Glinde/Aschersleben l Am Ende rasten die Jugendlichen mit dem gestohlenen Auto in Aschersleben in eine Hauswand. Der Wagen fing Feuer. Die fünf jungen Insassen wurden verletzt und mussten in Krankenhäuser eingeliefert werden, darunter der 17-jährige Fahrer, der zuvor noch zu Fuß fliehen wollte und über eine Mauer kletterte. Die Polizei konnte ihn aber noch in der Nähe des Unfallorts aufgreifen und an die Rettungskräfte übergeben.

Nun wurde bekannt: Die fünf Jugendlichen, darunter vor allem der 17-jährige Fahrer, beschäftigen die Polizei im Salzlandkreis bereits seit einer ganzen Weile. Wie Polizeisprecher Marko Kopitz mitteilte, hatte der Heranwachsende bereits mehrfach Autos gestohlen. „Allein in den vergangenen vier Wochen waren es drei Fahrzeuge im Salzlandkreis“, sagte der Polizeisprecher. Der Jugendliche verfüge mittlerweile über Fahrpraxis, auch wenn er noch keine Fahrerlaubnis habe. Immer wieder hätte er zuletzt Autos geknackt und nach einer Spritztour irgendwo stehen gelassen. Zudem soll er mehrfach mit Drogen erwischt worden sein.

Jugendliche haben Haus verwüstet

Zu trauriger Berühmtheit haben es die Jugendlichen im Salzlandkreis allerdings vor allem mit einem schwerwiegenden Einbruch in Glinde gebracht. Nach Angaben der Polizei handelt es sich bei den Autodieben um dieselben Bewohner eines Kinderheims in Glinde, die im Januar ein Einfamilienhaus in dem Ortsteil komplett verwüstet hatten.

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Die damalige Bilanz einer zwölfstündigen Gewaltorgie: zerschlagene Scheiben und Spiegel, aufgeschlitzte Sofas, abgerissene Lampen, tiefe Löcher im Parket sowie aufgerissene und zerwühlte Schränke. Im Obergeschoss hatten die Jugendlichen sogar ein Feuerwerk gezündet. Nach Angaben der Polizei hatten die Jugendlichen zum Tatzeitpunkt Drogen konsumiert. Die Beamten von der Spurensicherung hatten damals angegeben, dass ihnen eine solche Zerstörung in 30 Jahren Dienstzeit noch nicht untergekommen sei. Der Schaden soll sich nach Angaben der Bewohner auf knapp 140.000 Euro belaufen haben.

Der Vorfall hatte damals in dem Barbyer Ortsteil Glinde zu einer heftigen Kontroverse über die Jugendeinrichtung des Betreibers Nestwärme geführt. Bei einer Sitzung des Ortschaftsrates hatten die Bürger ihre Sicherheitsbedenken formuliert. 60 Bürger hatten damals an der Sitzung teilgenommen, was in dem Ortsteil mit gerade 280 Einwohnern einen Rekord dargestellt haben dürfte.

Neues Sicherheitskonzept?

Die Betreiber des Kinderheims vom Trägerverein Nestwärme, die die Einrichtung lieber als „Sportpark“ bezeichnen, hatten damals versucht, auf die Bedenken der Anwohner einzugehen. So hatten die Verantwortlichen angekündigt, dass ein neues Sicherheitskonzept zu einer besseren Kontrolle der Jugendlichen führen soll. Die jungen Leute könnten allerdings auch nicht rund um die Uhr überwacht werden. Auf Nachfrage der Volksstimme war beim Trägerverein Nestwärme am Montag kein Ansprechpartner zu erreichen.

Genutzt hat das neue Sicherheitskonzept in dem Kinderheim von Nestwärme aber offenbar wenig. In der Nacht zum Sonntag meldete ein Anwohner aus Pömmelte nach Angaben der Polizei den Diebstahls seines Fahrzeuges. Da auch die Jugendlichen aus dem Kinderheim in Glinde als vermisst galten, konnten die Beamten eins und eins zusammenzählen und leiteten sofort eine Fahndung nach ihnen im Salzlandkreis ein. „Wir wissen inzwischen, welche Bekannten die jungen Leute mit den gestohlenen Fahrzeugen besuchen wollen“, sagte Polizeisprecher Marko Kopitz.

THW sichert beschädigtes Haus

Wie die Mitteldeutsche Zeitung berichtete, konnten die Beamten das gestohlene Fahrzeug gegen 2 Uhr im Raum Aschersleben feststellen. Daraufhin lieferten sich die Jugendlichen eine einstündige Verfolgungsjagd mit der Polizei, bei der zum Teil Geschwindigkeiten von mehr als 200 Kilometern in der Stunde erreicht worden sein sollen. Schließlich verlor der 17-Jährige die Kontrolle über das Fahrzeug, das daraufhin gegen ein Wohnhaus an der Ecke Wilhelmstraße/Steinbrücke krachte und dort zum Stehen kam. Der Motorraum des gestohlenen Fahrzeuges fing dabei Feuer. Die Polizei konnte die verletzten Jugendlichen noch vor dem Eintreffen der Rettungskräfte aus dem Wagen befreien. Der Fahrer wurde auf der Flucht erwischt.

Das Feuer griff von dem Fahrzeug auf die Fassade des Gebäudes über, konnte jedoch von der Feuerwehr gelöscht werden. Die Einsatzkräfte verschafften sich Zugang zu dem verrauchten Gebäude und stellten dabei fest, dass die Bewohner nicht zu Hause waren.

Experten des Technischen Hilfswerks (THW) aus Staßfurt und Quedlinburg begutachteten noch am selben Morgen das Gebäude. Da eine tragende Wand teilweise beschädigt wurde, stützen die Einsatzkräfte den Bereich des Hauses mit einem Holzbalken ab. Die Straße war während des Einsatzes gesperrt und konnte am Sonntagmorgen freigegeben wieder werden.