Kleinmühlingen l Besser hätte das Wetter für eine Radtour zum Radsportmuseum in Kleinmühlingen gar nicht sein können. Und so kamen am letzten Sonnabend im Oktober viele der Museumsbesucher zum Gesprächsnachmittag mit dem ehemaligen Radrennfahrer Eberhard Butzke, um mehr aus der Welt des Radrennsports der DDR zu erfahren.

Gemeinsam mit seinem Team vom SC Dynamo Berlin, zu dem auch Lothar Appler und Kurt Müller gehörten, wurde Eberhard Butzke 1966 DDR-Meister im 100-Kilometer-Mannschaftsfahren. Doch nur ein Jahr später war er in Ungnade gefallen und wurde Opfer einer Disziplinarstrafe des DDR-Radsportverbandes, die den Vereins-Ausschluss zur Folge hatte.

Rauswurf wegen West-Kontakten

Auch Appler und Müller mussten den Verein verlassen. Die offizielle Begründung lautete im April 1967 „unwürdiges Verhalten“ aufgrund des vorzeitigen Ausstiegs aus dem Radrennen Dynamo-Cup. Eberhard Butzke hat eine andere Erklärung, die er am Sonnabend auch nicht verschwieg: „Alle, die West-Kontakte hatten, waren raus.“

Aufgrund seines Rauswurfs durfte der Friedensfahrtteilnehmer von 1965 und 1966 an der Fahrt im Jahr 1967 nicht teilnehmen. Nach einem Vereinswechsel beendete Eberhard Butzke seine Karriere 1968 dann aber schließlich im Alter von 28 Jahren.

Ungesunder Leistungssport

Doch ging es am Sonnabend nicht nur um die Zeit seines Lebens, in der Eberhard Butzke noch aktiv Sport betreiben hat, sondern auch um die Folgen des Hochleistungssports. „Leistungssport ist nicht gesund“, ist der heute 79-Jährige überzeugt.

Bedingt durch den Leistungssport war auch sein Herz vergrößert, weshalb er sich 1978 einer Herzgruppe anschloss. Denn schon früh stellte er sich die Frage: „Was passiert mit dem Herzen, wenn es nicht mehr belastet wird?“ Abtrainieren ist die Lösung, um nicht herzkrank zu werden und das weiß Eberhard Butzke.

Schützling mitgebracht

Anders als einige seiner sportlichen Vorbilder, die herzkrank wurden, ist der ehemalige Leistungssportler gesund – und will es auch bleiben. „Mittlerweile muss ich mich schon bemühen, gesund zu bleiben“, sagte Butzke und spielt darauf an, dass ihm die Motivation zum Sport manchmal einfach fehle.

Unter den Zuhörern befand sich auch Enrico Busch, den Butzke bei einer kleinen Friedensfahrt zum Radsport gebracht hatte und mittlerweile mehrfach Seniorenweltmeister war. Zu seinem eigenen Erfolg sagt Enrico Busch: „Ich habe das nie verbissen gesehen. Das war vielleicht der Schlüssel zum Erfolg.“