Barby l Einige Zeitzeugen erinnern sich an einen mürrischen und arroganten Manfred Krug, der so ganz anders war, als sie ihn von der Leinwand her kannten. Wo er draufgängerische Helden in „Hauptmann Florian von der Mühle“ oder der „Stülpner Legende“ gab.

Im selben Jahr, als in Barby gedreht wurde, hatte Krug das Protestschreiben gegen die Ausbürgerung von Wolf Biermann unterzeichnet. Danach isolierte man ihn beruflich: Konzerte wurden ohne Angabe von Gründen abgesagt, Rollenangebote blieben aus. Im März 1977 stand für Krug fest: Er wird die DDR verlassen. „Feuer unter Deck“ kam auf den Index, erlebte seine Premiere dann doch zwei Jahre später im Fernsehen der DDR. Kurz vor dem X. Parteitag der SED 1981 lief der Film unangekündigt in wenigen Kinos der DDR.

Honecker lobt Krug

Da kann man nachvollziehen, warum Krug ganz andere Gedanken durch den Kopf gingen, als nur lustige Filme an der Elbe zu drehen. Vor allem, weil Erich Honecker 1972 noch geschwärmt haben soll: „Wir brauchen viele Krüge.“

Bilder

Als etwas abwesend nahm auch Renate Gerth den Starschauspieler wahr, die vom Fenster ihrer Wohnung die Dreharbeiten an der Elbbrücke beobachten konnte. „Der hat nicht nach rechts und links geguckt“, so die 78-Jährige. Die tschechischen Schiffer seien da viel freundlicher gewesen und hätten sie und ihren zehnjährigen Sohn Veikko auf den Raddampfer eingeladen, der eine wichtige Rolle im Film spielte.

Auch Frank Sieweck (50) erinnert sich gut, wie er und seine Freunde als Siebenjährige vom Treiben vor der Brücke beeindruckt waren. Besonders die Ackergiganten der Marke K 700 beeindruckten nicht nur die Knirpse. Die Schlepper spielten eine Rolle, weil sie den im Film szenisch havarierten Raddampfer „Jennissei“ frei ziehen sollten.

Der damalige Pädagogik-Student Jürgen Krebs (63), der später ein Buch über die Elbbrücke und die Kanonenbahn schrei­ben sollte, erinnert sich: „Da war jede Menge los an der Langen Buhne, als der Film gedreht wurde.“

Ein hervorragender Zeitzeuge ist Karl-Heinz Pöser aus Groß Rosenburg. Er fuhr einen der Radschlepper K 700, sein Kollege Willi Engler eine Raupe. Beide waren von der LPG Groß Rosenburg für die Dreharbeiten abgestellt gewesen. Auch Barbyer Kollegen vom Volksgut hätten mit ihren Maschinen ausgeholfen. „Am Ende haben wir sogar Statistengage bekommen“, weiß Pöser noch genau.

„Die haben in den Drehpausen, wenn sie Langeweile hatten, eine Kegelkugel geschoben.“

Erinnerungen ganz anderer Art hat Heinrich Bernau (70): Schauspieler, Filmcrew und technisches Personal besuchten während der Dreharbeiten gerne das Fährhaus, wo seine Mutter Inge Bernau eine Kneipe betrieb. Weil schönes Wetter war, wurde nicht nur gezecht, sondern auch im Garten gekegelt. Doch eines morgens fehlten die neun hölzernen Kegel und auch die Kugel. Die Kneipengäste waren zuvor praktischerweise mit einem der Schubboote vom Drehort bis zum Fährhaus geschippert. Heinrich Bernau ahnte, was geschehen war. „Ich fand Kegel und Kugel im Inneren des Schubbootes.“ Das hatte eine entsprechend große, flache Fläche für derartigen Sport. „Die haben in den Drehpausen, wenn sie Langeweile hatten, eine Kegelkugel geschoben“, lacht Bernau. Der Barbyer Strommeister Leo Schleier steuerte den Bugsierer „Saalhorn“. Damit ist er auch im Film zu sehen.

Als das Thema am Sonnabend in der Volksstimme stand, erinnerten sich auch heutige Fährhausbesucher an die Dreharbeiten. Während die Filmcrew mittags im Volksgut verköstigt wurde, sei Manfred Krug nach Magdeburg im Hotel International zum Essen gefahren worden. „Ich glaube, der war ein bisschen arrogant“, meint Heinrich Bernau. Köchin war damals Helga Halla, die Schwiegermutter von Axel Wolf aus Barby, der sich auch erinnerte.

Bernhard Hohmann aus Schönebeck schreibt: „Die Leute des Wasser- und Schifffahrtsamtes waren mit dem ‚Sperber‘ und der ‚Barby‘ als Hilfsschiffe mit dabei.“ Hohmann, der aus Barby stammt, hat noch eine andere Erinnerung: Manfred Krug habe, wenn er durch Barby ging, Mopedfahrer angehalten. „Wer ein ‚SR 1‘ oder ‚SR 2‘, einen Star oder einen Spatz fuhr, den hielt er an und wollte diese Gefährte kaufen.“ Manfred Krug war leidenschaftlicher Oldtimer-Sammler. Eine Aussage die erstaunlich ist, waren die Simson-Mopeds 1976 Gebrauchsfahrzeuge und lange noch keine Oldies.

Stammrätsler

Natürlich wusste auch unser treuer Stammrätsler Armin Wellnitz, worum es ging. Er merkte noch an, dass Hobbyfotograf Ernst Skibbe das Bild unweit des kleinen Fischereihafens gemacht hatte, wo früher die Fischer ihre Kähne anlegten.

Die Dreharbeiten zu „Feuer unter Deck“ fanden 1976 zum Teil in Barby statt. Manfred Krug war zu dem Zeitpunkt auf der Höhe seiner DDR-Karriere.

Dazu noch eine Episode: In einer Drehpause stand Krug an das Geländer der Elbbrücke ge- lehnt und futterte den Inhalt einer Konservenbüchse, die man zu DDR-Zeiten Komplekte nannte. Ein älterer Herr, der holzholenderweise mit seinem Fahrrad über die Brücke schob und die Szene beobachtete, war entrüstet: „Is’ denn der Schauspieler so arm, dass der mit de Jawwel aus de Blechbickse essen muss?“

Die richtige Antwort „Feuer unter Deck“ wussten auch Michael Albrecht, Sabine Adler aus Schönebeck, Bärbel und Dieter Weber aus Barby und Mario Demann aus Schönebeck.

Die einzige Anruferin, die sich irrte, war Jutta Fingeisen aus Schönebeck. Sie war sich ziemlich sicher, in den Schauspieler am Barbyer Elbufer Günter Simon zu erkennen. Der spielte stets vorbildliche Sozialisten, Bauern, Arbeiter und väterliche Funktionäre aber auch den Vater von Alfons Zitterbacke. In einem seiner bekanntesten Filme stellte er Ernst Thälmann dar. In der Tat sah Simon Krug aus der Ferne ein bisschen ähnlich. So konnte man auf einem unscharfen Schwarz-Weiß-Foto schon mal zu diesem Schluss kommen.

Warum ihn Jutta Fingeisen mit unserer Region verortete, hat aber einen pikanten Grund: „Günter Simon hatte in Schönebeck eine Freundin, die Friseuse war.“

Gewinner des Heimaträtsels ist Renate Gerth, die sich in der Volkstimme-Redaktion Schönebeck (Hellgestraße 71) einen kleinen Preis abholen kann.