Biere l Dafür hatte Hans-Georg Fabian nur ein Wort übrig: „Schade!“ Der Wehrleiter der Gemeinde Bördeland beklagte sich über die Möglichkeiten am Institut für Brand- und Katastrophenschutz Heyrothsberge (IBK). Seit Jahren, so monierte der ansonsten zurückhaltende Fabian, werde die Feuerwehr vom IBK um Prognosen gebeten, welche Lehrgänge für die Kameraden im Folgejahr wichtig seien und wahrgenommen würden. „Seit Jahren melden wir diese Prognosen. Aber Ende ist das alles umsonst. Ich frage mich wirklich, warum ich das mache“, wetterte der Gemeindewehrleiter. Der Grund: Nach jetzigem Stand bekommt kein Kamerad aus den sechs Feuerwehren Bördelands einen Weiterbildungsplatz am IBK. Das, so Hans-Georg Fabian, sei wirklich „schade“.

Dennoch hatte der Gemeindewehrleiter auch gute Nachrichten zu verkünden. Die überraschten die Kameraden nicht, sollten aber erwähnt werden. In diesem Jahr steht der Kauf eines neuen Hilfeleistungslöschfahrzeuges an, das bei der Feuerwehr in Biere stationiert werden soll. Das dadurch freiwerdende Fahrzeug muss zur Feuerwehr nach Kleinmühlingen umgesetzt werden.

175.000 Euro im Jahr 2017

Insgesamt besitzt die Feuerwehr in der Gemeinde Bördeland durchaus einen hohen Stellenwert. Das zeigten die Äußerungen von Bördelands Bürgermeister Bernd Nimmich (SPD). Er erklärte, dass im abgelaufenen Haushaltsjahr rund 175.000 Euro für die Feuerwehren im Finanzplan eingestellt waren. Hinzu kamen aus dem investiven Bereich noch 25.000 Euro zur Erneuerung der Elektroanlage im Gerätehaus Welsleben und unter anderem 6.000 Euro für einen neuen Fußboden im Gerätehaus Biere.

Auch die jetzige Unterstellmöglichkeit der Feuerwehrfahrzeuge in Großmühlingen hat die Gemeindeverwaltung nicht aus dem Blick verloren. Bei einer kürzlich stattgefundenen Begehung wurde festgestellt, dass das bisherige Gebäude der Feuerwehr nicht mehr „aufzuhübschen“ ist, wie Bernd Nimmich es formulierte. Die Verwaltung favorisiert deshalb einen Neubau eines Gerätehauses, der nach heutiger Schätzung rund 1,2 Millionen Euro kosten soll. Die Gemeinde rechnet mit 40- bis 50-prozentiger Förderung. Der Bau soll frühestens im Jahr 2020 beginnen.

In seinem Jahresbericht gab Gemeindewehrleiter Fabian auch aktuelle Zahlen aus dem Jahr 2017 bekannt. Insgesamt zählen die sechs Ortsteilfeuerwehren 309 Kameraden, davon 141 im aktiven Dienst. Im vergangenen Jahr wurden 131 Einsätze gefahren, darunter waren 91 Hilfeleistungen. „Wir hatten viele Stürme“, so Hans-Georg Fabian.

Provisorische Einsatzleitung in Biere

Bei diesen zunehmenden Naturereignissen waren alle Ortsfeuerwehren alarmiert. Da die Leitstelle in Staßfurt teilweise überlastet war, so Fabian, habe man in Biere eine provisorische Einsatzleitung aufgebaut. „Dieses Prinzip hat sich bewährt, weil wir nicht nur die Einsatzleitstelle entlasten, sondern unsere Kameraden auch konkreter einsetzen konnten.“

Ein großes Lob sprach der Gemeindewehrleiter den Kameraden aus. Durchschnittlich 25 Dienstabende habe jede Feuerwehr im Jahr 2017 absolviert. Und noch eine Durchschnittszahl: Jeder Kamerad leistete 60 Ausbildungsstunden ab. „Das sind 20 mehr als gefordert“, so Bördelands Feuerwehrleiter. Er zählte anschließend alle Kameraden namentlich auf, die auf unterschiedlichen Ebenen an Weiterbildungslehrgängen teilnahmen.

Nicht nur die Aus- und Weiterbildungen summieren sich im Ehrenamt der Kameraden, sondern auch die Stunden für Übungen und Einsätze. Deshalb versäumte es Hans-Georg Fabian nicht, den Arbeitgebern der Feuerwehrkameraden ausdrücklich Danke zu sagen. „Ich weiß, dass sich der eine oder andere Arbeitgeber bei so vielen Einsatzstunden manchmal schwertut. Umso erfreulicher ist die so immer wiederkehrende Bereitschaft“, so Fabian.

Grüße vom Gemeinderat

Dem stimmte auch Bürgermeister Bernd Nimmich zu. Er überbrachte Dankesgrüße im Namen des Gemeinderates für die durchgängige Einsatzbereitschaft der Feuerwehrkameraden an 365 Tagen im Jahr, rund um die Uhr. Er hob hervor, dass sich die sechs Ortswehren – Zens ist seit vergangenem Jahr ein unselbständiger Standort und der Feuerwehr Kleinmühlingen angegliedert – nach der Alarm- und Ausrückeordnung in Ost und West unterteilen. Trennendes Element ist das Bahngleis durch die Gemeinde. „Außerdem werde im Additionsprinzip gefahren, so dass immer mehrere Feuerwehren gleichzeitig alarmiert werden. Das ist auch richtig so“, fasste Bernd Nimmich zusammen.

Er bedankte sich nicht nur bei den Kameraden im Einsatzdienst, sondern auch bei der in Bördeland sehr aktiven Kinder- und Jugendfeuerwehr, den Alters- und Ehrenkameraden, dem Spielmannszug, den Frauen in der Feuerwehr und zu Hause sowie beim Landratsamt und dem Landrat.

Auf die Frage der Wertigkeit des Ehrenamtes ging am Abend auch die Landtagsabgeordnete Silke Schindler (SPD) ein. „Es ist ein Ehrenamt, aber es ist auch ein anderes und besonderes Ehrenamt“, erklärte sie. Die Wanzleberin berichtete von Diskussionen in ihrer Stadt, dass Feuerwehrkameraden für einen Hausbau ein städtischer Zuschuss zu gewähren sei. „Wir wollen, dass Feuerwehrkameraden im Ort bleiben, um hier ihren Aufgaben nachzukommen“, so Silke Schindler.

Mehr Geld aus Feuerschutz-Steuer

Auch in anderen Orten der Region gibt es ähnliche Tendenzen. So werden Kameraden beispielsweise in der Egelner Mulde besondere Rabatte von Firmen und Geschäften gewährt.

Silke Schindler teilte abschließend mit, dass in Zukunft mehr Gelder aus der Feuerschutz-Steuer „nach unten“ in die Kommunen weitergereicht werden sollen. Nämlich dorthin, wo auch die Arbeit gemacht wird.

Weitere Redner des Abends waren Roland Rasehorn vom Kreisfeuerwehrverband und Stefan Ziem als Abschnittsleiter. Zudem wurden Kameraden befördert und ausgezeichnet. Das quittierten die Gäste nicht mit dem eingangs erwähnten „schade“, sondern mit kräftigem Beifall und dem Hinweis, dass der Abend für die Geehrten teuer werden würde ...