Plötzky l Kurz nach Mitternacht Dienstagfrüh ist Werner Frost in seinem Bungalow am Kolumbussee vom Lärm der lauten Sirenen und hellen Blaulichter der Feuerwehrfahrzeuge aufgewacht. Als er vor die Tür tritt, sieht er das Feuer auf der anderen Seite des Sees im Naherholunsgebiet Plötzky. „Das Ferienhaus brannte lichterloh. Das war wirklich‘ höchste Eisenbahn, dass die Feuerwehr gekommen ist“, erzählt der Rentner aus Staßfurt. Werner Frost beobachtet das Feuer. „Ich wollte sichergehen, dass sich das nicht weiter ausbreitet. Sonst hätten wir mit dem Auto wegfahren müssen“, sagt der Staßfurter.

Doch glücklicherweise hatte ein Nachbar den Brand in dem Ferienhaus direkt am Kolumbussee frühzeitig bemerkt und sofort die Feuerwehr alarmiert. „Wir sind das Feuer mit zwei Löschtrupps von außen und einem von innen angegangen“, sagt Einsatzleiter und Pretziener Ortswehrleiter Michael Vorwerk. Das Feuer konnte so relativ schnell gelöscht werden. „Sonst hätte es im schlimmsten Fall auch auf die Bäume und weitere Bungalows übergreifen können“, sagt der Einsatzleiter.

Bei den derzeitigen Witterungsverhältnissen ist die Vegetation im Naherholungsgebiet sehr trocken, und ein Feuer kann sich rasch ausbreiten. Es herrscht Waldbrandstufe vier. Das bedeutet hohe Gefahr. Waldwege sollten von Spaziergängern nicht verlassen werden. Wälder, sogar touristische Anlagen können von den Behörden im schlimmsten Fall sogar schon gesperrt werden. Und bereits ab der dritten Gefahrenstufe ist offenes Feuer und selbst Grillen im Naherholungsgebiet verboten.

24 Kameraden im Einsatz

Die Feuerwehr Pretzien war mit 24 Kameraden im Einsatz, wie Ortswehrleiter Vorwerk mitteilte. Auch die Feuerwehren Ranies, Schönebeck und Bad Salzelmen wurden alarmiert und hielten sich als Reserve am Besucherparkplatz am Eingang des Kolumbussee bereit. Sie mussten allerdings nicht eingreifen, da die Pretziener Kameraden das schnell unter Kontrolle kriegen konnten.

Wie schnell die Pretziener Feuerwehrleute beim Löschen des Brandes waren, wird am nächsten Tag deutlich. Verkohlte Holzbretter weisen daraufhin, dass die Flammen vor allem eine Ecke des Hauses sowie das Dach beschädigt haben. Komplett abgebrannt ist das Gebäude allerdings nicht, das auch als ehemalige DRK-Station bekannt ist. Immer noch liegt Rauch in der Luft, aber das Löschwasser am Boden vom Einsatz in der Nach ist schon so gut wie wieder abgetrocknet. Der Kolumbussee liegt nur ein paar Meer entfernt. Probleme mit der Löschwasserversorgung gab es also bei diesem Einsatz nicht. Auch konnten die Feuerwehrleute den Einsatzort gut erreichen, sagt Wehrleiter Vorwerk.

Polizei ermittelt in alle Richtungen

Fassungslos über das Feuer in dem Ferienhaus ist Carola Lindner von der Naherholungsförderungsgesellschaft Elbaue, die das Gebiet rund um die Seen in Ostelbien verwaltet. „Das ist einfach tragisch“, sagt sie. Denn das Ferienhaus gehört einem gemeinnützigem Verein, der dort sozial schwachen Familien mit vielen Kindern Urlaub ermöglichte. Erst am Freitag sollte eine Familie anreisen, die aber kurzfristig abgesagt hatten. „Zum Glück“, wie Lindner sagte. Ende der Woche sollten die nächste Gäste kommen. Doch das Ferienhaus ist nun unbewohnbar. Das in diesem Sommer dort noch weitere Familien Urlaub machen können ist eher unwahrscheinlich.

Noch in der Nacht des Feuers hat die Polizei die Ermittlungen aufgenommen. Ein Ergebnis liegt allerdings noch nicht vor, lassen die Beamten durchblicken. Für eine Brandstiftung wurden zunächst keine Belege gefunden, auch wenn eine Straftat noch nicht ausgeschlossen werden kann. Die Polizei ermittelt in alle Richtungen. Überprüft wird auch, ob die angeschlossenen Stromleitungen eine Rolle gespielt haben könnten.