorgaben der Landesregierung sowie im Test- und Fieberzentrum in Bernburg-Roschwitz. Dabei erhält der Salzlandkreis sogar bereits Hilfe von anderen Stellen. „Wir werden dabei sowohl vom RKI als auch von der Bundeswehr mit vier Soldaten unterstützt. Darüber sind wir sehr froh“, sagt Marko Jeschor.

Wie viel es zu tun gibt, verdeutlich auch folgende Entwicklung: Besteht das Sachgebiet normalerweise insgesamt aus neun Mitarbeitern, so sind derzeit – je nach Lage – sogar bis zu sechs Mitarbeiter pro Team im Einsatz. Also mindestens 18 Mitarbeiter, wenn man nur die drei oben genanten Teams beachtet.

Nachfrage steigt an

Auch die Nachfrage bei der Corona-Hotline ist laut Jeschor wieder stark angestiegen, sodass dort seit Montag wieder zweischichtig gearbeitet werden muss, um dem Bedarf gerecht zu werden. „In den vergangenen Tagen registrierten wir durchschnittlich mehr als 250 Anrufe“, so der Kreissprecher.

Daher scheint es sinnvoll, dass das Land den Landkreisen personell unter die Arme greift. Wie viele Landkreise Bedarf angemeldet haben – und viel wichtiger, ob dieser Bedarf auch gedeckt werden kann – wird sich in den nächsten Tagen und Wochen zeigen.